Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU)
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Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) steht nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung in der Kritik.

Bericht der „Bild am Sonntag“

5-Sterne-Hotels und mit der Ehefrau auf Dienstreise: Gerd Müller (CSU) soll Privilegien ausgenutzt haben

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Das Bundesentwicklungsministerium um Gerd Müller wehrt sich gegen mehrere Vorwürfe der „Bild am Sonntag“, unter anderem, dass er Schwarzbrot nach Afrika eingeflogen haben soll.

  • Ein Bericht der „Bild“ kritisiert Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) scharf.
  • Gerd Müller soll seine Privilegien als Minister ausgenutzt haben.
  • Das Ministerium weist die Vorwürfe gegen Gerd Müller entschieden zurück.

Berlin - Aufgrund eines Berichts der „Bild am Sonntag“ sieht sich Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) derzeit Kritik ausgesetzt. Seine Ehefrau hatte ihn mehrmals auf Dienstreisen ins Ausland begleitet. Weil sie in Regierungsmaschinen mitflog, sollen die Chancen für eine Mitnahme von Entwicklungspolitiker:innen geringer gewesen sein. Das Bundesministerium wies die Vorwürfe entschieden zurück, Müller selbst bezeichnete sie als „völlig absurd“.

Vorwürfe gegen Gerd Müller (CSU): Bundesentwicklungsminister nach „Bild“-Bericht in der Kritik

Die „BamS“ wirft Gerd Müller weiter vor, sich als bescheidener Mensch zu inszenieren, dann jedoch seine Privilegien auszunutzen. Der Entwicklungsminister soll auf Übernachtungen in 5-Sterne-Hotels bestanden und regelmäßig „Sonderwünsche“ geäußert haben. So behauptet die Zeitung unter anderem, er habe bei einer Dienstreise Schwarzbrot ins südliche Afrika einfliegen lassen. „Woher der Vorwurf stammt, ich habe Schwarzbrot extra nach Afrika einfliegen lassen, kann ich mir nicht erklären“, so Müller. „Das trifft jedenfalls nicht zu.“ Zu den weiteren Anschuldigungen wollte sich das Bundesentwicklungsministerium nach Angaben der „BamS“ nicht äußern.

Fünfmal hat Gertie Müller-Hoorens ihren Ehemann Gerd Müller bei seinen Dienstreisen in dieser Legislaturperiode begleitet. Das bestätigte das Bundesentwicklungsministerium. Im Bericht der „BamS“ war im gleichen Zeitraum von sieben Flugreisen in Regierungsmaschinen die Rede.

„Die Vorwürfe sind völlig absurd“, teilte Gerd Müller der „Augsburger Allgemeinen“ mit. „Ich habe in dieser Legislaturperiode 24 Auslandsreisen unternommen. Meine Frau hat mich fünfmal in einem Regierungsflugzeug und viermal per Linienmaschine begleitet. Alle Kosten, die dadurch entstanden sind, wurden zu hundert Prozent privat bezahlt.“ Dass die Kosten privat übernommen werden, hat auch das Entwicklungsministerium bestätigt: „Alle anfallenden Kosten – unter anderem für Visa, Hotel, Verpflegung – wurden von der Ehefrau vollständig bezahlt, die anteiligen Flugkosten bei der Flugbereitschaft wurden ausnahmslos für jede Reise nach dem Höchstsatz von 100 Prozent beglichen“, erklärte ein Sprecher gegenüber dem „Spiegel“.

Gerd Müller (CSU): Ehefrau begleitete den Bundesenticklungsminister auf Dienstreisen

Dass Gerd Müller bei Dienstreisen oftmals von seiner Ehefrau begleitet wird, habe einen Grund: „Diese Reisen haben etwa auch in Flüchtlingslager oder Elendsviertel geführt. Meine Frau ist mir gerade bei Gesprächen mit den betroffenen Frauen, bei Themen wie Beschneidung, Geburtenkontrolle oder Vergewaltigung eine Unterstützung.“ Gastgebende in Afrika sollen es als „Zeichen der Wertschätzung“ empfunden haben, dass der Minister in Begleitung seiner Frau angereist ist, teilte er der „Augsburger Allgemeinen“ weiter mit. Alexander Dobrindt, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe, erzählte der „Augsburger Allgemeinen“, dass Müller „hervorragende Arbeit als Entwicklungsminister“ und verteidigte die Mitnahme seiner Frau, da es „bekannt“ und „öffentlich transparent“ sei.

Der entwicklungspolitische Sprecher der FDP, Christoph Hoffmann, sagte der „BamS“: „In der gesamten Legislaturperiode gab es nicht eine Einladung. Mehrfach habe ich das angesprochen. [...] Gerd Müller tut der Entwicklungspolitik keinen Dienst, wenn er Parlamentarier systematisch von Informationen vor Ort ausschließt.“ Auch der zuständige Sprecher der Grünen, Uwe Kekeritz, sei kein einziges mal mitgereist.

Gerd Müller (CSU) dementiert Dienstreisen-Vorwürfe der „Bild am Sonntag“

Die Anwesenheit von Gertie Müller-Hoorens habe jedoch „keinen Einfluss“ auf eine mögliche Mitreise von Fachpolitiker:innen gehabt, teilte das Bundesentwicklungsministerium mit. Es hänge zum einen vom Flugzeug-Typ ab, mit dem Gerd Müller auf Reise geht. Der „Global-5000-Jet“ sei zwar nur für kleinere Delegationen, jedoch besser für den Start und die Landung auf Staubpisten geeignet. In der Vergangenheit sollen Politiker:innen wie Claudia Roth Gerd Müller bei Reisen begleitet haben.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) für Dienstreisen in der Kritik: Ministerium weist Vorwürfe zurück

Markus Söder hält das Vorgehen von Gerd Müller den Regeln der Bundesregierung nach für „zulässig“, kündigte allerdings Beratungen an. „Das muss jetzt halt mal besprochen werden“, sagte der bayerische Ministerpräsident in der „Bild“-Sendung „Die richtigen Fragen“.

Erst im September hatte Gerd Müller seinen Rückzug aus der Bundespolitik angekündigt. Bis zum Ende der Legislaturperiode wolle er sein Bundestagsmandat und Amt als Minister „mit voller Kraft weitergestalten“. „Nach 32 Jahren Verantwortung im Europäischen Parlament und im Deutschen Bundestag möchte ich jetzt einen Generationenwechsel einleiten“, erzählte Müller seinem Wahlkreis Oberallgäu. Seit 1994 sitzt Müller als Abgeordneter im Bundestag, seit 2013 ist er Entwicklungsminister in Merkels Kabinett.

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