Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Sie dürfen, was in Iran mit Gewalt verhindert wird: Um die getöteten Demonstranten trauen vor dem Brandenburger Tor in Berlin.
+
Sie dürfen, was in Iran mit Gewalt verhindert wird: Um die getöteten Demonstranten trauen vor dem Brandenburger Tor in Berlin.

Iran

Grabesstille in Teheran

  • Martin Gehlen
    VonMartin Gehlen
    schließen

Mit Tränengas und Knüppeln gehen Polizisten gegen Iraner bei einer Trauerfeier für die Opfer der jüngsten Proteste vor. Von Martin Gehlen

Keine Reden, einige Koranverse und stilles Gedenken so wollte die Opposition am Donnerstag auf dem Friedhof Behesht-e Zahra im Süden Teherans die bei den Unruhen in den letzten Wochen getöteten Demonstranten betrauern. Zusammen mit den beiden Oppositionsführern Mir Hussein Mussawi und Mehdi Karrubi hatten sich rund 2000 Menschen auf dem weitläufigen Gelände eingefunden.

Auch die 26-jährige Studentin Neda Soltani liegt hier begraben, die vor 40 Tagen auf offener Straße verblutete. Das Video von ihrem Tod ging um die Welt, ihr Gesicht wurde zum Wahrzeichen der grünen Bewegung, die seit Wochen gegen die manipulierte Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad aufbegehrt.

Polizei und Revolutionäre Garden verhinderten das Gedenken sofort mit Gewalt. Mit Schlagstöcken und Tränengas trieben sie die Menschen auseinander, verhafteten einige, darunter den bekannten Filmemacher Jafar Panahi, seine Frau und seine Tochter. Polizisten zerschlügen die Scheiben von Autos, deren Fahrer aus Sympathie für die Demonstranten gehupt hätten, heißt es auf Internetseiten von Oppositionellen. Journalisten von Nachrichtenagenturen wird verboten ihre Büros zu verlassen, um vom Ort des Geschehens zu berichten.

"Tod dem Diktator"

Wie Augenzeugen berichteten, gelang es Mussawi zunächst, aus seinem Auto auszusteigen und zum Grab von Neda Soltani zu gehen. Nach wenigen Augenblicken sah sich der Ex-Premier von Polizisten umstellt, die ihn wieder zu seinem Auto führten, bevor er die für ein solches Trauerzeremoniell üblichen Koranverse vortragen konnte. Als seine Anhänger den Wagen umringten, um seine Abfahrt zu blockieren, drängten die Ordnungskräfte sie mit Gewalt ab. Die Menge rief in Sprechchören "Mussawi, wir unterstützen dich" und "Tod dem Diktator".

Auch Mehdi Karrubi wurde sofort nach seiner Ankunft von Polizisten umzingelt. Nach Augenzeugenberichten bewarf die Menge die Uniformierten mit Steinen und rief "heute ist Tag der Trauer. Wir Trauenden sind loyale Iraner". Karrubi protestierte in einer improvisierten Ansprache gegen die Anwesenheit der Polizei: "Wir hatten eine Genehmigung beim Innenminister beantragt, eine stille Gedenkfeier in der Mosalla-Moschee zu halten das wurde uns verwehrt."

Polizei auch im Zentrum

Die ursprünglich geplante Kundgebung im Zentrum Teherans hatte die Opposition am Vormittag abgesagt. Dennoch waren am Donnerstag in der Umgebung des Gotteshauses hunderte Polizisten aufmarschiert, um jede Versammlung zu unterbinden.

Am Abend versammelten sich kleinere Gruppen von Demonstranten in mehreren Stadtteilen Teherans. Sie riefen "Tod den Diktatoren" und "Unabhängigkeit, Freiheit, Iranische Republik". Dabei übernahmen sie einen Slogan der Revolution von 1979, ersetzten aber den Begriff "Islamische Republik" durch "Iranische Republik". Nach Einbruch der Dunkelheit riefen wieder zahlreiche Iraner "Gott ist der Größte" von Balkons und Dächern - auch dies in Anlehnung an die Revolution vor 30 Jahren.

Der frühere iranische Präsident Mohammed Chatami warf den Justizbehörden "Verbrechen" gegen inhaftierte Demonstranten vor. Die Schließung des Gefängnisses Kahrizak sei nicht wegen mangelnder Hygiene angeordnet worden oder weil die Ventilation nicht funktionierte, erklärte der Reformpolitiker im Internet: "Nein. Es wurden Verbrechen begangen. Menschenleben gingen verloren", schrieb er. "Blut wurde vergossen und viele Familien wurden seelisch zugrunde gerichtet."

Am Montag hatte der Oberste Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei angeordnet, das Gefängnis Kahrizak im Süden der iranischen Hauptstadt wegen "nicht ausreichender Standards" zu schließen. (mit rtr)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare