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In Erfurt findet die Grundsteinlegung für die neue Moschee statt.

Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt

Gezänk um ein kleines Gotteshaus

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In Thüringen baut die Ahmadiyya-Gemeinde ihre erste Moschee. Ministerpräsident Bodo Ramelow betont die Religionsfreiheit.

In Erfurt wurde am Dienstag der Grundstein für eine seit langem geplante Moschee gelegt. Bauherr ist die Ahmadiyya-Gemeinde, die in Thüringen etwa 100 Mitglieder zählt. Das Gebäude, das im Februar 2019 fertig sein soll, ist für die Religionsgemeinschaft die erste Moschee im Freistaat, in dem eigentlich kaum Muslime wie überhaupt wenig Ausländer leben. Wegen des Zuzugs von Flüchtlingen ist der Anteil von Migranten in den vergangenen Jahren in dem Bundesland von rund drei auf über fünf Prozent angewachsen.

Insgesamt gibt es in Ostdeutschland vier Moscheebau-Projekte – in Chemnitz, Erfurt, Leipzig und Pankow-Heinersdorf (Ost-Berlin). Lediglich das letztgenannte Projekt ist bisher abgeschlossen. Nach einer Phase intensiver Auseinandersetzungen hat sich die Lage in Heinersdorf beruhigt.

Die Grundsteinlegung in Erfurt, an der neben Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) führende Vertreter der jüdischen Gemeinde und der evangelischen Kirche teilnahmen, war von Protesten und Gegenprotesteten begleitet. In der Umgebung hielten sich jeweils rund 60 Demonstranten von Gegnern beziehungsweise Unterstützern des Projektes auf. Das Verwaltungsgericht Weimar hatte den Moscheegegnern erlaubt, auf einer Rasenfläche unmittelbar vor dem Baugelände zu demonstrieren. Das stieß auch bei der rot-rot-grünen Landesregierung auf Kritik.

Bei der Zeremonie, die in einem Festzelt stattfand, sagte der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinde, Abdullah Uwe Wagishauser, die Moschee sei aus seiner Sicht ein „Kampfplatz“. Nur gehe es den Muslimen nicht, wie ihre Gegner meinten, um einen Kampf der Kulturen. Vielmehr sei der Ort „ein Kampfplatz für das Ringen mit unserem inneren Schweinehund“. Denn die Ahmadiyya stehe für Liebe und Respekt.

Die grüne Landtagsabgeordnete Astrid Rothe-Beinlich erklärte anlässlich der Grundsteinlegung: „Religionsfreiheit ist nach unserem Grundgesetz selbstverständlich. Es ist bitter, dass man dafür demonstrieren muss.“ Sie betonte, die Gemeinde sei eine zugelassene Körperschaft des öffentlichen Rechts. Auch fänden die Gottesdienste auf Deutsch statt. Und die Imame würden in Deutschland ausgebildet. Die Ahmadiyya-Gemeinde entspreche so gesehen einer evangelischen Freikirche. Sie verstehe deshalb nicht, was man gegen das Bauprojekt haben könne. Die Muslime wollten in Erfurt lediglich „ihren Glauben leben“. Die Grünen-Politikerin fürchtet nach eigenen Worten gleichwohl, dass es in der Bauphase noch schwierig werden könnte. „Aber ich setze auf die Kraft der Vernunft.“ Und die Erfahrung lehre, dass in solchen Fällen mit der Zeit eine gewisse Normalität einkehre. „Das ist meine Hoffnung.“

Rothe-Beinlich tritt seit längerem für das Projekt ein. Dies hatte zur Folge, dass sich Kritiker des Vorhabens, die teilweise aus dem rechtsextremen Spektrum kommen und unter anderem mit Holzkreuzen und Schweinefleisch agierten, auch vor ihrem Privathaus einfanden. Ramelow unterstrich bei der Grundsteinlegung ebenfalls: „Die Religionsfreiheit und die Religionsgewährung sind wichtige Prinzipien unserer offenen Gesellschaft.“

Die Gemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat mit nach eigenen Angaben etwa 35 000 Mitgliedern in Deutschland versteht sich als islamische Reformbewegung. 2013 wurde ihr in Hessen als erster islamischer Organisation in Deutschland der Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zuerkannt. Extremistische Bestrebungen werden mit der Gemeinschaft nicht in Verbindung gebracht.

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