Katar-Krise

Golfstaaten nähern sich an

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Im Streit zwischen Katar und Saudi-Arabien gibt es Signale der Entspannung. Für die Scheichs steht ihr internationaler Ruf auf dem Spiel.

Seit zweieinhalb Jahren liegen sich die Golfstaaten in den Haaren, nun gibt es erstmals Signale der Entspannung: Katars Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al-Thani war heimlich nach Riad gereist und sprach nach seiner Rückkehr von „gewissen Fortschritten“.

Die Blockade seines Landes und eine Reihe weiterer Ereignisse hätten „die Sicherheit in unserer Region“ ausgehöhlt, sagte der Chefdiplomat des superreichen Zwergstaates und fügte hinzu, er hoffe, dass sich die Krise bald beenden lasse. Wenige Tage später lud der saudische König Salman den Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani, offiziell nach Riad ein, wo am Dienstag der 40. Gipfel des Golfkooperationsrates stattfindet.

„Es gibt Hinweise, dass dieses Kapitel von Meinungsverschiedenheiten zwischen Brüdern geschlossen wird“, formulierte der kuwaitische Vize-Außenminister Khalid Al Jarallah vorsichtig, dessen Land zusammen mit dem Oman zwischen den diplomatischen Fronten vermittelt.

In dem Konflikt stehen sich vor allem Saudi-Arabien und Katar gegenüber, wobei Riad die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten an seiner Seite weiß. Als die Krise im Juni 2017 begann, kappte das Boykott-Quartett alle Land- und Flugverbindungen mit Katar. Ein Ultimatum mit 13 Forderungen folgte. Das Emirat sollte seine diplomatische Kooperation mit dem Iran herabstufen, das türkische Militär des Landes verweisen, den Sender Al Jazeera schließen sowie alle Verbindungen zu den Muslimbrüdern kappen – offenbar das einzige Entgegenkommen, zu dem Doha jetzt nach 30 Monaten Streit bereit ist.

Denn in Katar ist von dem Embargo kaum etwas zu spüren. Das Wirtschaftswachstum blieb 2018 und 2019 mit rund zwei Prozent auf dem Niveau der Vorjahre. Die Regale in den Supermärkten sind voll, auch weil Ankara und Teheran mit Lebensmittellieferungen einsprangen. Eine hochmoderne Molkerei vor den Toren Dohas mit 20 000 importierten Kühen ersetzt inzwischen die Milchlieferungen aus Saudi-Arabien. Auf den Baustellen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 läuft alles nach Plan. Die dritte Metrolinie in Doha wird in diesen Tagen eröffnet.

Ausschlaggebend für die neue saudische Beweglichkeit aber dürfte die zugespitzte Konfrontation mit dem Iran sein, der tendenzielle Rückzug der USA aus der Region sowie die Sorge um das internationale Prestige der Arabischen Halbinsel, das durch den Kalten Krieg der Ölprinzen erheblich gelitten hat.

Im kommenden Jahr stehen der G20-Gipfel in Riad sowie die Weltausstellung Expo in Dubai an. Und 2022 folgt die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Vor allem der massive Drohnen- und Raketenangriff im September 2019 auf die beiden Verarbeitungsanlagen Abqaiq und Churais – die Herzen der saudischen Ölindustrie – hat in Riad offenbar ein Umdenken bei seiner aggressiven Regionalpolitik ausgelöst, zumal der Chef-Verbündete Donald Trump militärisch keinen Finger rührte. Nun sucht Saudi-Arabiens Führung nicht nur den Dialog mit Katar, sondern auch mit den Huthis im Jemen, um den seit 2015 tobenden Krieg zu beenden.

In Katar-Konflikt erlaubten Saudi-Arabien, die Vereinten Arabischen Emirate und Bahrain Ende November überraschend ihren Fußballteams, an dem Golf-Cup-Turnier in Doha teilzunehmen. Bahrain schickte sogar zwei Flugzeuge mit Fans, obwohl eigentlich alle Direktflüge zwischen beiden Staaten gekappt sind.

„Sport könnte reparieren, was die Politik ruiniert hat“, kommentierte trocken ein saudischer Diplomat. Beim Finale am Sonntag auf katarischem Boden allerdings hatte Saudi-Arabien keinen Erfolg. Das Team verlor mit 0:1 gegen Bahrain.

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