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Hilferuf erhört. Der saudische Kronprinz beglückt Pakistan mit 20 Milliarden US-Dollar.

Schmutzige Geschäfte

Gern gesehener Gast

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Saudi-Arabien hilft Pakistan mit Geschäften aus der finanziellen Not.

Pakistan hofft auf neue, alte Zeiten. Das zeigten am Wochenende die zahllosen Transparente auf den Straßen der Hauptstadt Islamabad. Die Plakate zur Feier des 40. Jahrestags der iranischen Revolution wurden flugs durch Willkommensgrüße für Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman ersetzt. 300 nagelneue Fahrzeuge standen bereit, um die tausendköpfige Delegation aus Riad durch die weitgehend gesperrten Straßen von Islamabad zu kutschieren. Bin Salman durfte sogar im offiziellen Amtssitz des pakistanischen Premierministers logieren. Das gönnte Islamabad nicht einmal Saudi-Arabiens König Abdullah bei dessen Besuchs im Jahr 2006.

In der vergangenen Woche schwebte noch der Pleitegeier über der Atommacht Pakistan. Am Montag schwärmte der vom Kricketstar zum Politiker gewandelte Regierungschef Khan: „Wir haben unser Verhältnis auf ein noch nie dagewesenes, engeres Niveau gehoben.“ Den Pakistanis verkaufte er die Vereinbarungen als wirtschaftlichen Fortschritt. In Wahrheit lässt Islamabad sich wieder einmal für politische und militärische Dienste entlohnen.

Bevor Bin Salman seine Charme-Offensive in Indien, Malaysia und Indonesiens fortsetzte, unterzeichnete er Vereinbarungen im Wert von 20 Milliarden US-Dollar. Kernstück sind acht Milliarden für eine petrochemische Fabrik in der Hafenstadt Gwadar am Golf von Arabien, dem Herzstück des „China Pakistan Economic Corridor“ (CPEC), für den Peking satte 60 Milliarden US-Dollar an Krediten gewährte. Schon im Herbst war Riad mit sechs Milliarden US-Dollar eingesprungen, um Islamabad aus einer drohenden Schuldenfalle zu helfen.

Pakistan agiert wieder einmal als Champion des Krisenexports. Zuletzt flossen Milliarden aus den USA und Europa, um das Land - Gastgeber der Führungsstruktur der afghanischen Talibanmilizen und eine der wichtigen Rekrutierungsregionen für die Gotteskrieger - im „Krieg gegen den Terror“ als Verbündeten zu behalten.

Vor einigen Jahren schwenkten Islamabads Generäle auf China als wichtigsten Verbündeten um. Mit dem Salman-Besuch wird nun eine bereits seit Jahrzehnten bestehende Allianz belebt. Denn Riad braucht Pakistan - rund 20 Prozent der 180 Millionen Einwohner sind Schiiten mit engen Verbindungen zum Iran - nicht nur in seinem Bemühen, Teheran politisch und militärisch unter Druck zu setzen. Experten sind sicher, dass Islamabads Generäle in einer stillschweigenden Übereinkunft schon vor langer Zeit vereinbart haben, im Bedarfsfall – etwa eine atomare Bewaffnung des Iran – Riad mit den eigenen Nuklearraketen zu helfen.

Unverblümt fragte Saudi-Arabien nach, wie es denn um pakistanische Militärunterstützung für den Krieg im Jemen bestellt sei. Das Thema, das große Aufregung im Parlament verursachte, verschwand mittlerweile fast völlig aus den Medien Pakistans.

Saudi-Arabien ernannte zudem General Raheel Sharif, den Vorgänger des aktuellen pakistanischen Armeechefs Qamar Javed Bajwa, zum Chef der „Islamic Military Counter Terrorism Coalition (IMCTC), der 39 moslemische Staaten angehören. Gegenwärtig drängt Riad darauf, dass Islamabad bei den Verhandlungen zwischen den afghanischen Talibanmilizen und den USA die Fraktion der radikalislamischen Milizen stärkt, die enge Verbindungen zu Riad unterhalten.

In Islamabad atmeten Regierungschef Imran Khan und die Generäle am Montag auch aus aktuellen Gründen auf. Indiens Premierminister Narendra Modi hatte am Wochenende gedroht, Pakistan völlig zu isolieren. Ein Selbstmordattentäter der von Pakistan mit Unterstützung des dortigen Geheimdienstes aus operierenden Terrorgruppe „Jaish-e-Mohammed“ hatte 42 Soldaten bei einem Selbstmordattentat getötet.Der Gast aus Saudi-Arabien machte in Islamabad deutlich, dass Modi bei diesem Vorhaben „träumt“.

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