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60 JAHRE DANACH

Gespenstische Feier

Wolf Angebauer musste als 16-Jähriger gegen die sowjetische und die US-Armee kämpfen - und sich anhören, wie "der Führer" noch Tage vor Kriegsende an dessen 56. Geburtstag gefeiert wurde.

Am 20. April 1945 befand sich unsere Einheit irgendwo zwischen Wittenberge und Parchim. Wir hatten am Vortage den Befehl erhalten, unsere Kampfhandlungen gegen die amerikanischen Verbände an der Elbe einzustellen und uns in Richtung Nordosten in Marsch zu setzen.

Unsere von Wehrmachtsoffizieren geführte Kampfgruppe bestand im Kern aus RAD (Reichsarbeitsdienst-)Angehörigen, die zu Panzervernichtungstrupps ausgebildet worden waren. Unser Ziel war jetzt der Einsatz gegen die von Osten heranrückenden russischen Panzerverbände.

Am Abend des 20. April machten wir auf freiem Feld Rast, und man hieß uns, einen Kreis zu bilden. Während wir noch darauf warteten, dass man Schnapsflaschen kreisen ließ, was vor einem anstehenden Kampfeinsatz nicht unüblich war, wurde uns stattdessen ein Feldgottesdienst angekündigt. Ein uniformierter Feldgeistlicher sprach zunächst ein Gebet und ließ dann eine Predigt folgen, die voll von solchen christlichen Botschaften war wie zum Beispiel der Gewissheit, dass Gott mit uns sei, wenn wir denn in Kürze dem bolschewistischen Erzfeind todesmutig entgegentreten würden, um unser Vaterland gegen die teuflische Bedrohung aus dem Osten zu verteidigen. Und auf dieser Linie ging es unentwegt weiter, bis uns und unseren Waffen schließlich so etwas wie ein kirchlicher Segen zum Töten erteilt wurde.

Ich musste derweil die ganze Zeit daran denken, welche starke seelische Unterstützung der christliche Glaube meiner Mutter in den Jahren seit der Verkündung der so genannten Nürnberger Gesetze stets gewesen war und welchen Halt sie in ihrer Kirche gefunden hatte. An der Predigt dieses Gottesmannes hätte sie jedoch wohl kaum irgendwelchen Gefallen finden können, wie dessen Worte denn auch mein eigenes Verhältnis zu meinem Glauben auf so lange Zeit belasten sollten.

"Heil Hitler!", sagte leise mein Kumpel Säckchen Gintauth zu mir, der wie ich aus Berlin stammte. "Meinste nich, detta jetz nich ooch noch ?Heil Hitler!' hätte sagen können. Schließlich ham wa heute ja Führers Jeburtstach." Ich war an jenem 20. April 1945, dem 56. und damit letzten Geburtstag Adolf Hitlers vor seinem Selbstmord ganze zehn Tage später, 16 Jahre alt.

16 Jahre und 88 Tage, um es ganz genau zu sagen.

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