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Mehr Elektroautos: Dazu könnten Geldinstitute mit ihrer Finanzierungsstrategie einiges beitragen.
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Mehr Elektroautos: Dazu könnten Geldinstitute mit ihrer Finanzierungsstrategie einiges beitragen.

Klimagipfel

Glasgow: Banken treten auf die Kohlendioxid-Bremse

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Finanzunternehmen wollen 130 Billionen Dollar bis 2050 komplett in grüne Investments umschichten. Klimaschutzinitiativen sind allerdings skeptisch.

Banken, Versicherungen und anderen Investoren kommt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel zu. Die Kapitalmärkte müssen komplett von fossil auf „grün“ umschalten, damit der Umbau von Energieversorgung, Verkehr und sonstiger Infrastruktur bewältigt werden kann. Eine Allianz von 450 der größten Finanzfirmen der Welt, die zusammen ein Vermögen von 130 Billionen Dollar kontrollieren, will hier nun vorangehen. Sie verpflichtet sich dazu, dieses Kapital bis 2050 schrittweise in klimaneutrale Investitionen umzuschichten.

Die Gruppe nennt sich „Glasgow Financial Alliance for Net Zero“ (GFANZ), ihre Initiative wurde jetzt auf dem Glasgow-Klimagipfel bekannt gegeben. Die beteiligten Finanzfirmen aus 45 Ländern verwalten 40 Prozent des globalen Finanzvermögens. Neben Banken und Versicherungen finden sich Pensionsfonds, Vermögensverwalter, Börsen, Rating-Agenturen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften auf der Liste. Darunter sind unter anderem der größte Finanzverwalter der Welt, Blackrock, sowie aus Deutschland die Allianz, die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Initiator des Bündnisses ist der UN-Sonderbeauftragte für Klimaschutz und Finanzen, Mark Carney. Der frühere britische Notenbankchef hatte es im Frühjahr ins Leben gerufen und die Zusagen von den Banken, Versicherungen und anderen Investoren eingesammelt. „Wir haben jetzt die wesentlichen Voraussetzungen geschaffen, um den Klimawandel von den Rändern in den Vordergrund des Finanzwesens zu rücken, so dass jede finanzielle Entscheidung den Klimawandel berücksichtigt“, sagte er. „Das Geld ist da, wenn die Welt es will.“ Das Bündnis hat Carney zufolge „rigorose“ Ziele und Kontrollen für den Finanzumbau weg von Kohle, Erdöl und Erdgas und hin zu erneuerbaren Energien, E-Mobilität und anderen nachhaltigen Investments akzeptiert. Die Finanzfirmen verpflichteten sich, jedes Jahr über die von ihnen mitfinanzierten Treibhausgas-Emissionen Bericht zu erstatten, und alle fünf Jahre soll überprüft werden, wie weit die Umschichtung Richtung „Netto-Null-Ausstoß“ gelungen ist.

Bei Umwelt- und Klimaschützer:innen wurde die Ankündigung zurückhaltend bewertet. Die Zusagen seien unzureichend, da sie die Investoren nicht dazu verpflichteten, kein Geld mehr in fossile Brennstoffe zu investieren. „Das klingt nach einer sehr beeindruckenden Zahl“, befand die britische NGO „ShareAction“, „aber nicht alles davon wird sofort in grüne Investitionen fließen.“ Die Umweltorganisation „Stand.Earth“ kritisierte: „Diese Ankündigung ignoriert wieder einmal den größten Elefanten im Raum: die fossilen Brennstoffunternehmen“. Es sei unmöglich, unter 1,5 Grad zu bleiben, solange die Finanzinstitute nicht aufhörten, Kohle-, Öl- und Gaskonzerne zu finanzieren. Trotz des Pariser Klimaabkommens von 2015 haben Banken seither laut dem Finanzdienst Bloomberg weltweit vier Billionen Dollar an Kapital für fossile Brennstoffe organisiert.

Eine Gruppe von internationalen NGOs stellte am Donnerstag eine öffentliche zugängliche umfangreiche Datenbank zu Unternehmen aus der Öl- und Gasindustrie vor, die „Global Oil & Gas Exit List“ (Gogel) vor. Sie umfasse 887 Unternehmen und bilde damit knapp 95 Prozent der weltweiten Öl- und Gasproduktion ab, teilte die deutsche Organisation Urgewald mit, die unter den Initiatoren ist. Nutzer:innen der Datenbank, insbesondere aus der Finanzindustrie, könnten mit Gogel die Öl- und Gasfirmen mit den größten Expansionsplänen sowie mit den umstrittensten Formen der Öl- und Gasförderung leicht identifizieren.

Urgewald-Expertin Katrin Ganswindt erläuterte: „In den letzten zwei Jahren haben wir eine Welle von Richtlinien zum Ausschluss von Kohle durch Finanzinstitute gesehen, aber fast keine, die sich mit Öl und Gas befassen.“ Mit Gogel wolle man öffentliche und private Finanzinstitute dazu bewegen, die Expansion der Öl- und Gasbranche nicht länger zu unterstützen. „Die Finanzindustrie muss ihrer Verantwortung bei allen fossilen Energieträgern gerecht werden“, sagt sie. Laut dem UN-Umweltprogramm Unep stiegen die Treibhausgasemissionen, die auf die Öl- und Gasindustrie zurückzuführen sind, rapide an. Die Gogel-Zahlen belegten, dass die Branche sich insgesamt auf einem rücksichtslosen Expansionspfad befinde, so die NGO.

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