Thomas Rath, Leiter der Polizeiinspektion Göttingen (Archivbild 28.09.2019)
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Thomas Rath, Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, äußert sich zu einem gewalttätigen Polizeieinsatz (Archivbild 28.09.2019)

Göttingen

Polizeigewalt in Göttingen - Beamter schlägt Jungen: „Hand ausgerutscht“

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Ein Polizist in Göttingen schlägt einem jungen Mann ohne Vorwarnung ins Gesicht. Eine Kamera filmt die Gewalt. Die Polizei äußert sich.

  • Ein Video in den sozialen Medien zeigt einen Fall von Polizeigewalt.
  • Ein Polizist schlägt einem jungen Mann in seiner Wohnung in Göttingen ins Gesicht.
  • Was sagt die Polizei dazu?

Update vom Montag, 21.09.2020, 10.50 Uhr: Die Polizei hat gegen den Beamten, der am Einsatz gegen den 19-Jährigen beteiligt war, ein Verfahren wegen Körperverletzung im Amt eingeleitet.  Zudem würden disziplinarechtliche Maßnahmen gegen den Polizisten geprüft.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch ein Video des Vorfalls vom Freitagmorgen, das über soziale Medien verbreitet wurde und auch die Polizei erreichte. Dabei waren drei Beamte wegen einer massiven Ruhestörung in die Wohnung des jungen Manns gerufen worden. Zuvor hatte es bereits zwei identische Einsätze gegeben. Ein Polizist hatte den 19-Jährigen geohrfeigt.
 
 

Polizeigewalt in Göttingen: „Die Hand ausgerutscht“

+++ 17.07 Uhr: Die Polizei Göttingen hat eine Stellungnahme zum Video abgegeben, das einen Fall von Polizeigewalt zeigt. Die Polizei soll mehrfach in ein Mehrfamilienhaus im Stadtteil Holtensen gerufen worden sein. Ein 19-Jähriger habe seine Nachbarn am Mittwoch (16.09.2020) und Donnerstag (17.09.2020) wiederholt durch Lärm belästigt. Beim dritten Einsatz am Freitagmorgen soll der 19-Jährige die Beamten erneut schwer beschimpft haben, teilte der Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, Thomas Rath, am Sonntagnachmittag mit.

Einem Kollegen soll demnach die „Hand ausgerutscht“ sein, als der den 19-Jährigen ins Gesicht schlug. Das Verhalten des Beamten sei „menschlich erklärbar“, für die Polizei Göttingen jedoch „nicht hinzunehmen und auch nicht angemessen“, erklärte Rath. Der Schlag soll in den Akten des Einsatzes vermerkt sein und dafür gesorgt haben, die „massiven Beleidigungen zu beenden“, wie einer Pressemitteilung zu entnehmen ist. Nach einem weiteren Einsatz am Donnerstagabend wurde der 19-Jährige aufgrund von „Musik, Videospielen, lautem Schreien, Treten und Schlagen gegen Türen und Möbel im gesamten Treppenhaus“ schließlich in Gewahrsam genommen.

Thomas Rath, Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, äußert sich zu einem gewalttätigen Polizeieinsatz (Archivbild 28.09.2019)

Gegen den 19-Jährigen wird wegen Beleidigung und Ruhestörung ermittelt, das Verfahren übernimmt die Polizei Göttingen. Die Beamten im Video konnten umgehend identifiziert werden. Gegen sie werden dienstrechtliche Maßnahmen eingeleitet. Das Verfahren gegen die Beamten soll von der Polizei in Hildesheim übernommen werden. Die Staatsanwaltschaft soll ihr Verhalten strafrechtlich bewerten und „gegebenenfalls zur Anklage bringen“, teilte die Polizei mit.

Polizeigewalt in Göttingen: Polizei nimmt Stellung zum Einsatz

Update vom Sonntag, 20.09.2020, 14.00 Uhr: Die Polizei Göttingen wird am heutigen Sonntag gegen 16 Uhr eine Stellungnahme, sowie eine Pressemitteilung zu dem Video veröffentlichen, das im Internet kursiert. Die Aufnahme zeigt, wie ein Beamter einem 19-Jährigen in seinem Zimmer ins Gesicht schlägt. Die Kollegen des Polizisten greifen nicht ein.

„Entsprechend des aktuellen Ermittlungsstandes“ sollen sich „einige unbeantwortete Fragen" klären lassen, teilte die Polizei Göttingen auf Twitter mit.

Polizeigewalt in Göttingen: Beamter schlägt 19-Jährigem ins Gesicht

Erstmeldung vom Samstag, 19.09.2020: Göttingen - Ein Video in den sozialen Medien zeigt, wie ein Polizeibeamter aus Göttingen einen jungen Mann schlägt. Der Vorfall fand vor laufender Kamera statt und konnte aufgezeichet werden.

Zur Zeit des Vorfalls, der sich laut Zeitstempel des Videos am Donnerstag (17.09.2020) ereignete, trafen sich Nutzer zu einer morgendlichen Runde auf der Chat- und Videokonferenz-Plattform „Discord“. Der Server ist bei jungen Leuten äußerst beliebt und wird täglich von Tausenden besucht.

Polizei Göttingen: Video zeigt, wie ein Beamter einen jungen Mann schlägt

Wegen vermeintlicher Ruhestörung wurde die Polizei in die Wohnung eines 19-Jährigen gerufen, der regelmäßig seine Kamera eingeschaltet hat. In der Wohnung soll es wiederholt zu Lärm kommen, teilte die Polizei mit. Als die Beamten in seinem Zimmer eintrafen, begann ein weiterer Discord-Nutzer, den Vorfall aufzuzeichnen.

Da der Betroffene sein Mikrofon ausgeschaltet hatte, ist das Gespräch nicht zu hören. Während er einem Polizisten etwas sagt, schlägt ihm der Beamte daraufhin ins Gesicht - offenbar ohne zu wissen, dass die Kamera läuft. Seine Kollegen greifen nicht ein, sondern bleiben mit verschränkten Armen, beziehungsweise den Händen am Gürtel stehen.

Auch im Anschluss an den Schlag bleibt der Betroffene auf seinem Stuhl sitzen und redet mit den Beamten. „Durch nichts, was er gesagt haben könnte, könne das Vorgehen gerechtfertigt werden“, berichtete ein Zeuge des Vorfalls, der mit dem 19-Jährigen in Kontakt steht. Der Betroffene wurde mit auf ein Polizeirevier genommen. Der Zeuge teilte mit, dass der Betroffene nach eigenen Aussagen drei Stunden dort verharren musste und im Anschluss vier Stunden zurück nach Hause ging. Er soll Anzeige erstattet haben.

Polizei Göttingen: Interne Ermittlungen aufgenommen

Die Polizei Göttingen kommentierte das Video auf Twitter*. Man habe die internen Ermittlungen bereits aufgenommen, heißt es. Sie baten den Veröffentlicher des Videos, in Kontakt zu treten.

Die Ermittlungen sollen von einer anderen Dienststelle übernommen werden. Eine offizielle Pressemitteilung soll am Sonntag (20.09.2020) erfolgen. (Von Lukas Rogalla)

Anlässlich des Danke-Polizei-Tages haben am Samstag unzählige Twitter-User sich bei der Polizei in sozialen Netzwerken bedankt. Fälle wie dieser führten aber dazu, dass die meisten Tweets nicht sehr positiv ausfielen. *fr.de und hna.de sind Teile des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerk

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