Gorleben_2_290920_4c_1
+
Hier kommt der Müll nicht hin: das Zwischenlager (vorn) und das ehemalige Bergwerk in Gorleben.

Atommüll

Gorleben ist raus

Bei der Auswahl möglicher Regionen für ein Atommüll-Endlager istder umstrittene Salzstock nicht dabei. Aus Bayern kommt scharfe Kritik.

Große Teile Deutschlands sind für ein Atomendlager nach geologischen Kriterien grundsätzlich geeignet – der lange heftig umkämpfte Salzstock Gorleben aber ist nicht darunter. Insgesamt weisen nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) 90 Gebiete günstige geologische Voraussetzungen auf. Die Suche fängt aber nun erst richtig an, es gibt keine Vorentscheidung für einen Standort. In der nächsten Phase sollen die Gebiete eingegrenzt werden. Nach der Vorlage des Zwischenberichts am Montag ging der politische Streit los.

Nach dem Bericht ist ein Anteil von 54 Prozent der Fläche Deutschlands als Teilgebiet ausgewiesen. Darin ist die Überlagerung einiger Gebiete berücksichtigt. Teilgebiete sind laut BGE Gebiete, die eine günstige geologische Gesamtsituation für die Lagerung hochradioaktiver Abfälle erwarten lassen. Die Teilgebiete verteilen sich auf alle Bundesländer mit Ausnahme des Saarlands. Sie liegen vor allem in Bayern, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Auch in den Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin sind Teilgebiete ausgewiesen.

Dem Bericht zufolge gibt es sehr kleine Teilgebiete, beispielsweise Salzstöcke, aber auch sehr große Teilgebiete, etwa große Tonformationen. Diese können sich über mehrere Landkreise oder Bundesländer erstrecken.

Faktoren wie etwa die Bevölkerungsdichte wurden in der ersten Phase der Endlagersuche noch nicht beachtet – das erfolgt in weiteren Schritten. Gesucht wird der beste Ort, um hochradioaktiven Atommüll eine Million Jahre lang möglichst sicher zu lagern. Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden. Das Lager soll alle hochradioaktiven Abfälle aufnehmen, die bis zum Atomausstieg Ende 2022 in Deutschland angefallen sind, darunter abgebrannte Brennelemente aus Atomkraftwerken sowie Reststoffe aus der Wiederaufarbeitung. Der Atommüll soll in etwa 1100 Castor-Behältern unter der Erde endgelagert werden.

Nach Ansicht der BGE erlaubt die Geologie in Deutschland in jedem Fall den Bau eines Endlagers. „Die Geologie ist von Nord bis Süd und Ost bis West so günstig, dass sich ein Standort wird ermitteln lassen“, sagte BGE-Geschäftsführer Stefan Studt am Montag in Berlin. Die nun ausgewählten Regionen seien aber noch lange kein Endlagerstandort.

Aus dem Rennen ist der Salzstock Gorleben in Niedersachsen. Gorleben war zu einem Symbol der Anti-Atomkraft-Bewegung geworden. Nach langem Ärger um Gorleben war die Endlager-Suche komplett neu gestartet worden.

Der Salzstock ist aufgrund geologischer Mängel aus dem Suchverfahren ausgeschlossen. „Gorleben ist nicht der bestmögliche Standort“, sagte BGE-Geschäftsführer Steffen Kanitz. Unter anderem weise der Salzstock ein nicht intaktes Deckgebirge auf, auch die Gewässerchemie spreche gegen den Standort. Allerdings gehört Gorleben zu einem großen Tongestein-Gebiet, das generell geeignet erscheint für ein Endlager. Politiker von Grünen, Linke und SPD bewerteten das Aus für den Salzstock als Atomendlager als Erfolg für die Anti-Atomkraft-Bewegung.

Dagegen kritisierte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), dass der Salzstock aus dem Verfahren herausgenommen wurde. Der Zwischenbericht stieß bei Söder auf große Skepsis. Von Bayern gebe es im Verfahren jetzt „keine Totalblockade“, der Freistaat werde das Verfahren aber „sehr konstruktiv und kritisch begleiten“, sagte er in München. Söder betonte, die Vorgabe, ein Endlager für eine Million Jahre sicherstellen zu können, erlaube keine Alternative zu geologischen Barrieren. Dies sei für den zerklüfteten Granit in Bayern etwa nicht ohne technische Maßnahmen machbar.

Die BGE wies Kritik aus Bayern zurück. „Wir arbeiten rein wissenschaftlich“, sagte Studt. Dass Bayern die Auswahl von zerklüftetem Granitgestein nun kritisiere, sei überraschend, immerhin habe auch Bayern dem bundesweiten Suchverfahren zugestimmt.

Die BGE will in der nächsten Phase im Rahmen einer übertägigen Erkundung Standorte ermitteln, die sie dann zur untertägigen Erkundung vorschlägt. Entscheiden muss am Ende der Bundestag. Interessierte Bürgerinnen und Bürger erhielten die Möglichkeit, auf die Ergebnisse des weiteren Standortauswahlverfahrens Einfluss zu nehmen, sagte Kanitz. Die Beteiligung startet am 17./18. Oktober mit einer Auftaktveranstaltung in Kassel zur „Fachkonferenz Teilgebiete“. (dpa/epd)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare