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Mit Maske in die Schule: Auch viele Lehrerinnen und Lehrer, die Teil einer Risikogruppe sind, unterrichten wieder.

Schulen

GEW sieht hohes Risiko

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  • Christian Burmeister
  • Steven Geyer
    Steven Geyer
  • Andreas Niesmann
    Andreas Niesmann

Gewerkschafter werfen der Politik beim Schulstart Versagen vor und fordern bessere Konzepte.

Es war ein ungewöhnliches Format, in dem an diesem Donnerstag im Bundeskanzleramt über die Sorgen und Nöten der deutschen Schulen debattiert wurde: Zu einem „informellen Austausch“ kamen da Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken und die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) zusammen, um über die Probleme der Lehranstalten in Zeiten der Pandemie zu reden. Am Ende standen trotz der Anwesenheit mehrerer Kultusminister der Länder, die ja die eigentlich Zuständigen für die Schulen sind, keine konkrete Beschlüsse.

Dass die zahlreichen Probleme der Schulen, die sich in der ersten Lockdown-Phase gezeigt hatten, aus Sicht von Lehrern, Lernenden und Eltern längst nicht gelöst sind, hatte sich im Vorfeld in geballter Form gezeigt.

So war die Kritik daran nicht abgerissen, dass die Schulen nach den Sommerferien ohne ausreichende Rück- und Notfallpläne wieder in den Regelbetrieb geschickt wurden. Prompt mussten in den betroffenen Ländern mehrere Schulen wieder geschlossen werden, weil schon nach wenigen Tagen Corona-Infektionen aufgetreten waren.

Zudem müssten mit Beginn des neuen Schuljahrs in etlichen Bundesländern viele Lehrer wieder unterrichten, die zur Corona-Risikogruppe zählten und noch vor den Ferien im Homeoffice bleiben durften. Laut dem „Spiegel“ befreite etwa Schleswig-Holstein nur 100 der etwa 28 000 Lehrkräfte im Land von der Präsenzpflicht, also etwa 0,4 Prozent. Einen Antrag auf Homeoffice aus Gesundheitsgründen hatten 2000 Lehrer gestellt. In Mecklenburg-Vorpommern durften in der ersten Pandemiephase 34 Prozent der Lehrer zu Hause arbeiten, im neuen Schuljahr sind es nur noch 1,5 Prozent.

In mehreren Ländern wurden auch die Bedingungen für eine Freistellung von der Präsenz verschärft: Ein ärztliches Attest reicht nicht mehr aus, vielmehr muss ein Arbeitsmediziner eine Gesamtschau vornehmen. Was passiert, wenn Lehrer ausfallen und Schüler wieder daheim unterrichtet werden müssen, ist vielerorts unklar.

Für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) haben deshalb Politik und Verwaltung versagt. „Sie hätten die Zeit in den Sommerferien besser nutzen müssen“, sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Nötig seien Pläne, damit sich Schulen und Lehrkräfte auf unterschiedliche Szenarien einstellen können. „Mit der Komplettöffnung der Schulen geht die Politik ein hohes Risiko ein. Es wäre gut gewesen, wenn die Gesundheitsämter vor Ort mit jeder einzelnen Schule ein Konzept vereinbart hätten, wie die Gesundheit der Lehrkräfte, Schüler und deren Eltern bestmöglich geschützt und Infektionen vermieden werden können – einschließlich des Schülertransportes.“ Das sei leider viel zu selten geschehen, so Tepe. „Da muss jetzt nachgelegt werden.“

Gefragt seien jetzt „tragfähige Konzepte für eine Mischung aus Präsenz- und Fernunterricht“ und die dafür nötige Ausstattung mit Geräten für das digitale Lernen.

Die amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig, verteidigte „die Entscheidung, nach den Sommerferien wieder in den Regelbetrieb zu starten“. Sie sei innerhalb der KMK und mit vielen Experten im Konsens getroffen worden, weil Schulen nicht nur Orte des Lernens, sondern auch des sozialen Kontaktes seien – Fernunterricht also die Ausnahme bleiben sollte. „Wir leben noch immer in einer Pandemie und es wird sicherlich wieder lokal zu Schulschließungen oder Quarantäne-Maßnahmen kommen“, so Hubig. „Deshalb können wir aber nicht eine ganze Generation in Haftung nehmen.“ Ziel müsse ein „Regelbetrieb unter Corona-Bedingungen“ sein. Die Schulen seien aber sehr wohl „alle möglichen Szenarien vorbereitet“, auch auf „einen erneuten Wechsel von Fern- und Präsenzunterricht oder temporäre Schulschließungen“. Dass Schulschließungen nur das letzte Mittel sein dürften, betonte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD): „Das ist für Eltern, Lehrer und Schüler keine leichte Situation, die wir unter allen Umständen verhindern wollen.“

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