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Der Kampfeswille ist da, aber Afrika hilft auch diesmal niemand.
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Der Kampfeswille ist da, aber Afrika hilft auch diesmal niemand.

„Impfstoff-Apartheid“

Corona-Impfung: Verheerende Folgen der globalen Ungerechtigkeit

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Gegen Corona wird im entwickelten Norden auf Teufel komm raus geimpft. Da bleibt von den versprochenen Impfdosen für die Südhalbkugel nichts übrig.

Frankfurt – Statt kleiner wird die weltweite Kluft in der Verteilung von Covid-Schutzimpfungen immer nur noch größer. 80 Prozent der in den vergangenen zehn Monaten verabreichten sechs Milliarden Dosen kamen der Bevölkerung von Staaten mit hohem und gehobenem mittleren Einkommen zugute, während sich der Anteil vor allem in den Armutsstaaten Afrikas auf 0,4 Prozent beschränkt.

Der von Fachleuten als „Impfstoff-Apartheid“ kritisierte Trend wird sich bis Jahresende womöglich noch verschlimmern: Jüngst kündigte die für Lieferung von Impfstoffen an hilfsbedürftige Länder zuständige Organisation Covax eine Reduzierung ihrer Zustellungen um 25 Prozent an. Damit werden höchstens 17 Prozent der afrikanischen Bevölkerung noch in diesem Jahr zumindest teilweise gegen das Coronavirus geschützt werden können – beabsichtigt waren 40 Prozent.

WHO: Afrika könnte „Brutstätte“ resistenter Corona-Varianten werden

Diese „atemberaubende Ungleichheit“ könne den Kontinent in eine „Brutstätte impfstoff-resistenter Covid-Varianten“ verwandeln, warnt Mathsidiso Moeti, Afrika-Direktorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO). „Die Welt droht auf den Ausgangspunkt des Kampfs gegen das Virus zurückgeworfen zu werden.“

Anlass des Anziehens dieses Trends ist die Absicht der Industrienationen, ihre Bevölkerung durch zusätzliche „Booster“-Injektionen zu schützen und auch Kinder zu impfen. Dadurch wird die Zahl der Covax zur Verfügung stehenden Dosen weiter verknappt: Statt der ursprünglich beabsichtigen zwei Milliarden Rationen werden es weit weniger als die Hälfte sein. Bis heute hat Covax weniger als 300 Millionen Dosen verteilt. Impf-Gerechtigkeit sei eine der größten Herausforderungen der Gegenwart, so WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus: „Und wir scheitern daran.“

Corona-Impfung: Booster-Impfungen in Industrienationen umstritten

Covax war im April 2020 von privaten und staatlichen internationalen Organisationen wie der WHO, der Europäischen Kommission, der Stiftung von Bill und Melinda Gates aus den USA sowie der Impf-Allianz „Gavi“ gegründet worden, um armen Ländern den Zugang zu Vakzinen zu ermöglichen. Bald stellte sich jedoch heraus, dass die von Regierungen zugesagten Mittel für den Kauf einer ausreichender Zahl an Vakzinen nicht genug sein würden: Als noch verheerender erwies sich die Tatsache, dass die Impfstoffe nicht zugänglich waren. Bislang sei „keine einzige Dosis“ eines Vakzins aus europäischer Herstellung an Covax geliefert worden, teilte Strive Masiyiwa im August mit – der simbabwische Geschäftsmann soll im Auftrag der Afrikanischen Union (AU) Impfstoffe beschaffen.

Europäische Regierungen sollen Masiyiwa immer wieder auf das indische „Serum Institut“ verwiesen haben, das unter Lizenz das Vakzin von Astrazeneca herstellt. Während seiner verheerenden dritten Infektionswelle aber stoppte Indien Ende März alle Ausfuhren – und bis heute hat sich daran nichts geändert: Statt einer Milliarde Dosen bis Ende 2021 waren es bislang lediglich 20 Millionen. Nur ein Fünftel der eine Milliarde Menschen in Indien ist inzwischen komplett geimpft.

Die Tendenz in den Industrienationen, die eigene Bevölkerung mit einer dritten oder – wie in Israel – sogar einer vierten Impfung zusätzlich zu schützen, ist in Fachkreisen umstritten: Wirkungsvoller sei es, eine möglichst große Zahl an Menschen mit einer Injektion teilweise zu schützen, um auf diese Weise Mutationen gering zu halten. Selbst Mehrfachimpfungen können sich für neue Varianten als weniger wirksam oder gar als wirkungslos erweisen.

Afrikas Regierungen bemühen sich um eigene Corona-Impfstoffe

Afrikas Regierungen bemühen sich derzeit, die Herstellung von Vakzinen auch auf dem eigenen Kontinent zu ermöglichen. Fachleute befürchten jedoch, dass das Jahre dauern kann. Erst seit kurzem wird in Südafrika der Impfstoff von Johnson & Johnson zumindest abgefüllt: Pläne von Biontech/Pfizer für die dortige Produktion stehen noch am Anfang. Südafrikas Vorstoß, bei der Welthandelsorganisation WTO für eine vorübergehende Aufhebung des Patentrechts bei den Covid-Vakzinen zu sorgen, scheiterten bislang vor allem am Widerstand der Deutschen. Dagegen gab es am Wochenende Massenproteste in mehreren Teilen der Welt.

Washington bereitet nun angeblich eine Initiative zur Lieferung von 500 Millionen Dosen nach Afrika vor. Doch auch die Ankündigung der G7-Staaten, eine Milliarde Dosen in arme Länder zu schicken, steht bislang nur auf dem Papier. „Wir zählen keinen Versprechungen mehr“, sagt AU-Beauftragter Masiyiwa: „Wir zählen nur noch, was in Kisten auf unseren Flughäfen ankommt.“ (Johannes Dieterich)

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