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George Santos: Einsam in Washington, angeklagt in Brasilien

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Von: Nail Akkoyun

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Der US-Abgeordnete George Santos (R-NY) im Repräsentantenhaus des US-Kapitolgebäudes am 3. Januar in Washington, D.C.
Der US-Abgeordnete George Santos (R-NY) im Repräsentantenhaus des US-Kapitolgebäudes am 3. Januar in Washington, D.C. © Win McNamee/AFP

Der umstrittene Republikaner George Santos hat den ersten Tag im Repräsentantenhaus hinter sich gebracht – nun erwartet ihn eine Anklage aus Brasilien.

Washington, D.C. – Für den frisch gebackenen Abgeordneten George Santos lief der erste Tag im Kongress eher schlecht. Zwar hat der Republikaner bereits zugegeben, dass er entscheidende Stationen seiner schulischen und beruflichen Laufbahn erfunden hat, jedoch scheint sein ohnehin geringer Kredit bei den Parteikolleg:innen bereits verspielt – auch die Demokraten forderten einen Rücktritt des 34-Jährigen.

Ehe es am Dienstag (3. Januar) losging, flüchtete Santos, gegen den auf Bundes- und Kommunalebene wegen möglicher krimineller Aktivitäten im Zusammenhang mit seinen Kongresskampagnen ermittelt wird, vor Journalist:innen, die ihn mit Fragen löcherten. Im Keller des Longworth House Office Building – einem Gebäude des Repräsentantenhauses – lief er der Presse weiter davon und ignorierte sämtliche Fragen. Wie The Daily Beast berichtet, saß der New Yorker Abgeordnete im Repräsentantenhaus daraufhin „allein und weit hinten“ und „machte ein grimmiges Gesicht“, während sich Parteikolleg:innen über die Wahl beziehungsweise Nicht-Wahl von Kevin McCarthy als House-Speaker stritten.

Doch damit nicht genug: Während George Santos in der US-Hauptstadt weiter unter Druck gerät, sieht er sich plötzlich mit einer Betrugsklage aus Brasilien konfrontiert. Der Politiker soll im Jahr 2008 mit einem gestohlenen Scheckheft und unter falschen Namen Waren im Wert von 700 Dollar gekauft haben.

George Santos soll Scheckheft geklaut und unter falschen Namen genutzt haben

Wie die New York Times unter Berufung auf Gerichtsdokumente berichtet, soll Santos das gestohlene Scheckbuch in einem Bekleidungsgeschäft außerhalb von Rio de Janeiro genutzt haben. Der Fall blieb allerdings mehr als ein Jahrzehnt lang liegen, da die brasilianischen Behörden nicht wussten, wo sich der Beschuldigte aufhielt. Dem Bericht zufolge sagte Santos der Polizei im Jahr 2010, dass er und seine Mutter das Scheckheft eines Mannes gestohlen hätten, für den sie einst gearbeitet hatte.

Im darauffolgenden Jahr soll er dem Besitzer des Ladens auf einer brasilianischen Social-Media-Website versichert haben, das Geld zurückzuzahlen, jedoch setzte er sich kurz darauf in die USA ab – noch bevor ein Gericht grünes Licht für eine Anklage gegen Santos gab. Die brasilianischen Staatsanwält:innen werden nun einen Antrag stellen, in dem sie den Republikaner auffordern, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Im Anschluss soll das brasilianische Justizministerium den Antrag an das US-Justizministerium weiterleiten, berichtet der Guardian.

Anklage gegen George Santos: Republikaner droht mehrjährige Haftstrafe

Im Falle einer Verurteilung droht laut Times eine Höchststrafe von fünf Jahren Haft sowie eine Geldstrafe. Santos beteuerte im Gespräch mit der New York Post aber seine Unschuld: „Ich bin kein Krimineller – weder hier noch in Brasilien, noch in irgendeinem anderen Land der Welt.“ Die Geschichte sei „so nicht passiert“.

Vereinzelt brachten auch einige Mitglieder der Republikanischen Partei einen Rücktritt des Politikers ins Spiel. So etwa der texanische Abgeordnete Kevin Brady, der auf Fox News sagte, dass Santos „sicherlich einen Rücktritt in Betracht ziehen“ müsse. Auch der scheidende Gouverneur von Arkansas, Asa Hutchinson, bezeichnete Santos‘ Lügen als „inakzeptabel“ und forderte eine Untersuchung durch die Ethikkommission. (nak)

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