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Ziemlich beste Freunde? Wladimir Putin und der pragmatische Weg in den Iran

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Von: Felix Busjaeger

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Treffen sich jetzt in Teheran: der Präsident des Irans, Ebrahim Raisi, und Russlands Präsident Wladimir Putin.
Treffen sich jetzt in Teheran: der Präsident des Irans, Ebrahim Raisi, und Russlands Präsident Wladimir Putin. (Bild entstand am 29. Juni 2022 in Turkmenistan) © Iranian Presidency/IMAGO

Wladimir Putin besucht Teheran – offiziell geht es um Syrien. Doch der Iran und die Türkei werden für den Präsidenten immer wichtigere Partner. Eine Analyse.

Teheran – Knapp 3000 Kilometer trennen Moskau und Teheran. 3000 Kilometer, die nicht nur in eine andere Klimazone führen, sondern auch in eine andere Kultur. Doch dieser Tage scheinen Distanz und kulturelle Unterschiede unbedeutend: Angesichts der Reise, die Russlands Präsident Wladimir Putin zum Gipfeltreffen im Iran auf sich nimmt, rücken der Kreml und der iranische Präsident Ebrahim Raisi näher zusammen – so scheint es zumindest.

Zwar blicken die beiden Nationen auf eine gemeinsame Vergangenheit beim Thema Syrien zurück, doch bis Putin und der Iran beste Freunde werden könnten, ist es noch ein weiter Weg.

Wladimir Putin besucht den Iran: Dreiergipfel mit Raisi und Erdogan für mehr Zusammenarbeit

Für Dienstag, dem 19. Juli, war ein Treffen zwischen Putin und Raisi angekündigt. Mit von der Runde: der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan. Das Trio will bei einem Gipfel in der iranischen Hauptstadt Teheran offiziell über eine Verbesserung der Lage in Syrien beraten, doch angesichts des Ukraine-Kriegs werden sich die Gespräche auch um Fragen zur internationalen Sicherheit und die Lage Russlands drehen. Beim Thema Syrien war zuletzt befürchtet worden, dass Putins Invasion der Ukraine eine Machtverschiebung im Bürgerkriegsland mit sich hätte bringen können.

Das Gipfeltreffen findet nur wenige Tage nach die Nahost-Tour von US-Präsident Joe Biden statt, der unter anderem auch Saudi-Arabien besuchte. Riad gilt historisch bedingt als größter regionaler Rivale des Irans. Die Feindschaft der Nationen wird seit jeher auch auf ideologisch-religiöser Ebene geführt. Hintergrund sind hier die sunnitischen und schiitischen Strömungen des Islams, die im jeweiligen Land Staatsreligion sind. Erst im vergangenen Jahr kam es zu ersten Annäherungen, die die Beziehung zwischen Riad und Teheran verbessern könnten.

Noch kein Freundschaftsbesuch: Putin spricht in Teheran über Zusammenarbeit – auch im Hinblick auf den Ukraine-Krieg

Dass der jetzige Besuch von Wladimir Putin im Iran noch nicht als Freundschaftsbesuch zu bewerten ist, halten Experten derzeit für wahrscheinlich. Dennoch: Auch bei der Syrien-Frage vertraten Teheran und Moskau ähnliche Positionen und unterstützen das Regime von Baschar al-Assad, der als Diktator von Syrien gilt. Auch wenn Erdogan in Syrien andere Ziele verfolgt, hat das Trio in den vergangenen Jahren näher zusammengefunden. Doch die Allianz der Staaten scheint bröckelig: Auf Drängen des türkischen Machthabers war das Treffen zuletzt verschoben worden.

Dass sich der Türkei auch Alternativen zu Russland und dem Iran bieten, zeigte Erdogan zuletzt sehr medienwirksam: Er traf sich mit Vertretern der saudi-arabischen und israelischen Regierung und signalisiert so, dass er auch anders könnte. Mutmaßlich wird er diese Ausgangslage nutzen, um in Gesprächen über den Nahost-Raum Zugeständnisse seiner Partner abzugewinnen. Denn seit Wochen will die Türkei gegen den syrischen PKK-Ableger vorgehen – noch aufgehalten durch den Widerstand Russlands und des Irans.

Neue Handelsroute für Russland: Russische Wirtschaft wegen EU-Sanktionen geschwächt

Doch viel wichtiger als die Syrien-Frage wird für Kremlchef Putin die mögliche Unterstützung für sein Land. Denn Recep Tayyip Erdogan und Ebrahim Raisi könnten für den russischen Präsidenten in den kommenden Monaten noch eine wichtige Rolle spielen. Es ist anzunehmen, dass Putin das Treffen des Astana-Formats, so die offizielle Bezeichnung des Gipfels, nutzen könnte, um die Vertreter des Irans und der Türkei stärker für sich zu gewinnen. Und das nicht nur ideologisch: Seit die EU-Sanktionen seit Monaten die Wirtschaft Russlands ausbremsen, könnte eine Handelsroute von Nord nach Süd eine wichtige Lebensader für die Russische Föderation werden.

Eine wirtschaftliche Geschlossenheit mit dem Iran wäre für Russland zudem eine Rückversicherung in unsicheren Zeiten. Während sich der Westen auf die Aufrechterhaltung der Sanktionen gegen Putin konzentriert, haben in den vergangenen Wochen und Monaten Vertreter des Kremls wohl aus gutem Grund ihre Fühler gen Süden ausgestreckt, um neue Wirtschaftswege zu erschließen. Dass der Iran zu den wichtigeren Partnern Russlands gehört, ist indes nicht neu: Bereits im vergangenen Jahr war die islamische Republik am Persischen Golf einer der größten Abnehmer von russischem Getreide.

Kooperiert der Iran im Ukraine-Krieg mit Putin? Teheran dementiert Lieferung von Drohnen an Russland

Abseits der Wirtschaft ist es hingegen allerdings schwieriger für den Iran, militärische Gemeinsamkeiten mit Russland zu finden. Während Teheran Unterstützung beim eigenen Atomprogramm gebrauchen könnte, hatte vergangene Woche die Aussage eines hochrangigen US-Regierungsvertreters für Wirbel gesorgt, nach dem es Hinweise gäbe, dass Moskau iranische Kampfdrohnen für den Krieg gegen die Ukraine erwerben wolle. Die amerikanischen Anschuldigungen seien „grundlos“, konterte der Iran mit Nachdruck. Auch seitens des Kremls wurden entsprechende Gerüchte wenig später dementiert und beim jetzigen Treffen soll eine mögliche Drohnen-Lieferung keine Rolle spielen.

Die bisherige militärische Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Iran beschränkte sich überwiegend auf taktische Abstimmungen im Zusammenhang mit dem Syrien-Konflikt. Der jetzige Ukraine-Krieg hat das Verhältnis erstmals auf eine schwere Probe gestellt: Nach anfänglichem Zögern gilt der Iran inzwischen offiziell als neutral bei der Frage nach dem Ukraine-Krieg. Doch die Sympathien der iranischen Führung für Russland sind bekannt. Derweil haben der russische Gaskonzern Gasprom und Irans staatliches Ölunternehmen eine strategische Zusammenarbeit vereinbart.

Brüder im Geiste: Russland und der Iran haben gemeinsamen Feind

Auch wenn es Sympathien auf beiden Seiten gibt, gelten Russland und der Iran als große Konkurrenten, die insbesondere auf dem asiatischen Energiemarkt beim Absatz von Öl mit Preisen um Käufer werben. Dennoch haben sich die beiden Nationen in den vergangenen Jahren immer mehr angenähert, gelten allerdings nach Einschätzung von Experten noch nicht als Verbündete – anders als beispielsweise Belarus. Es ist aber unverkennbar, dass Teheran seit Jahren einen prorussischen Kurs verfolgt. Denn abseits der Differenzen gibt es eine große Gemeinsamkeit: Der Iran und auch Russland werden durch den Westen sanktioniert.

Die globalen Spannungen der vergangenen Jahre und die aktuelle Situation durch den Ukraine-Krieg könnten dazu führen, dass beide Nationen näher zusammenrücken, um insbesondere wirtschaftliche voneinander zu profitieren. Denn eigentlich bieten sich Putin und Raisi kaum Alternativen – zumindest so lange der Westen keine aufzeigt. (Felix Bußjaeger)

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