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Leipziger „Westin“-Hotel

Gil Ofarim erstattet nach Antisemitismus Anzeige gegen zwei Hotel-Mitarbeiter

  • VonMax Schäfer
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Nach dem Antisemitismus-Vorfall im Leipziger „Westin“-Hotel erstattet Gil Ofarim gegen zwei Mitarbeiter Anzeige.

Update vom Freitag, 08.10.2021, 9.45 Uhr: Nach seinen Antisemitismusvorwürfen gegen einen Mitarbeiter des Hotels „Westin“ in Leipzig will der Sänger Gil Ofarim nun auch Strafanzeige stellen. Seine Managerin Yvonne Probst sagte der Leipziger Volkszeitung (LVZ), der 39 Jahre alte Sänger wolle sich zudem als Zeuge äußern.

Demnach sagte Probst zur LVZ: „Gil hat sich als Zeuge angeboten und hat hierzu Dienstag einen Termin in München, wie es jetzt ausschaut. Dort wird er nicht nur als Zeuge aussagen, sondern auch selbst und persönlich Anzeige stellen wegen aller in Betracht kommender Delikte.“

Anzeige gegen Gil Ofarim wegen Verleumdung

In dem Streit ist das nun die vierte Anzeige. Bislang ging bei der Polizei eine Anzeige eines Unbeteiligten wegen Volksverhetzung gegen den beschuldigten Hotelangestellten ein. Der Hotelmitarbeiter hat zwei weitere Anzeigen erstattet: eine wegen Verleumdung, eine weitere wegen Bedrohung, weil sich Menschen in den sozialen Netzwerken entfesselt gegenüber dem Hotelpersonal geäußert haben sollen.

Die Staatsanwaltschaft prüft die gegen einen Mitarbeiter des Hotels erhobenen Vorwürfe.

Musiker Gil Ofarim wird wegen eines Davidsterns diskriminiert. (Archivfoto)

Gil Ofarim: Hotel-Gast widerspricht nach Antisemitismus-Vorwürfen des Sängers

+++ 10.00 Uhr: Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen die Mitarbeiter eines Leipziger Hotels will der Betrieb eigenständige Nachforschungen anstellen. Das Hotel habe begonnen, alle Gäste, die Zeugen des Vorfalls um den Sänger Gil Ofarim gewesen sein könnten, zu befragen, sagte Hotelmanager Andreas Hachmeister der Leipziger Volkszeitung (Donnerstag). „Wir haben aber inzwischen auch alle Gäste kontaktiert, die in der Schlange hinter Herrn Ofarim standen und etwas von dem Vorfall mitbekommen haben müssten.“

In den nächsten Tagen wolle Hachmeister die Ergebnisse öffentlich machen. Ein Gast habe sich von sich aus an die Hotelleitung gewandt. „Er hat uns gesagt, es stimme alles nicht, was in dem Video zu hören ist“, sagte der Geschäftsführer.

Update vom Donnerstag, 07.10.2021, 8.15 Uhr: Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen ein Leipziger Hotel hat die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) eine schärfere Ahndung judenfeindlicher Beleidigungen gefordert. „Antisemitismus darf nicht kleingeredet werden und sollte generell unter Strafe gestellt werden“, sagte DIG-Präsident Uwe Becker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstag). „Der Strafbestand der Volksverhetzung greift oft nicht weit genug, um beispielsweise Beleidigungen strafrechtlich zu verfolgen.“

Gil Ofarims Antisemitismus-Vorwürfe: „Westin“-Hotel engagierte offenbar Security aus rechter Szene

+++ 20.39 Uhr: Nachdem Gil Ofarim den Antisemitismus gegen ihn öffentlich gemacht hatte, haben sich am Dienstagabend (05.10.2021) hunderte Menschen vor dem Leipziger Westin-Hotel versammelt, um gegen Antisemitismus zu demonstrieren. Wie t-online berichtet, hat das um ein gutes Image bemühte Hotel eine Leipziger Sicherheitsfirma mit Verbindungen in die rechte Szene engagiert. Diese sollte das Gebäude vor der Demo absichern. Das „Pro-GSL“ genannte Unternehmen wird von Personen geleitet, die tief in der rechten Szene verankert sind.

Einer ihrer Geschäftsführer, Tobias B., soll im Januar 2016 beim sogenannten „Sturm auf Connewitz“ dabeigewesen sein. 250 Neonazis fielen damals in den als linksalternativ bekannten Leipziger Stadtteil ein, zertrümmerten mit Äxten und Eisenstangen Scheiben, zündeten einen Sprengsatz in einem Dönerimbiss und zerstörten 19 Autos. Auch bedrohten und verletzen sie Menschen und hinterließen verwüstete Geschäfte.

Mitarbeiter:innen des Hotels „Westin“ wollten mit einem Banner ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen.

Tobias B. wurde im März 2021 zu elf Monaten auf Bewährung und 2500 Euro Geldstrafe verurteilt. Dazu sage er vor Gericht, er habe den Linken zeigen wollen, „dass Connewitz nicht nur ihnen gehört“. Auch behauptete er, bloß dabei gewesen zu sein und selbst nicht zugeschlagen zu haben. Der andere „Pro GSL“-Geschäftsführer, Oliver R., soll unter anderem Ordner bei Veranstaltungen des Leipziger Pegida-Ablegers Legida gewesen sein.

Gil Ofarim: Anzeige von Hotel-Mitarbeiter – Fehlende Entschuldigung sorgt für Frust

+++ 14.30 Uhr: Nach einem mutmaßlich antisemitischen Vorfall im Leipziger Westin-Hotel hat sich der Zentralrat der Juden in Deutschland enttäuscht über eine fehlende offizielle Entschuldigung des Hotels gezeigt. Dem Musiker Gil Ofarim soll nach eigenen Angaben am Montagabend (04.10.2021) das Einchecken in das Hotel verwehrt worden sein, weil er eine Kette mit Davidstern trug. In sozialen Netzwerken berichtete der 39-Jährige, dass Mitarbeiter gerufen hätten: „Pack deinen Stern ein!“, und „Packen Sie Ihren Stern ein.“

Gil Ofarim bei einem Fototermin.

„Wir sind mehr als irritiert, dass eine deutliche Entschuldigung des Hotels gegenüber Gil Ofarim bisher ausgeblieben ist“, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster am Mittwoch (06.10.2021) in Berlin. Zugleich kritisierte er ein Banner, das vor dem Hotel bei einer Demonstration am Dienstagabend gezeigt wurde. „Nach der antisemitischen Anfeindung gegen einen Juden in Deutschland fällt dem Hotel nichts anderes ein, als die israelische Flagge und Symbole des Islam auf ein Banner zu drucken“, erklärte Schuster. Und dass, obwohl die Leipziger Synagoge fußläufig vom Hotel entfernt liege. „Offenbar gibt es im Westin Grand in Leipzig wenig Bewusstsein dafür, dass Juden Teil der deutschen Gesellschaft sind“, kritisierte Schuster.

Antisemitismus-Vorwürfe als Verleumdung: Hotel-Mitarbeiter zeigt Gil Ofarim an

+++ 11.30 Uhr: Im Zusammenhang mit den Antisemitismus-Vorwürfen in einem Leipziger Hotel hat der beschuldigte Mitarbeiter nun Anzeige wegen Verleumdung gestellt. Der Mann schildere den Vorfall mit dem Künstler Gil Ofarim „deutlich abweichend von den Auslassungen des Musikers“, sagte Polizeisprecher Olaf Hoppe am Mittwoch.

Der Hotelangestellte habe zudem noch eine zweite Anzeige wegen Bedrohung gestellt, weil sich Menschen in den sozialen Netzwerken völlig entfesselt gegenüber dem Hotelpersonal geäußert hätten. Außerdem sei bei der Polizei eine Online-Anzeige eines unbeteiligten Dritten wegen Volksverhetzung eingegangen.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig und die Kriminalpolizei hätten sämtliche Ermittlungen aufgenommen, sagte Hoppe. „Nun gilt es abzuwarten, was die Ermittlungen ergeben und was tatsächlich an dem Tag geschehen ist.“ Gil Ofarim habe bislang keine Anzeige erstattet.

„Nicht die Klappe halten“: Gil Ofarim erhebt Antisemitismus-Vorwürfe - und erhält keine Entschuldigung

+++ 10.15 Uhr: Der Musiker Gil Ofarim hätte sich bei dem von ihm geschilderten antisemitischen Vorfall in einem Leipziger Hotel Unterstützung von anderen Gästen gewünscht. Niemand um ihn herum habe etwas gesagt, als ein Hotelmitarbeiter ihn aufgefordert habe, seinen Davidstern an einer Kette abzunehmen, sagte Ofarim am Mittwoch Bild TV. Der 39-Jährige hatte nach dem Vorfall am Montagabend ein Video vor dem Eingang des „Westin-Hotels“ aufgenommen und es am Dienstag auf Instagram gepostet. 

„Es ist nicht der erste Vorfall in meinem Leben, in dem ich konfrontiert worden bin mit Fremdenhass, mit Antisemitismus. Aber ich glaube: Es war einmal zu viel“, sagte Ofarim. „Ich bin froh, dass ich das gemacht habe. Ich finde, man soll einfach nicht mehr die Klappe halten und das über sich ergehen lassen. Ich hätte mir nur gewünscht, dass ich nicht alleine gewesen wäre in dem Moment, und hätte mir gewünscht, dass andere Gäste das vielleicht mitgehört hätten.“

Eine Entschuldigung von dem Hotel habe er bislang nicht erhalten. „Mein Management hat nur eine E-Mmail bekommen, dass man sich mal austauschen wollen würde, mal reden. Aber ich habe weder eine Stellungnahme bekommen zu diesem Fall, ich habe keine Entschuldigung bekommen, gar nichts!“

Nach Antisemitismus-Vorwürfen versammelten sich Hunderte vor dem „Westin Hotel“ Leipzig, um Solidarität mit Gil Ofarim und Jüdinnen und Juden zu zeigen.

Gil Ofarim: Antisemitismus-Vorwürfe gegen Leipziger Hotel - Westin reagiert

+++ 7.30 Uhr: Die Stellungnahme des Hotels Westin Leipzig zur antisemitischen Beleidigung von Gil Ofarim sorgt weiterhin für Ärger. „Unser Ziel ist es, alle unsere Gäste und Mitarbeiter zu integrieren, zu respektieren und zu unterstützen, unabhängig welcher Religion sie angehören“, heißt es in der Stellungnahme. „Wie du es mit einer Stellungnahme zu einem antisemitischen Vorfall einfach noch schlimmer machst. Ihr tut alles, Jüd*innen zu „integrieren“? Weil Jüd*innen integriert werden müssen? Really?“, reagiert darauf ein Nutzer auf Twitter.

Nutzer:innen irritiert auch, dass Mitarbeiter:innen des Hotels auf Instagram ein Foto gepostet hatten, das sie mit Israel-Flagge und Halbmondsymbol zeigen. „Was soll dieser Banner, @westin ? Eine angemessene Reaktion sieht anders aus! #Antisemitismus“, fragt etwa der Zentralrat der Juden in Deutschland.

Gil Ofarim: Antisemitismus-Vorwurf gegen Angestellte eines Leipziger Hotels

Update vom Mittwoch, 06.10.2021, 4.30 Uhr: Nach dem Vorfall um den Musiker Gil Ofarim in einem Leipziger Hotel haben am Dienstagabend (06.10.2021) Hunderte Menschen an einer Kundgebung vor dem Gebäude teilgenommen. Die Veranstaltung mit etwa 400 Menschen sei friedlich und ohne Störungen verlaufen, sagte eine Polizeisprecherin auf Anfrage. Die Polizei habe das Video, in dem der Musiker von antisemitischen Vorkommnissen im Hotel berichtet, gesichert und der Staatsanwaltschaft vorgelegt. Ob Ofarim Strafanzeige gestellt hat, war zunächst nicht bekannt.

Mehrere Leipziger Medien berichteten unterdessen, dass das Hotelmanagement „die betreffenden Mitarbeiter“ beurlaubt haben soll. Dabei wurde eine Hotelmanagerin mit den Worten, dass Antisemitismus nicht entschuldbar sei und in dem Hotel nicht geduldet werde, zitiert. Eine direkte Bestätigung war von dem Hotel am Dienstagabend zunächst nicht zu bekommen.

Hunderte Menschen versammeln sich vor dem „Westin Hotel“ in Leipzig, um Solidarität mit dem Musiker Gil Ofarim und Jüdinnen und Juden in Deutschland zu zeigen.

Nach antisemitischem Vorfall in Leipzig: Entrüstung und Solidarität mit Gil Ofarim

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) schrieb bei Twitter, es mache ihn wütend, was Ofarim widerfahren sei. Er spreche für die übergroße Mehrheit der Menschen in Sachsen, wenn er sich stellvertretend für die antisemitische Demütigung entschuldige. „Wir haben noch viel zu tun in Sachsen!“ Auch Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) zeigte sich bei Twitter bestürzt. „Antisemitismus darf keinen Platz haben. Nicht offen, nicht verdeckt. Nicht in Sachsen, nicht in Deutschland, nirgendwo.“ Innenminister Roland Wöller (CDU) hofft darauf, dass der Musiker Anzeige erstattet, damit der Vorgang polizeilich untersucht werden könne. „Sachsen ist ein weltoffenes Land“, betonte Wöller.

Antisemitische Diskriminierung von Gil Ofarim: Polizei und Hotel äußern sich

Olaf Hoppe, Sprecher der Leipziger Polizei, schätzte die mutmaßliche Aussage als „klar antisemitisch“ ein. Die Polizei werde die Inhalte des Videos an die Staatsanwaltschaft weiterleiten, die eine strafrechtliche Relevanz prüfe. Je nach Ergebnis werde dann ermittelt. Die Polizei sei bei dem Vorfall nicht vor Ort gewesen, außerdem habe man bisher noch nicht mit Gil Ofarim gesprochen, teilte Hoppe mit.

Das Westin Hotel in Leipzig sei besorgt über den Bericht und nehme die Angelegenheit extrem ernst, teilte ein Sprecher mit. Das Unternehmen versuche, Ofarim zu kontaktieren, um herauszufinden, was passiert sei. Ziel sei es, alle Gäste und Mitarbeiter unabhängig von ihrer Religion einzubeziehen, zu respektieren und zu unterstützen.

„Pack deinen Stern ein“: Gil Ofarim berichtet von Antisemitismus in Leipziger Hotel

Erstmeldung von Dienstag, 05.10.2021, 13.00 Uhr: Leipzig – „Haben wir denn nichts aus der Vergangenheit gelernt“, fragt Musiker Gil Ofarim in einem Instagram-Post. In dem dazugehörigen Video erhebt der 39-Jährige schwere Vorwürfe gegen einen Mitarbeiter des Lepiziger Hotels Westin. Ofarim soll antisemitisch beleidigt worden sein.

In einem etwa zweiminütigen Instagram-Video schildert der aufgelöst wirkende Ofarim, wie er am Montag (4.10.2021) versuchte in das Hotel in Leipzig einzuchecken. Wegen Computerproblemen sei die Schlange lang gewesen. Immer wieder wurden jedoch Personen vorgezogen, während er warten müsste, berichtet der Musiker. Nach 15 Minuten sei er schließlich an der Reihe gewesen und habe den Mitarbeiter am Check-in gefragt, was denn das Problem sei. Der Mitarbeiter, den Ofarim im Video „Herr W.“ nennt, behauptete, er wollte die Schlange entzerren. Dabei ignorierte der Hotelmitarbeiter anscheinend, dass auch Gil Ofarim wartete.

Dann kam es laut Ofarim zum Antisemitismus-Vorfall in dem Hotel: „Pack deinen Stern ein“, habe jemand aus einer Ecke gerufen. Dann habe auch der Hotelmitarbeiter gesagt: „Packen Sie Ihren Stern ein.“ Damit meinte der Mitarbeiter den Davidstern, den Ofarim an einer Halskette trug. „Dann sagte er, wenn ich ihn jetzt einpacke, darf ich einchecken“, erklärte Gil Ofarim im Instagram-Video und ringt sichtlich um Fassung. Der Musiker schließt das Video mit den Worten „Deutschland 2021“ ab.

Gil Ofarim berichtet von antisemitischer Beleidigung

Nach dem Bericht zum mutmaßlichen Antisemitismus-Vorfall in dem Leipziger Hotel erwäge der Musiker eine Strafanzeige gegen das Hotel, berichtet die Leipziger Volkszeitung. Ofarims Managerin schildert, der Musiker sei aufgelöst und sei in einem anderen Hotel untergekommen, so das Nachrichtenportal T-Online.de. Die Geschäftsführung des Hotels äußerte sich auf Anfragen mehrerer Medien nicht dazu.

Gil Ofarim ist Sohn des israelischen Musikers Abi Ofarim. Er wuchs in München auf. Ofarim berichtete bereits 2018 von seinen Erfahrungen mit Antisemitismus in Deutschland. Er habe quasi sein Leben lang damit zu kämpfen gehabt. „Wir kultivieren in Deutschland eine Tradition des Wegsehens“, erklärte Gil Ofarim in der ARD-Sendung hart aber fair.

Anlässlich der Gewalt im Nahen Osten kam es kürzlich zu antisemitischen Angriffen auf Synagogen in Deutschland. (Max Schäfer mit dpa)

Rubriklistenbild: © Tobias Hase

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