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Ein Demonstrant schmuggelt  sich zwischen die Rekruten.
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Ein Demonstrant schmuggelt sich zwischen die Rekruten.

Bundeswehr in München

Das gestörte Gelöbnis

500 Rekruten legen in München öffentlich ihren Eid ab. Gegner kritisieren das als Werbung für den Krieg. Schon in der Nacht zuvor brennt ein Bundeswehrfahrzeug aus. Von Iris Hilberth

Von Iris Hilberth

München. Überall Absperrgitter, überall Polizei. Auf dem Münchner Marienplatz, wo sonst in den Mittagsstunden Touristen dem Glockenspiel am Rathaus lauschen, sind Tribünen aufgebaut, geschmückt mit olivgrünen Tarnnetzen. Die abgestellten Fahrzeuge der Feldjäger kündigen schon seit Stunden an, dass die Bundeswehr sich in Münchens guter Stube zu versammeln gedenkt. 500 Rekruten legen hier ein öffentliches Gelöbnis ab, gesichert von 1300 Polizisten, gelobt von Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) und begleitet von Pfiffen und Protestrufen aus dem Publikum, die fordern: "Bundeswehr raus aus Afghanistan."

Die Linke und die Gewerkschaft Verdi haben zu der Gegen-Demonstration aufgerufen. Die CSU kritisierte die Gewerkschaft dafür scharf. Einer der Demonstranten wird die feierliche Zeremonie später stören, durch die engen Reihen der Rekruten stürmen und rufen: "Nie wieder Faschismus. Nie wieder Krieg." Die Polizei wird fünf Demonstranten festnehmen und 42 weiteren Platzverbot erteilen. Bereits in der Nacht ist in der bayrischen Landeshauptstadt ein Bundeswehrfahrzeug auf einem Parkplatz vollständig ausgebrannt. Die Polizei ist sich sicher: Es war Brandstiftung. Möglicherweise gehe der Anschlag auf das Konto von Gelöbnis-Gegnern. Konkrete Hinweise gebe es aber nicht.

Am Mittag treffen sich die Gelöbnis-Gegner in der Fußgängerzone. Klaus Hahnzog ergreift das Wort. Der Verfassungsrichter war einst Bürgermeister der Stadt und SPD-Landtagsabgeordneter. "Gegen das öffentliche Gelöbnis auf dem Marienplatz habe ich große Bedenken", sagt er unter dem großen Transparent mit einem Zitat Kurt Tucholskys: "Jubel über militärische Schauspiele ist eine Reklame für den nächsten Krieg."

Während Hahnzog warnt, dass "das Gelöbnis mit seiner demonstrativen Darstellung in der Öffentlichkeit" auch darauf hinwirken werde, "den Boden für einen nicht akzeptablen Einsatz im Inland" der Bundeswehr zu bereiten, verteilen die Verdi-Leute Postkarten gegen öffentliche Gelöbnisse und bitten, sie an den Münchner Stadtrat zu schicken. Der hatte dem Gelöbnis zugestimmt.

Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hat den Protest zuvor als sehr befremdlich bezeichnet: "Da feiern die Kirchen große Festtage, die Gewerkschaften den 1. Mai, die schwul-lesbische Szene den Christopher Street Day und alle erdenklichen politischen Parteien machen dort ihre Kundgebungen." Deshalb sei es absurd, dass man ausgerechnet der Bundesrepublik Deutschland das Recht abstreitet, dort eine Veranstaltung durchzuführen.

Allerdings war es vor diesen wohlwollenden Worten des OB auch zu einem Streit zwischen Ude und Generalmajor Gert Wessel gekommen. Denn der Bundeswehr-Befehlshaber wollte das Gelöbnis ursprünglich auf dem Odeons- oder dem Königsplatz veranstalten. Wegen ihrer Geschichte lehnte Stadtoberhaupt Ude diese beiden Orte allerdings ab. Auf dem Odeonsplatz war 1932 der Hitler-Putsch niedergeschlagen worden und die Nationalsozialisten nutzten beide Plätze immer wieder für ihre zahlreichen Aufmärsche.

Hedwig Krimmer, Organisatorin der Verdi Proteste findet aber auch den Marienplatz nicht geeignet. Gerne zitiert sie den Regisseur Michael Verhoeven, zugleich Hauptmann der Reserve und Mediziner, der gesagt hat: "Den Hippokratischen Eid schwören Medizinstudenten nicht auf dem Marienplatz, sondern in der Uni." Krimmer und ihre Mitstreiter sehen in der Veranstaltung vor allem den Versuch, die Bevölkerung wieder an öffentliche Auftritte des Militärs zu gewöhnen.

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