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Der BND-Präsident August Hanning predigt "größtmögliche Öffnung und Transparenz". Geheimzuhalten seien nur nachrichtendienstliche Verbindungen und Methoden.

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August Hanning

In diesen Tagen hat sich August Hanning in die Diskussion über irakische Massenvernichtungswaffen eingeschaltet. Der Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes berichtete, vor dem Krieg habe Bagdad Stoffe importiert, die zur Herstellung chemischer Waffen benutzt werden könnten. Diese Chemikalien seien bis heute nicht gefunden worden. Angesichts der aufgebauschten Geheimdienst-Dossiers in den USA und Großbritannien sah er sich zugleich veranlasst, etwas über die Arbeit seiner Behörde klarzustellen: "Wir glauben, dass wir seriös gearbeitet haben und unsere Einschätzung einer nachträglichen Überprüfung standhält."

Dass sich Hanning in Interviews derart äußert, hat mit einer Grundsatzhaltung zu tun: Der BND-Präsident predigt "größtmögliche Öffnung und Transparenz". Geheimzuhalten seien nur nachrichtendienstliche Verbindungen und Methoden.

Die Karriere bei den Schlapphüten wurde dem Westfalen August Hanning nicht an der Wiege gesungen. Nach Abitur und Jura-Studium wurde er Verwaltungsbeamter, erst in Nordrhein-Westfalen, dann im Innenministerium, 1981 im Kanzleramt. Erst in der Rechtsabteilung der westdeutschen Ständigen Vertretung in der DDR wurde er Geheimschutzbeauftragter und als solcher mit Haftfällen befasst. Schon damals hielt er allzu große Vertraulichkeit für schädlich und zögerte nicht, die West-Öffentlichkeit gezielt über besonders hanebüchenes Vorgehen DDR-Verantwortlicher zu unterrichten.

Mit dem Fall der Mauer kehrte er ins Kanzleramt zurück. Vier Jahre später war er Gruppenleiter in der für die Geheimdienste zuständigen Abteilung; 1996 deren Chef. Als Gerhard Schröder (SPD) Kanzler wurde, setzte er den Sozialdemokraten Ernst Uhrlau auf Hannings Posten. Wenig später ernannte Schröder Hanning zum BND-Chef. Er übernehme "eins der unbequemsten Ämter, das die Bundesrepublik zu vergeben hat", sagte der Kanzler bei der Amtseinführung. Doch Probleme haben den stets freundlichen Westfalen noch nie beeindruckt.

Seine größte Schwierigkeit ist derzeit der Widerstand der Mitarbeiter gegen den Umzug des Dienstes von Pullach nach Berlin, der bis 2008 abgeschlossen sein soll. Fast die Hälfte der Beschäftigten hat an den Bundestag appelliert, den Umzug zu stoppen. Doch Hanning lässt sich nicht beirren. Videokonferenzen zwischen Pullach und Berlin könnten raschen Informationsaustausch nicht garantieren. Die Bedrohungslage nach dem 11. September 2001 mache den Umzug nötig. Hanning selbst wohnte schon vor Amtsantritt in Berlin.

Den für Affären anfälligen Dienst konnte Hanning aus den Schlagzeilen heraushalten. Er hat ihn zu einem Servicebetrieb umgeformt. In Sachen Irak-Krieg saß Hanning bei wichtigen Gesprächen im Kanzleramt mit am Tisch.

Hanning begleitet den Außenminister, wenn der sich in Algerien oder Mali um deutsche Geiseln bemüht. Das Wichtigste für Hanning ist es, die Regierung schnell zu informieren. Die Verantwortlichen wissen das zu schätzen. zba/rtr

Dossier: Irak nach dem Krieg

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