1. Startseite
  2. Politik

Ukraine-Krieg: Russland will Zehntausende aus Cherson umsiedeln 

Erstellt:

Von: Teresa Toth, Moritz Serif, Nadja Austel, Vincent Büssow, Christian Stör

Kommentare

Der neue russische Kommandeur zeichnet ein düsteres Bild von der Lage in Cherson. Derweil muss sich die Ukraine weiter gegen Drohnen-Angriffe verteidigen. Der News-Ticker.

Dieser News-Ticker wird hiermit beendet. Alle weiteren Neuigkeiten und Entwicklungen im Ukraine-Krieg finden Sie in unserem neuen News-Ticker.

+++ 09.15 Uhr: Die von Russland eingesetzten Behörden in der ukrainischen Region Cherson planen die Umsiedlung von 50.000 bis 60.000 Menschen. Gouverneur Vladimir Saldo sagte, dass sie nach Russland und an das linke Ufer des Flusses Dnipro evakuiert würden. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur TASS. Die Evakuierung werde voraussichtlich etwa sechs Tage dauern.

News zum Ukraine-Krieg: Iran schickt Drohnen-Ausbilder auf die Krim

+++ 07.25 Uhr: Einem Bericht der New York Times zufolge hat der Iran Ausbilder auf die von Russland annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim geschickt, um Russen bei der Bedienung iranischer Drohnen zu schulen. Das berichtete die Zeitung unter Berufung auf aktuelle und ehemalige Beamte, die mit Geheimdienstinformationen vertraut sind. Die iranischen Ausbilder sollten den Russen helfen, Probleme mit der aus Teheran erworbenen Drohnenflotte zu bewältigen. Dies sei ein weiteres Zeichen für die wachsende Nähe zwischen Iran und Russland seit dem Einmarsch Moskaus vor acht Monaten.

Update vom Mittwoch, 19. Oktober, 06.15 Uhr: Die russische Armee rechnet mit einem massiven ukrainischen Angriff zur Befreiung der besetzten Stadt Cherson. „An diesem Frontabschnitt ist die Lage schwierig“, sagte der neue Oberbefehlshaber der russischen Truppen in der Ukraine, Sergej Surowikin, am Dienstagabend im Fernsehen. Es war ein ungewöhnlicher Auftritt des Armeegenerals, der sogar nahezulegen schien, dass Russland einen Rückzug aus der Stadt erwägen könnte. Surowikin sagte, dass „schwierige Entscheidungen“ notwendig sein könnten.

Auf dem Vormarsch: ukrainische Soldaten im Süden der Ukraine zwischen Cherson und Saporischschja.
Auf dem Vormarsch: ukrainische Soldaten im Süden der Ukraine zwischen Cherson und Saporischschja. © IMAGO/Dmytro Smoliyenko

Derweil hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Abend seinen russischen Widerpart Wladimir Putin angegriffen. „Der russische Hilferuf an den Iran ist die Anerkennung des militärischen und politischen Bankrotts durch den Kreml“, sagte Selenskyj. Russland habe jahrzehntelang Milliarden Dollar in seinen militärisch-industriellen Komplex gesteckt, doch nun müsse es auf „ziemlich einfache Drohnen und Raketen“ aus Teheran setzen. Der Beschuss der Ukraine mit ganzen Schwärmen dieser Drohnen mache den Russen vielleicht taktisch Hoffnung. „Strategisch wird es ihnen ohnehin nicht helfen“, sagte Selenskyj. Die russische Armee hat in den vergangenen Tagen verstärkt Drohnen iranischer Bauart vom Typ Schahed-136 auf die Energieversorgung der Ukraine, aber auch auf Städte abgeschossen. Dabei bestreiten sowohl Moskau wie Teheran ein Rüstungsgeschäft mit den Drohnen.

News zum Ukraine-Krieg: „Angebote“ für Zielperson Girkin – 100.000 Dollar Belohnung

+++ 20.35 Uhr: Igor Girkin, auf dessen Ergreifung der ukrainische Geheimdienst eine Belohnung von 100.000 US-Dollar ausgesetzt hat (siehe Update vom Sonntag, 16. Oktober, 19.15 Uhr), ist nach Informationen des ukrainischen Verteidigungsministeriums bereits in russisch-besetztes Gebiet geflohen. „Wir kennen einen seiner Aufenthaltsorte“, teilte Kyrylo Budanov mit. Girkin hatte als ein Führer der Separatisten in Donezk unter anderem die totale militärische Niederlage der Ukraine gefordert.

Der Leiter des Nachrichtendienstes sagte weiter, dass einige Personen bereits „mehrere absolut reale Angebote“ für die Ergreifung von Girkin eingereicht hätten. Er betonte auch, dass 100.000 US-Dollar eigentlich ein niedriger Preis für einen so wertvollen Gefangenen seien. Immerhin sei Girkin ein „wichtiger Informationsträger“ und für die internationale Strafjustiz relevant.

News im Ukraine-Krieg: Russische Raketen zerstören Gebäude der humanitären Hilfe in Charkiw

+++ 20.00 Uhr: Am Morgen hatte Russland Raketenangriffe (siehe Update von 8.38 Uhr) auf mehrere ukrainische Gebiete durchgeführt. Nach neuesten Erkenntnissen wurden dabei auch sechs S-300-Raketen auf Charkiw abgefeuert, die Lagerhäuser der humanitären Hilfen zerstörten. Auf diesem Gebiet habe es laut ukrainischen Behörden keine militärischen Einrichtungen gegeben. Nach dem Angriff sei in den Lagerhäusern ein Feuer ausgebrochen, das die Gebäude schließlich zerstört habe.

Das Feuer sei um 10.55 Uhr gelöscht worden. Die Raketen wurden nach ukrainischen Angaben von Belgorod in Russland aus abgeschossen. Es wurden keine Verletzten gemeldet.

News im Ukraine-Krieg: „Moskau wird anfangen, uns Reparationen zu zahlen“

+++ 19.25 Uhr: Kyrylo Budanov vom ukrainischen Verteidigungsministerium ist der Ansicht, dass die ukrainischen Streitkräfte bis zum Ende des Jahres erhebliche Fortschritte gemacht haben werden. In einem Interview für ein ukrainisches Medienunternehmen äußerte er: „Es wird große Siege geben, Sie werden es bald sehen. (…) Das alles muss bis zum späten Frühjahr abgeschlossen sein.“

Er hoffe auf eine unmittelbar bevorstehende Befreiung der Region Cherson. Doch Budanov geht noch weiter: Nach dem Ende des Krieges werde „ein sehr ernster politischer Prozess beginnen“, in dem es zu Veränderungen des heutigen Russland kommen werde. „Bestimmte Regionen werden sich von Russland abspalten. Moskau wird anfangen, uns Reparationen zu zahlen“, so Budanov. Er denke, dass die Kaukasusländer die ersten sein werden, die sich von Russland abspalten. Der Glaube an das Regime sei das einzige, was Russland zusammenhalte: „Sobald das Regime zusammenbricht, wird all dies [die Russische Föderation] zerfallen.“

News im Ukraine-Krieg: Kiew will Israel um Verteidigungssysteme bitten

+++ 18.43 Uhr: Die Ukraine will eigenen Angaben zufolge nun auch Israel um Luftabwehrsysteme bitten. „Heute wird die Ukraine eine offizielle Mitteilung an die Regierung Israels mit der Bitte senden, die Ukraine dringend mit Luftverteidigungssystemen auszustatten“, sagte Außenminister Dmytro Kuleba ukrainischen Medien zufolge. Hintergrund sind die russischen Angriffe auf die Ukraine, bei denen offensichtlich Kampfdrohnen iranischer Bauart zum Einsatz kommen. Der Iran gilt als Erzfeind Israels. Es sei „an der Zeit, dass Israel sich offen auf die Seite der Ukraine stellt“, sagte Kuleba weiter.

News zum Ukraine-Krieg: Stromversorgung in der Ukraine im „ganzen Land kritisch“

+++ 18.05 Uhr: Nach zahlreichen russischen Angriffen auf die Strom-Infrastruktur in der Ukraine ist das Land nach eigenen Angaben in einer bedenklichen Lage. Laut den staatlichen Notfalldiensten waren am Dienstag mehr als 1100 Orte ohne Strom. Der stellvertretende Leiter des ukrainischen Präsidialamts, Kyrylo Timoschenko, schilderte die „kritische“ Lage seines Landes im ukrainischen Fernsehen. Die ganze Ukraine müsse sich nun auf Ausfälle der Strom- und Wasserversorgung sowie von Heizungen vorbereiten, warnte er.

+++ 17.01 Uhr: Wladimir Klitschko, ukrainischer Ex-Boxweltmeister, fordert angesichts des russischen Angriffskrieges zu mehr Medien-Präsenz in der Ukraine auf. Er wünsche sich, mehr Medien der freien Welt in der Ukraine, sagte Klitschko bei den Medientagen München.

+++ 15.34 Uhr: Nach zahlreichen russischen Angriffen auf die Strom-Infrastruktur der Ukraine befindet sich das Land nach eigenen Angaben in einer bedenklichen Lage. „Die Lage ist jetzt im ganzen Land kritisch, weil unsere Regionen voneinander abhängen“, hieß es am Dienstag aus dem Präsidialamt in Kiew. Laut Staatschef Wolodymyr Selenskyj zerstörte Russland binnen einer Woche knapp ein Drittel der ukrainischen Elektrizitätswerke, so die Nachrichtenagentur afp.

News zum Ukraine-Krieg: Parlament stuft Russland als Terror unterstützenden Staat ein

+++ 14.41 Uhr: Das estnische Parlament hat Russland am Dienstag als Terror unterstützenden Staat eingestuft. „Der Riigikogu erklärt das russische Regime zu einem terroristischen Regime und die Russische Föderation zu einem Staat, der den Terrorismus unterstützt, deren Aktionen gemeinsam angegangen werden müssen“, hieß in der einstimmig bei drei Enthaltungen angenommenen Entschließung laut der Nachrichtenagentur dpa.

News zum Ukraine-Krieg: Hilfswerk wirft Russland „blanken Terror“ vor

+++ 13.49 Uhr: Das katholischen Osteuropa-Hilfswerk Renovabis wirft Russland die Verbreitung von „blankem Terror“ vor. Die Angriffe mit Kamikaze-Drohnen richteten sich gezielt auf Einrichtungen, die keinerlei militärische Zwecke hätten, sondern allein der Versorgung der Menschen mit Energie und Wärme dienten, so Hauptgeschäftsführer Thomas Schwartz. „Der Krieg ist in eine weitere Phase der Unmenschlichkeit eingetreten“, sagte er der Nachrichtenagentur KNA. Es gehe nun gezielt um die Zerstörung der Lebensgrundlagen in der Ukraine.

News zum Ukraine-Krieg: Russland nutzt angeblich keine Kamikaze-Drohnen

+++ 12.57 Uhr: Russland hat die Nutzung von iranischen Kamikaze-Drohnen im Krieg gegen die Ukraine abgestritten. Der Kreml versicherte, ihm lägen „keine Informationen“ über den Einsatz der unbemannten Flugfahrzeuge durch die russische Armee vor. „Nein, wir haben keine Informationen darüber“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bei einem Presse-Briefing auf Nachfrage. „Es wird russische Technik verwendet.“ Für weitere Nachfragen verwies der Sprecher von Kreml-Chef Wladimir Putin auf das russische Verteidigungsministerium.

+++ 11.26 Uhr: Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sind mittlerweile 30 Prozent der Kraftwerke des Landes durch russischen Beschuss zerstört worden. Massive Stromausfälle seien die Folge. Dies teilte der Staatschef auf Twitter mit. „Kein Platz mehr für Verhandlungen mit Putins Regime“, schrieb Selenskyj auf dem Kurznachrichtendienst.

News zum Ukraine-Krieg: Russischer Angriff auf Kiew

+++ 10.30 Uhr: In Kiew ist eine Energieversorgungsanlage ukrainischen Angaben zufolge von einer russischen Rakete getroffen worden. Es gebe drei Einschläge an der Anlage am linken Ufer des Flusses Dnepr, erklärte der stellvertretende Leiter des ukrainischen Präsidialbüros, Kyrylo Tymoschenko, in Online-Netzwerken. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko sagte, es habe Berichte über Explosionen im Nordosten der Stadt gegeben, nachdem eine „kritische Infrastruktureinrichtung“ getroffen worden sei.

Tymoschenko erklärte zudem, zwei Angriffe hätten eine Energie-Anlage in der Stadt Dnipro getroffen und „erheblichen Schaden“ verursacht. Auch in Schytomyr, westlich von Kiew, habe es Angriffe auf eine solche Anlage gegeben, hieß es weiter. Bereits am Montag (17. Oktober) hatte Russland wichtige Infrastruktur in drei ukrainischen Regionen angegriffen. Dadurch fiel nach Angaben der ukrainischen Regierung in hunderten Städten und Dörfern der Strom aus.

Ukraine-Krieg: „Zwei Explosionsserien in fünf Minuten“ – Angriffe in mehreren Regionen

+++ 8.38 Uhr: Die russischen Raketen- und Drohnenangriffe auf die Ukraine gehen am Dienstag (18. Oktober) weiter. Im ganzen Land wurde Luftalarm ausgelöst. Unter anderem Charkiw, Dnipropetrowsk und Mykolajiw meldeten, dass die Luftverteidigung aktiv sei. Nicht überall gelang aber die Abwehr der Attacken, vielerorts schlugen Raketen ein. Auch aus der Hauptstadt Kiew gab es erneut Berichte über Explosionen.

In Mykolajiw sei bei nächtlichem Raketenbeschuss ein Wohnhaus getroffen worden, Einsatzkräfte hätten die Leiche eines Mannes aus den Trümmern geborgen, teilte Gouverneur Witalij Kim mit. Auch in der Stadt Charkiw berichtete Bürgermeister Ihor Terechow von Raketenbeschuss. „In der Stadt gab es innerhalb von fünf Minuten zwei Explosionsserien“, sagte er. Getroffen wurde nach ersten Erkenntnissen ein Industriebetrieb. Die U-Bahn stellte den Zugverkehr ein und nahm erneut den Betrieb als Schutzbunker auf.

Im Gebiet Dnipropetrowsk wurden in Kriwyj Rij und in der Gebietshauptstadt Dnipro Explosionen gemeldet. In Schytomyr hätten Raketen Energieinfrastruktur getroffen, hieß es. Das russische Militär hatte erklärt, gezielt Energieanlagen unter Beschuss zu nehmen.

Ukraine-News: Luftalarm wegen Drohnen über Kiew – Sanktionen gegen Iran gefordert

+++ 8.15 Uhr: Die USA haben im Zusammenhang mit den jüngsten Luftangriffen in der Ukraine mit Sanktionen gegen Unternehmen und Länder gedroht, die in das iranische Drohnen-Programm involviert sind. „Jeder, der mit dem Iran Geschäfte macht, die eine Verbindung zu unbekannten Luftfahrzeugen oder der Entwicklung ballistischer Raketen haben, sollte sehr vorsichtig sein“, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Vedant Patel, am Montag (17. Oktober). Die USA würden „nicht zögern, Sanktionen einzusetzen“, fügte er hinzu. Patel warnte zudem, Russlands enger werdende Allianz mit dem Iran sollte weltweit als „große Bedrohung“ gesehen werden. Die Lieferung der Drohnen verdeutliche, unter welchem „gewaltigen Druck“ Russland stehe.

Ukraine-Krieg: Luftalarm in Kiew und Odessa – Energieversorgung getroffen

Erstmeldung vom Dienstag, 18. Oktober: Erst gegen Mitternacht ist in der ukrainischen Hauptstadt Kiew der vierte Luftalarm des Montags (17. Oktober) zu Ende gegangen. Um die Millionenstadt zu schützen, war nach Behördenangaben die Luftabwehr im Einsatz, um anfliegende Drohnen abzufangen. Ein Abschuss einer solchen Drohne wurde aus dem Ort Browary am östlichen Stadtrand gemeldet. Bei Drohnenangriffen auf Kiew am Morgen waren vier Menschen getötet worden, darunter ein junges Paar mit einer schwangeren Frau. „Wladimir Putin kann sich eine weitere Leistung zuschreiben, er hat noch eine Schwangere getötet“, sagte der ukraininsche Präsident Wolodymyr Selenskyj .

Abends gab es Luftalarm auch über den südlichen Gebieten Mykolajiw und Odessa. In Odessa waren demnach Explosionen zu hören. Im zentralukrainischen Gebiet Dnipropetrowsk wurde nach Behördenangaben am Tag ein Objekt der Energieversorgung getroffen. Die Ukraine habe seit Sonntagabend 37 Drohnen und mehrere Marschflugkörper abgefangen, sagte Selenskyj. Beobachtet wurden über Kiew die zur einmaligen Verwendung bestimmten Kampfdrohnen vom Typ Shahed 136 aus dem Iran. Seit der vergangenen Woche habe es mehr als 100 Angriffe mit solchen Drohnen gegeben, teilte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba mit. „Wir rufen Teheran auf, sofort jede Waffenlieferung an Russland einzustellen“, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums. „Sonst werden der Iran und seine Führung streng zur Verantwortung gezogen werden.“

Kuleba rief die EU zu Sanktionen gegen den Iran auf. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock stellte ebenjene in Aussicht, falls die Lieferung der Drohnen durch die Islamische Republik an Moskau nachgewiesen werde. Sie habe am Montag bereits im Europäischen Rat angekündigt, „dass aus meiner Sicht auch mit Blick auf diese Drohnenlieferung aus Iran nach Russland eben ein weiteres Sanktionspaket gegenüber dem iranischen Regime folgen muss“, sagte sie im ZDF-heute journal. Baerbock sagte auch, dass für ein weiteres Sanktionspaket Klarheit über die Herkunft der Drohnen herrschen müsse. „Es muss alles natürlich rechtlich sauber sein.“ (mit Agenturen)

Auch interessant

Kommentare