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Mit dem Amtsantritt von Donald Trump wurden alte Fronten wiederbelebt.

USA und Iran

Die Geschichte einer Zerrüttung

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Die Feindschaft zwischen Iranern und US-Amerikanern reicht fast ein Menschenleben zurück.

Für US-Präsident Donald Trump ist der Iran eine „korrupte Diktatur“, ein „wirtschaftlich ausgezehrter Schurkenstaat“, der Gewalt, Blutvergießen und Chaos exportiert. Teheran sieht in Amerika den „gottlosen, großen Satan“, die „Wurzel allen Übels“. Kaum ein Verhältnis zweier Staaten ist so vergiftet wie das zwischen der Islamischen Republik und den Vereinigten Staaten.

Die Wurzeln dieser Feindschaft reichen nahezu sieben Jahrzehnte zurück. Denn für viele Iraner bleibt unvergessen der 1953 – mit dem Okay des Weißen Hauses – aus der US-Botschaft in Teheran heraus organisierte „Regime Change“ im Iran. Das Land wäre heute vielleicht eine Demokratie und keine Islamische Republik, hätte nicht die CIA unter tätiger Mithilfe des britischen MI5 den ersten vom Volk gewählten Regierungschef, Mohammad Mossadegh gestürzt und Schah Reza Pahlevi alle Macht im Staate in die Hände gelegt. Mossadegh wollte die iranischen Ölfelder verstaatlichen, weil westliche Firmen praktisch den gesamten Gewinn außer Landes schafften. Der Schah dagegen errichtete eine Diktatur – mit voller militärischer, finanzieller und personeller Rückendeckung der USA.

Mohammad Mossadegh wurde 1953 mit dem Okay des Weißen Hauses gestürzt.

Mehr als 10 000 amerikanische Berater hielten sich zeitweise im Iran auf – und gaben dort auch bis zuletzt den Ton an. Nach dem Sturz des Schahs 1979 durch Ajatollah Khomeini besetzten radikale Studenten die US-Botschaft in Teheran und nahmen 52 Diplomaten 444 Tage in Geiselhaft. Die jungen Eiferer fürchteten, die USA könnten wie 1953 auch diesmal von ihrer diplomatischen Vertretung aus eine Gegenrevolution organisieren. Washington brach danach alle diplomatischen Beziehungen zu Teheran ab.

Im Ersten Golfkrieg zwischen Irak und Iran, 1980 bis 1988, unterstützten die USA mehr oder weniger offen Saddam Hussein – mit Satellitenfotos und günstigen Milliardenkrediten für Waffenkäufe. Über 20 000 iranische Soldaten starben durch irakisches Giftgas, ohne dass Washington eine Hand rührte. Im Juli 1988 schoss eine US-Fregatte über dem Persischen Golf aus Versehen einen iranischen Airbus mit 290 Menschen an Bord ab. Die Offiziere und ihr Vorgesetzter wurden befördert statt zur Verantwortung gezogen zu werden.

Die Erfahrungen aus diesem Krieg ließ die iranische Führung Anfang der 90er Jahre grünes Licht geben für die militärische Nutzung der Atomenergie. In Natanz und später in Fordo, tief versteckt unter Felsen nahe der heiligen Stadt Ghom, entstanden Anlagen zur Urananreicherung, die zum Bau von Atombomben dienen. Der UN-Sicherheitsrat verhängte umfassende Sanktionen gegen Teheran, das sich 2015 schließlich zu einem langjährigen Verzicht auf Urananreicherung und einer Offenlegung seines Nuklearprogramms bereiterklärte.

Mit dem Amtsantritt von Donald Trump jedoch wurden die alten Fronten wiederbelebt. Der US-Präsident kündigte im Mai 2018 einseitig das Atomabkommen, setzte alle Sanktionen wieder in Kraft. Nun droht er dem Iran sogar mit Krieg.

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