Sebastian Gemkow (CDU), Wissenschaftsminister des Landes Sachsen, zeigt die Testkarte mit Blut für einen neuen Corona-Antikörpertest.
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Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) zeigt die Testkarte mit Blut für einen neuen Corona-Antikörpertest.

Corona in Deutschland

Corona-Antikörpertests für zu Hause jetzt erhältlich – doch es bleiben Fragen

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Leipziger Forscher bringen bundesweit Corona-Antikörpertests für zu Hause auf den Markt. Sie sind in Apotheken oder online erhältlich. Doch es bleiben Fragen.

  • Leipziger Forscher entwickeln einen neuen Corona-Antikörpertest für daheim.
  • Der Test kostet 49 Euro und ist ab sofort bundesweit in Apotheken erhältlich oder kann online bestellt werden.
  • Antikörpertests sind nach wie vor mit Unsicherheiten behaftet.

Leipzig – Die hartnäckige Bronchitis, der wochenlange, quälende Husten – war das ein schwerer grippaler Infekt? Oder doch vielleicht Covid-19? Oder war man gar krank, aber hat das gar nicht gemerkt?

Viele stellen sich solche Fragen, scheuen aber den Gang zum Arzt oder zu einer anderen Stelle, um einen Antikörpertest machen zu lassen; weil es zu aufwendig erscheint oder sie beim Warten Angst vor einer Ansteckung haben. Die einfache Alternative wäre ein Antikörpertest für zu Hause. Im Internet werden sie bereits seit längerem angeboten, doch Experten rieten oft davon ab, weil sie die verfügbaren Verfahren als zu fehleranfällig ansahen.

Forscher entwickeln Corona-Antikörpertest für die Probeentnahme zu Hause

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Biotechnologisch-Biomedizinischen Instituts der Universität Leipzig haben in Zusammenarbeit mit dem Leipziger Biotechnologieunternehmen Adversis Pharma nun einen Corona-Antikörpertest für die Probeentnahme zu Hause entwickelt. Laut eigenen Angaben ist er „hochwertig“ und „zuverlässig“. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (beide CDU) haben den Test mit Namen „AProof“ in der Universität Leipzig vorgestellt. Das Forschungsprojekt ist damit nicht abgeschlossen, sondern bis 2022 angelegt. Es wird mit 323.000 Euro aus Mitteln des Freistaats Sachsen und der Europäischen Union unterstützt.

Michael Kretschmer, Ralf Hoffmann und Jörg Gaber (v.l.) präsentieren in Leipzig einen neuen Corona-Antikörpertest.

Die Entwickler hoffen, dass ihr Antikörpertest insbesondere in Schulen, Kindertagesstätten, Krankenhäusern und Pflegeheimen zum Einsatz komme und so dazu beitragen könne, Menschen mit erhöhtem Risiko zu schützen. Um für diese Gruppe die Ansteckungsgefahr zu minimieren, könne in den Einrichtungen auf Grundlage der Tests gezielt Personal eingesetzt werden, bei dem bereits Antikörper nachgewiesen worden seien, heißt es in einer Mitteilung der Uni Leipzig.

Corona-Antikörpertest: Das Ergebnis kann man selbst online abrufen

Während für einen Test auf eine aktuell bestehende Infektion ein Abstrich aus den Atemwegen genommen wird, braucht es für den Nachweis von Antikörpern Blut. Für den Leipziger Test werden einige Tropfen benötigt, die man auf einen Teststreifen gibt. Für die Blutentnahme muss man sich zunächst die Fingerkuppe desinfizieren und sich dann selbst mit einer kleinen Lanzette stechen. Die Auswertung übernimmt das Labor von Adversis Pharma, an das der Teststreifen geschickt wird, sobald das Blut getrocknet ist.

Das Ergebnis kann man innerhalb von 24 bis 48 Stunden selbst online abrufen. Zu diesem Zweck liegt jedem Testset ein individueller Zugangscode bei, unter dem man sich registriert. Auch im Labor erfährt niemand, wer hinter den eingeschickten Proben steckt. Der Test kostet 49 Euro und ist ab sofort bundesweit in Apotheken erhältlich oder kann online bestellt werden.

Die anonymisiert gewonnenen Daten sollen auch der Forschung zur Verfügung gestellt werden – unter anderem, um besser einschätzen zu können, wie viele Menschen in einer Region schon eine Infektion hinter sich haben.

Antikörpertests sind weiterhin mit Unsicherheiten behaftet

Allerdings sind Antikörpertests – und seien sie noch so zuverlässig – weiterhin mit Unsicherheiten behaftet: So weiß man nicht, ob alle Menschen nach einer durchgemachten Corona-Infektion Antikörper bilden und nach welchem Zeitraum diese wieder verschwinden. Bei etlichen früheren Covid-19-Patienten lassen sich mittlerweile trotz einer früheren bestätigter Infektion keine Antikörper mehr nachweisen.

Das Fehlen von Antikörpern muss allerdings nicht auf eine fehlende Immunität hindeuten. Auch Gedächtniszellen des Immunsystems können Schutz vor einer neuerlichen Ansteckung bieten. In Verbindung mit der Ungewissheit, wie lange die Immunität nach einer überstandenen Infektion anhält, schränkt das auch die Aussagekraft eines Antikörpertests ein – zumindest, wenn er nur einmal und nicht regelmäßig gemacht wird. (Von Pamela Dörhöfer)

Dem Thema Antikörper widmen sich auch Forscher in Costa Rica. Sie wollen die Zeit bis zu einem Corona-Impfstoff mit Antikörpern von Pferden überbrücken. Jetzt sollen Menschen die Pferde-Antikörper gespritzt bekommen.

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