US-Wahlkampf

Gingrich auf dem Mond

Im US-Wahlkampf überbieten sich die die Kandidaten in gewohnter Manier mit schrägen Ideen. Newt Gingrich lenkt die Aufmerksamkeit mit der Idee einer baldigen Mondbesiedlung auf sich - und hat auch sonst ungewöhnlich sprunghafte Ansichten.

Von Maria Weber

Morgen treten die Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei zur nächsten Vorwahlrunde an. Es geht nach Florida. Die Frage ist, ob Newt Gingrich, der in South Carolina gewann, den Erfolg in dem großen Bundesstaat wiederholen kann. Manche Umfragen sehen ihn vorn. Aber ist er für das Präsidentenamt geeignet?

Nein, findet der britische Economist. Das Blatt findet ihn zwar energisch, intelligent und voller origineller Ideen, aber es gebe zu viele Zweifel an seinem Charakter. Der sei launisch, sprunghaft, unberechenbar. So habe Gingrich für und gegen Klimaschutz gearbeitet, sich für und gegen eine Gesundheitsreform ausgesprochen, habe die Beteiligung am Libyen-Einsatz innerhalb einer Woche befürwortet und abgelehnt.

„In einem aufs Heucheln spezialisierten Beruf brachte es Mr. Gingrich zu Herausragendem. Er jagte Bill Clinton, weil der Sex mit einer 27 Jahre jüngeren Praktikantin hatte und verkehrte in dieser Zeit selber sexuell mit einer 23 Jahre jüngeren Mitarbeiterin.“ Auch seine politische Bilanz wecke Zweifel: „Nach vier Jahren als Sprecher des Repräsentantenhauses zwangen ihn die eigenen Leuten aus dem Amt, die ihn unerträglich chaotisch fanden.“

Amerikanische Mondkolonien

Vergangene Woche gab Gingrich seine rasanteste Idee preis: den Mond besiedeln. Die niederländische Zeitung NRC Handelsblad findet das lächerlich, der Schweizer Tages-Anzeiger vergleicht die Mond-Idee mit Träumen von Jules Verne: „Gingrich schwärmt, hier sei die ‚Frontier‘, die Grenze unseres Jahrhunderts; der Pioniergeist, der einst Siedler und Trecker beseelt habe, der müsse bloß wieder geweckt werden. Allerdings waren die Auswanderer damals auf der Suche nach fruchtbarem Land und sauberem Wasser und nicht erpicht auf ein Leben in Raumanzügen.“

Irdischer betrachtet David Brooks, Kolumnist der New York Times, die Probleme Amerikas. Er beklagt, die derzeitige politische Debatte sei töricht. Niemand erkenne das Zusammenwirken von wirtschaftlichen und sozialen Faktoren, die die Stagnation der jüngsten Zeit erkläre. „Die meisten Republikaner tun so, als sei ein bisschen mehr Kapitalismus alles, was wir brauchen.

Die Demokraten haben die Priorität verschoben: Statt die Armen zu heben, wollen sie die Reichen runterziehen.“ Brooks glaubt, die Steuer für Reiche zu erhöhen, brächte zwar ein gutes Gefühl, aber weder werde der gesellschaftliche Zerfall gebremst noch erklärt, warum die Ausbildung der Amerikaner nicht mithalten kann mit dem technologischen Wandel.

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