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Izzet Cagac (links) und der neue Imbiss-Betreiber Ismet Tekin.

Nach Angriff

Die Geste von Halle

Der Besitzer verschenkt seinen Döner-Imbiss an die Mitarbeiter, die während des rechtsextremen Angriffs dort gearbeitet haben.

Der Imbiss „Kiez-Döner“, einer der Tatorte beim rechtsextremen Terroranschlag vor fünfeinhalb Wochen in Halle, gehört nun den Mitarbeitern, die während des Angriffs dort gearbeitet haben. Der bisherige Betreiber Izzet Cagac überreichte bei der Wiedereröffnung am Samstag den Brüdern Ismet und Rifat Tekin eine Geschenk- und Abtretungsvereinbarung. Er wünschte seinen Nachfolgern „viel Kraft, um das schreckliche Ereignis zu verarbeiten, und viele Kunden unterschiedlicher Kulturen und Religionen“.

Bei der Übergabe betonte der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), wie wichtig der Neustart sei. Das Bistro sei unter anderem bei Studierenden Bestandteil der kulturellen Identität der Stadt. Die Universität Halle liegt in der Nähe des Imbisses.

Vor gut fünf Wochen hatte ein schwer bewaffneter Mann versucht, in einer Synagoge ein Massaker anzurichten. Er scheiterte an einer verschlossenen Tür und erschoss vor dem Gotteshaus eine zufällig vorbeilaufende Frau und kurz darauf einen Mann in dem nahe gelegenen Dönerladen. Der mutmaßliche Täter wurde später festgenommen und räumte ein antisemitisches und rechtsextremes Motiv ein.

Die Polizei hat nach dem Anschlag in Halle den Schutz von Synagogen und jüdischen Einrichtungen in fast allen Bundesländern erhöht. Wie eine Umfrage unter den Innenministerien ergab, wurde teilweise die Polizeipräsenz vor Synagogen erhöht. Die Gespräche mit jüdischen Gemeinden vor Ort wurden intensiviert. Dabei geht es auch um baulich-technische Sicherheitsfragen.

In Hessen wollen die Regierungsfraktionen CDU und Grüne die Mittel für den Schutz jüdischer Einrichtungen im Haushalt für das kommende Jahr um 5,5 Millionen Euro erhöhen. In Niedersachsen plädiert der Kultusminister für weitere Mittel.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, nannte den verstärkten Schutz jüdischer Einrichtungen „überfällig“. Er sagte: „In Halle hat sich der fehlende Polizeischutz an der Synagoge bitter gerächt“. (dpa/epd)

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