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Selenskyj über Getreide-Deal: Entspricht „voll und ganz den Interessen“

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Von: Fee Halberstadt, Nail Akkoyun, Jan-Frederik Wendt

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Im Ukraine-Krieg gelingt ein diplomatischer Durchbruch: Die Kriegsparteien Russland und Ukraine unterzeichnen ein Getreide-Abkommen. Selenskyj äußert sich. 

Update vom Samstag, 23. Juli, 7.15 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Getreide-Deal mit Russland gelobt. Das Abkommen entspräche „voll und ganz den Interessen der Ukraine“, sagte Selenskyj in einer Videoansprache in der Nacht zum Samstag. „Jetzt können wir nicht nur die Arbeit unserer Häfen am Schwarzen Meer wiederaufnehmen, sondern auch den erforderlichen Schutz für sie aufrechterhalten“.

Laut Selenskyj könne die Ukraine nun insgesamt 20 Millionen Tonnen Getreide aus der Ernte des Vorjahres exportieren. Es seien Vorräte im Wert von rund 10 Milliarden US-Dollar (9,8 Milliarden Euro) eingelagert.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selensky hat sich erfreut über den Getreide-Deal mit Russland geäußert (Symbolfoto).
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selensky hat sich erfreut über den Getreide-Deal mit Russland geäußert (Symbolfoto). © dpa

Getreide-Deal zwischen Ukraine und Russland: Landwirt äußert sich skeptisch

+++ 20.00 Uhr: Viele Landwirtinnen und Landwirte aus der Ukraine so lange wie möglich mit der Weizenernte gewartet, in der Hoffnung, dass sich die Situation in ihrem Heimatland ändert. Dazu gehört ebenfalls der Landwirt Rachmon Mirsojew. Nun haben die Ukraine und Russland ein Getreideabkommen in Istanbul unterschrieben, die gesicherte Korridore im Schwarzen Meer vorsehen.

Doch Mirsojew hat sich schon vor der Unterzeichnung skeptisch gezeigt, wie die AFP berichtet. Er kann sich nicht vorstellen, dass Russlands Präsident Wladimir Putin seine Versprechen einhalten wird. „Ehrlich gesagt glaube ich persönlich nicht wirklich daran, dass es gut läuft. Aber was dann? Müssen wir all das Getreide wegwerfen?“, fragt der Landwirt. „Wir haben keine andere Wahl, wir müssen hoffen, dass es funktioniert.“

„Historischer Tag“: Russland und Ukraine unterzeichnen Getreideabkommen in Istanbul

+++ 16.55 Uhr: Nachdem Delegierte aus Russland und der Ukraine in Istanbul getrennt voneinander ein Getreideabkommen unterschrieben haben, äußerten sich nun unter anderem UN-Generalsekretär António Guterres sowie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Das Abkommen „eröffnet den Weg für umfangreiche kommerzielle Lebensmittelexporte aus drei entscheidenden ukrainischen Häfen am Schwarzen Meer - Odessa, Tschornomorsk und Juschnyj“, sagte Guterres. „Dies ist eine Einigung für die Welt.“ Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der ebenfalls bei der Zeremonie anwesend war, sprach von einem „historischen Tag“.

„Mit dem in den kommenden Tagen startenden Schiffsverkehr öffnen wir einen neuen Atemweg vom Schwarzen Meer in viele Länder der Welt“, sagte der türkische Regierungschef weiter. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte erst am Dienstag (19. Juli) mit seinem türkischen Kollegen Erdogan bei einem Treffen in der iranischen Hauptstadt Teheran über den Konflikt um das Getreide gesprochen.

Getreideabkommen zwischen Ukraine und Russland: Die einzelnen Punkte

+++ 16.20 Uhr: Inzwischen sind The Guardian zufolge weitere Details zur Vereinbarung zwischen Russland und der Ukraine bekannt. Wie mehrere UN-Beamtete berichteten, wurden in dem Abkommen folgende Punkte schriftlich festgehalten:

+++ 16.13 Uhr: Das Getreideabkommen zwischen Russland und der Ukraine, sowie der Türkei und den Vereinten Nationen wurde soeben unterzeichnet. Vor der feierlichen Unterzeichnung in Istanbul sprach UN-Generalsekretär António Guterres der britischen Zeitung The Guardian zufolge von einem „Hoffnungsschimmer“.

News zum Ukraine-Krieg: Ukraine und Russland unterschreiben separaten Vertrag

Update vom Freitag, 22. Juli, 15.40 Uhr: Wie die Regierung Kiew am Freitag erklärte, werde die Ukraine nur ein Abkommen mit der Türkei und der Vereinten Nationen unterzeichnen, um die durch den Ukraine-Krieg unterbrochenen Getreideexporte wieder aufzunehmen, und keine direkten Abkommen mit Russland selbst schließen.

„Die Ukraine unterzeichnet keine Dokumente mit Russland. Wir werden ein Abkommen mit der Türkei und der UNO [den Vereinten Nationen] unterzeichnen“, schrieb Präsidentenberater Mykhaylo Podolyak auf Twitter und fügte hinzu, dass Moskau ein separates Abkommen unterzeichnen werde, welches inhaltlich jedoch nahezu identisch sein dürfte.

News zum Ukraine-Krieg: Russland und Ukraine wollen Getreideabkommen unterzeichnen

Erstmeldung vom Freitag, 22. Juli: Istanbul – In der Türkei soll am Freitag (22. Juli) um 15.30 Uhr (MESZ) eine Einigung zum Ende der russischen Getreideblockade im Schwarzen Meer unterschrieben werden. Dazu werde ein Kontrollzentrum eingerichtet, welches von den Vereinten Nationen geleitet und von Vertreterinnen und Vertretern Russlands, der Ukraine sowie der Türkei besetzt werden soll.

Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Diplomatenkreisen in New York. In dieser Zentrale in der türkischen Metropole sollen auch die genauen Koordinaten für den humanitären Korridor auf dem Seeweg zwischen der Ukraine und dem Bosporus festgelegt werden. Auch die Nachrichtenagentur AFP berichtet darüber.

News zum Ukraine-Krieg: Russland und Ukraine zählen zu größten Weizenexporteuren

Russland und die Ukraine gehören zu den größten Weizenexporteuren und spielen eine wichtige Rolle für die Nahrungssicherheit in der Welt. Wegen des russischen Angriffskriegs gegen das Nachbarland können Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine nicht exportiert werden. Die Nahrungsmittel werden allerdings auf dem Weltmarkt – insbesondere in Asien und Afrika – dringend benötigt. Die Vereinten Nationen warnten zuletzt schon vor der größten Hungersnot seit Jahrzehnten.

News zum Ukraine-Krieg: Getreideabkommen – Waffenruhe zwischen Russland und Ukraine an strategisch wichtigen Orten

Die Parteien einigten sich den Angaben zufolge darauf, dass Schiffe mit dem Ziel Ukraine zunächst in Istanbul durchsucht werden, um sicherzustellen, dass sie keine Waffen oder Ähnliches geladen haben. Eine weitere Kontrolle solle es dann in der Türkei geben, wenn die Schiffe aus der Ukraine kommend das Schwarze Meer wieder verlassen wollen. Damit solle sichergestellt werden, dass ausschließlich Getreide an Bord ist.

Schiffe in dem humanitären Korridor und die beteiligten Häfen dürften dabei nicht von Russland oder der Ukraine angegriffen werden. Dieser Punkt wird in New York so interpretiert, dass an diesen strategisch wichtigen Orten – zum Beispiel im Hafen Odessas – faktisch eine Waffenruhe gelten soll. Das Abkommen soll den Angaben nach zunächst für vier Monate gelten.

Getreideabkommen zwischen Russland und der Ukraine: Unterzeichnung in Istanbul

Die Umsetzung des Abkommens sowie die Ausfuhr von Nahrungsmitteln aus der Ukraine könnten laut den Informationen jedoch Wochen dauern. Der Westen merkte an, dass es noch immer möglich sei, dass Moskau die Vereinbarungen noch durch vorgeschobene Gründe scheitern lassen könnte. Es wird erwartet, dass die Einigung in Istanbul unter anderem von UN-Generalsekretär António Guterres und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan unterzeichnet werden. Unklar blieb bislang, welche Delegationen aus Russland und der Ukraine anreisen.

Vertreterinnen und Vertreter der UN, der Ukraine, Russlands und der Türkei hatten zuletzt in Istanbul bereits große Verhandlungsfortschritte erzielt. Die nun offenbar erzielte Einigung wäre der wohl größte Vermittlungserfolg der Vereinten Nationen seit Beginn des Ukraine-Kriegs, nachdem die Weltorganisation bereits bei der Evakuierung ukrainischer Zivilpersonen in der Stadt Mariupol geholfen hatte. Darüber hinaus könnte es sich um den bisher bedeutendsten Kompromiss zwischen Moskau und Kiew in dem Konflikt handeln. (nak/fh mit AFP/dpa)

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