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Nigerianerinnen warten vor einem Wahllokal in Daura im Bundestaat Katsina (Nigeria), um ihre Stimme abgeben zu können.

Nigeria

Gewaltsame Proteste nach den Wahlen

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Die Opposition in Nigeria wirft der Regierung Manipulation bei der Präsidentschaftswahl vor. Die Vereinten Nationen loben dagegen den Verlauf der Abstimmung. Es kommt jedoch zu gewaltsamen Protesten.

Noch vor Bekanntgabe der ersten Resultate der Präsidentschaftswahl haben am Montag die Spannungen in Nigeria zugenommen. In mehreren Städten des westafrikanischen Staates kam es zu gewaltsamen Protesten, in deren Zentrum der erdölreiche Bundesstaat Rivers im Süden stand. Dort gingen mehrere Hundert Anhänger des Oppositionsbündnisses „All Progressive Congress“ (APC) auf die Straße, um eine Wiederwahl zu fordern. Die Abstimmung vom Samstag sei ein „Schwindel und eine Farce“ gewesen, kritisierte ein Wahlbeobachter der APC. „Welcher Müll auch immer als Resultat in Rivers bekannt gegeben wird, wir werden es nicht akzeptieren“, heißt es in einer Stellungnahme der Opposition. Die Polizei suchte die Demonstranten mit Tränengas zu zerstreuen. Bereits am Sonntagabend war das Hauptquartier der Unabhängigen Wahlkommission (IEC) in Port Harcourt, der Hauptstadt des Bundesstaates, niedergebrannt worden.

IEC-Chef Attahiru Jega bestätigte vor der Presse in der Hauptstadt Abuja die oppositionellen Klagen gegen den Wahlverlauf in Rivers. Dem Vorwurf, APC-Beobachter seien bei der Auszählung der Stimmen ausgeschlossen worden, solle nachgegangen werden. Der Bundestaat Rivers ist deswegen besonders umkämpft, weil er eigentlich in der Hochburg des amtierenden Präsidenten Goodluck Jonathan liegt. Weil Rivers-Gouverneur Rotimi Amaechi jedoch der regierenden Volksdemokratischen Partei (PDP) den Rücken gekehrt hatte, hoffte die Opposition, den bedeutenden Bundestaat gewinnen zu können. Während der Stimmabgabe am Samstag sollen in Rivers nach offiziellen Angaben zwei Menschen getötet worden sein. Die Opposition spricht jedoch von „Dutzenden“ von Toten.

Auch in anderen Bundesstaaten wie in Imo und in Bauchi protestierten Oppositionsanhänger gegen den ihrer Meinung nach unsauberen Wahlverlauf. Rochas Okorocha, APC-Mitglied und Gouverneur des Imo-Staats, warf den Streitkräften vor, sich in den Urnengang eingemischt zu haben. In dem wegen seiner Lage zwischen dem muslimischen Norden und dem christlichen Süden besonders labilen Bauchi-Staat gaben Soldaten Warnschüsse ab, um oppositionelle Demonstrationen aufzulösen. Beobachter befürchten, dass es beim derzeitigen Zusammentragen der Stimmen zu erheblichen Manipulationen kommen könnte.

Es gebe „beunruhigende Hinweise“, dass es in dieser Phase des Urnengangs zu „absichtlicher politischer Einmischung“ kommen könne, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des amerikanischen und britischen Außenministers John Kerry und Philip Hammond. Die ersten Ergebnisse der Wahlen werden erst am Dienstag erwartet.

Unterdessen lobten die Vereinten Nationen den Verlauf der Wahl. Diese sei „weitgehend friedlich und ordentlich verlaufen“, so UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon: Die „Entschlossenheit und Ausdauer“ der nigerianischen Wähler sei „bewundernswert“ gewesen. Die Ankündigung der islamistischen Boko-Haram-Sekte, die Abstimmung zu verhindern, bewahrheitete sich nicht.

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