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Gregor Gysi, verbunden mit der Welt.

Linkspartei

Der globale Gysi

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Eigentlich war der 72-jährige Tausendsassa Gregor Gysi schon Politrentner. Kaltgestellt von Sarah Wagenknecht. Nun aber spricht er wieder für die Linkspartei - in Sachen Außenpolitik.

Am Donnerstag durfte Gregor Gysi mal wieder ans Rednerpult. Da hatte die Linke im Bundestag nämlich eine Debatte aufsetzen lassen, Überschrift: „Gesundheitssystem statt ,Atombomber‘ finanzieren.“ Und schickte ihren langjährigen Fraktionsvorsitzenden in die Bütt.

Bereits am Dienstag hatte der 72-Jährige sein eigentliches Comeback gefeiert. Fünf Jahre nach dem ihn Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch an der Fraktionsspitze ablösten, bestimmte ihn die 69-köpfige Fraktion zu ihrem neuen außenpolitischen Sprecher – als Nachfolger des 25 Jahre jüngeren Stefan Liebich, der aus eigenem Entschluss nicht mehr kandidierte. Dass ein Mann aus der einst ersten Reihe der deutschen Politik später in der dritten Reihe nochmal einsteigt, ist sehr ungewöhnlich.

Als Gysi 2015 durchaus auch ein bisschen entnervt abging, war er 67 und damit im besten Rentenalter. Seinerzeit erzählte er gern, dass sein Terminkalender weiterhin für Monate voll sei. 2017 legte der flinke Rechtsanwalt seine Autobiografie „Ein Leben ist zu wenig“ vor. Im Jahr zuvor wählte ihn die Europäische Linke zu ihrem Chef – ein wenig öffentlichkeitswirksames Amt, das Gysi inzwischen wieder abgegeben hat.

Die neue Fraktionsspitze um Bartsch und Wagenknecht-Nachfolgerin Amira Mohamed Ali schlägt durch Gysi zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens kann sie im Vorfeld der Bundestagswahl 2021 die Popularität, die Gysi zumindest bei Älteren noch durchaus hat, gewiss gut gebrauchen. Zweitens gibt es neben Liebich in der Fraktion kaum Außenpolitiker, die jenseits davon noch irgendwie vermittelbar wären – schon gar nicht bei SPD und Grünen, mit denen es nach der Bundestagswahl womöglich Sondierungsgespräche zu führen gilt. Die meisten anderen sind schwer ideologisch.

Gysi selbst ist keiner, der zum Hinterbänkler geeignet wäre. Dreimal hat er in dieser Legislaturperiode im Plenum reden dürfen – für einen wie Gysi natürlich klar zu wenig. Er ist halt auch ein bisschen ein Zirkuspferd, das ab und an einfach in die Manege muss. „Ich habe, nachdem mich die Fraktionsführung gefragt hatte, ob ich in der Außenpolitik für die Fraktion sprechen will, eine Zeit lang überlegt und mich dann dafür entschieden, weil ich damit wieder eine klare Aufgabe im Bundestag übernehmen konnte“, umschrieb das Gysi dann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Die vielen Glückwünsche, die mich seitdem erreichen, zeigen mir, dass es irgendwie auch erwartet wurde.“ Er fügte hinzu: „Nun geht es an die Arbeit, und als Erstes setze ich mich dafür ein, was der Bundestag zwar schon 2010 beschlossen hat, von allen Bundesregierungen seither aber vergessen wurde: den Abzug der US-Atombomben aus Deutschland.“

Die Fraktionskollegin Ulla Jelpke soll in der Fraktionssitzung am Dienstag übrigens geklagt haben: „Du bist ja nie da.“ Gysi, selten um eine Antwort verlegen, soll nur erwidert haben: „Jetzt bin ich wieder da.“

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