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Gewaltsame Proteste in Tunesien

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Rettungskräfte können nichts mehr tun: Der tunesische Oppositionspolitiker Shokri Belaid erliegt seinen schweren Verletzungen.
Rettungskräfte können nichts mehr tun: Der tunesische Oppositionspolitiker Shokri Belaid erliegt seinen schweren Verletzungen. © REUTERS

Die kaltblütige Ermordung eines Oppositionspolitikers sorgt in Tunesien für Entsetzen. Tausende Menschen versammeln sich nach der Tat zu Protesten. Ein Büro der islamistischen Regierungspartei Ennahda geht in Flammen auf.

Die kaltblütige Ermordung eines Oppositionspolitikers sorgt in Tunesien für Entsetzen. Tausende Menschen versammeln sich nach der Tat zu Protesten. Ein Büro der islamistischen Regierungspartei Ennahda geht in Flammen auf.

Unbekannte haben in Tunesien den Anführer der linken Oppositionspartei „Bewegung der demokratischen Patrioten“ getötet. Chokri Belaïd sei am Mittwochmorgen vor seinem Haus von mehreren Schüssen getroffen worden, berichtete die Frau des Politikers dem Radiosender Mosaïque FM. Ihr Mann sei auf dem Weg ins Büro gewesen.

Ennahda-Büro in Brand gesetzt

Vor dem Innenministerium in Tunis versammelten sich nach dem Attentat spontan Tausende Menschen zu einer Protestkundgebung. Nach zunächst unbestätigten Informationen des französischen Nachrichtensenders France 24 kam es auch zu Angriffen auf Einrichtungen der Regierungspartei Ennahda. In der Stadt Mezzouna nahe Sidi Bouzid wurde das Büro der regierenden islamistischen Ennahda-Partei in Brand gesetzt, in Gafsa verwüsteten Demonstranten Büroräume der Partei.

Der Jurist Belaïd galt in Tunesien als einer der schärfsten Gegner der Regierungskoalition, die von der islamistischen Ennahda-Partei angeführt wird. Er ist der zweite Oppositionspolitiker, der seit dem Sturz von Langzeitpräsident Zine el Abidine Ben Ali Anfang 2011 gewaltsam ums Leben kam. Im vergangenen Oktober starb bereits Lotfi Naguedh nach einem Angriff von Regierungsanhängern auf sein Büro. Er soll nach einer Prügelattacke einen Herzinfarkt erlitten haben.

Hollande entsetzt über Verbrechen

Ennahda-Ministerpräsident Hamadi Jebali nannte die Ermordung Belaïds in einem Radiointerview ein „Verbrechen gegen Tunesien“. Gleichzeitig rief er die Bevölkerung zur Besonnenheit auf und warnte vor Anarchie.

Der französische Präsident François Hollande äußerte sich in einer Stellungnahme entsetzt über das Verbrechen an Belaïd. „Frankreich ist besorgt über die Zunahme von politischer Gewalt in Tunesien“, kommentierte der Staatschef. Der Mord habe dem nordafrikanischen Mittelmeerland eine seiner mutigsten und unabhängigsten Stimmen genommen. (dpa/afp)

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