+
Indische Polizei schießt auf Demonstranten in Kanpur. )

Indien

Die Gewalt in Indien eskaliert

Mindestens zwei Dutzend tote Demonstranten werden dieses Wochenende gezählt.

Ein Ende der Proteste gegen die radikale Reform des indischen Einbürgerungsgesetzes ist nicht in Sicht. Die Zahl der Todesopfer stieg nach offiziellen Angaben auf zumindest 24. Auch am Samstag waren wieder Tausende im ganzen Land auf der Straße, um gegen das vom Oberhaus verabschiedete neue Staatsbürgerschaftsgesetz zu demonstrieren. Es wird als Verstoß gegen die staatliche Neutralität in religiösen Fragen kritisiert.

Allein seit Freitag kamen im nordöstlichen Bundesstaat Uttar Pradesh 15 Menschen ums Leben, darunter ein achtjähriger Junge. Ein Demonstrant starb am Samstag in der Folge von Zusammenstößen mit der Polizei. In Patna im Bundesstaat Bihar wurden drei Demonstranten durch Schüsse verletzt. Sechs wurden bei Zusammenstößen mit Gegendemonstranten durch Steinschleudern verletzt, teilte die Polizei mit.

In Neu Delhi wurden Freitag und Samstag 40 Menschen in Gewahrsam genommen, darunter auch Minderjährige, wie Sicherheitskräfte bestätigten. Die meisten von ihnen sollen mittlerweile aber wieder auf freiem Fuß sein. Am Freitag hatte es in der Hauptstadt regelrechte Straßenschlachten zwischen Polizei und Demonstranten gegeben.

In zahlreichen Bundesstaaten gingen die Proteste am Samstag weiter. Kundgebungen fanden unter anderem in den Städten Chennai, Delhi, Gurgaon, Kalkutta und Guwahati statt. In der Hauptstadt Neu Delhi hielten Demonstranten bei Tagesanbruch vor Indiens größter Moschee ihre Handys in die Höhe. Damit brachten sie ihre Ablehnung gegen das neue Staatsbürgerschaftsgesetz zum Ausdruck.

Die landesweiten Proteste hatten vor rund zwei Wochen begonnen. Auslöser ist ein von der hindunationalistischen Regierung initiiertes Staatsbürgerschaftsgesetz. Es sieht für Einwanderer aus Indiens Nachbarstaaten Bangladesch, Pakistan und Afghanistan Vereinfachungen bei der Einbürgerung vor – allerdings nur, wenn sie nicht Muslime sind.

Kritiker halten der Regierungspartei BJP von Premierm inister Narendra Modi vor, mit der Neuregelung ausgesprochen Muslime zu diskriminieren. Indien hat eine mehrheitlich hinduistische Bevölkerung von insgesamt 1,3 Milliarden Menschen. Aber auch rund 200 Millionen Muslime leben im Land. Der BJP-Generalsekretär Bhupender Yadav versprach am Samstag, seine Partei werde „eine Aufklärungskampagne starten“ und tausend Kundgebungen abhalten, um „Lügen“ über das Gesetz zu zerstreuen.

Die Behörden versuchten unterdessen, die Massenproteste mit allen Mitteln einzudämmen. Sie verhängten lokalen Notstand, blockierten den Internetzugang und schlossen Geschäfte im ganzen Land. Die Demonstranten wollen jedoch weiter auf die Straße gehen – bis das Gesetz aufgehoben wird. (afp)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion