+
Götz Kubitschek (vorne) bei einer Demo von „Pro Chemnitz“ im September 2018.

Verleger Götz Kubitschek

Podium für einen Rechtsradikalen

  • schließen

Neurechter Verleger Götz Kubitschek sollte bei Studienstiftung des deutschen Volkes auftreten.

Es sind alles anderes als einfache Fragen, mit denen sich die Stipendiaten der Studienstiftung des deutschen Volkes Ende März befassen wollen. „Wo verläuft die Grenze zwischen politischen Gegnern und Feinden?“, oder „Inwieweit bedarf es einer Veränderung der aktuellen Diskussionskultur?“ Darüber soll im Rahmen einer dreitägigen Konferenz in Heidelberg debattiert werden. Eine weitere Frage, die in der Ankündigung der Veranstaltung auftaucht, lautet: „Kann es politische Feinde geben, mit denen nicht diskutiert werden darf?“ Diese scheinen die Veranstalter für sich bereits beantwortet zu haben: mit der Einladung eines der bekanntesten Rechtsextremisten Deutschlands.

Laut der FR vorliegenden Ankündigungstexten sollte während der Konferenz mit dem Titel „Diskurs (-) Feindschaft und das Politische“ auch der rechtsextreme Publizist Götz Kubitschek auftreten. Geplant war demnach seine Teilnahme an einer Podiumsdiskussion sowie an einem Workshop. Organisiert wird die Konferenz von den Stipendiaten der Studienstiftung des deutschen Volkes, die von Bund, Ländern und Kommunen finanziell gefördert wird. 

Extremer Netzwerker

Kubitschek gilt als einer der wichtigsten Netzwerker der sogenannten Neuen Rechten in Deutschland. Das von ihm gegründete Institut für Staatspolitik ist Denkfabrik und Schulungszentrum für Anhänger der „Identitären Bewegung“ und des völkischen Flügels der AfD. Zugleich betreibt Kubitschek den Antaios-Verlag, der neurechte Literatur veröffentlicht und der zuletzt mit seinen Auftritten bei der Buchmesse in Frankfurt Aufmerksamkeit erregte.

Die geplante Teilnahme Kubitscheks wurde am Freitag öffentlich, nachdem der Journalist Stefan Laurin seine Teilnahme an der Konferenz abgesagt und dies auf dem Blog „Ruhrbarone“ publik gemacht hatte. Darin drückt Laurin unter anderem „Verwunderung“ darüber aus, dass die Studienstiftung „einen der führenden Köpfe der rechtsradikalen Szene“ einlädt und „auf eine Stufe mit Bundestagsabgeordneten“ stellt. Neben Kubitschek sollten auch zwei Parlamentarier an der Veranstaltung teilnehmen: Jens Brandenburg von der FDP und Jessica Tatti von der Linken.

Allerdings wussten die beiden Bundestagsabgeordneten eigenen Angaben zufolge nichts von der Teilnahme Kubitscheks. Jessica Tatti zeigte sich enttäuscht von der „intransparenten“ Vorgehensweise der Organisatoren. Erst beim erneuten Durchgehen ihrer Mails sei sie versteckt in einem Anhang auf den Namen Kubitscheks gestoßen. Auch Jens Brandenburg erklärte im Gespräch mit der FR, dass ihm erst durch die Lektüre des Blogeintrags von Laurin „bewusst“ geworden sei, wer bei der Veranstaltung auftrete.

Linke will nicht kommen

Der Historiker und Publizist Volker Weiß, der ebenfalls eingeladen worden war, berichtet Ähnliches. Auch bei ihm sei angefragt worden, ohne Kubitscheks Namen zu nennen. „Es hieß in der Einladung lediglich, dass ich möglicherweise auf Leute treffe, deren Ausschluss ich sonst fordern würde“, erklärt Weiß, der terminbedingt nicht an der Konferenz teilnehmen konnte. Volker Weiß hatte mit „Die autoritäre Revolte“ ein vielbeachtetes Sachbuch über Ideologie und Strukturen der „Neuen Rechten“ verfasst und war dafür öffentlich von Kubitschek angefeindet und beleidigt worden.

Die Studienstiftung erklärte auf FR-Anfrage, dass ihres Wissens nach das Einladungsverfahren transparent abgelaufen sei. Die Einladung Kubitscheks sei nicht als inhaltliche Übereinstimmung zu werten. Allerdings ermutige man die Stipendiaten, sich mit Personen auseinanderzusetzen, die politisch diametral entgegengesetzte Positionen vertreten.

Eine Einstellung, die Volker Weiß nicht nachvollziehen kann: „Die Stiftung glaubt, die Rechten entzaubern zu können. Sie verstehen nicht, dass schon die Einladung selbst einen Sieg darstellt.“

So weit allerdings scheint es nun nicht mehr zu kommen. Nachdem Jessica Tatti von den Linken ihre Teilnahme an dem Podium am Freitag absagte, kündigte die Studienstiftung gegenüber der FR an, dass die Konferenz in der geplanten Form nicht mehr stattfinden könne. Als Grund nannte eine Sprecherin, dass das Podium durch diese Absage nicht mehr politisch ausgeglichen besetzt sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion