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„Schämen Sie sich nicht?“ Skandal um Santos weitet sich aus

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Von: Johanna Soll

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George Santos will trotz seines Lügen-Skandals am 3. Januar 2023 als Abgeordneter im US-Kongress vereidigt werden
George Santos will trotz seines Lügen-Skandals am 3. Januar 2023 als Abgeordneter im US-Kongress vereidigt werden © Scott Olson/AFP

Der Republikaner George Santos lügt umfassend in seiner Vita – nun kommt noch mehr ans Licht. In einem Interview bei Fox News wird er angegangen.

New York City/Washington, D.C. – Die Kontroverse um den bei den Midterm-Wahlen in den USA ins Repräsentantenhaus gewählten Republikaner George Santos (34) hat sich innerhalb weniger Tage zu einem Skandal entwickelt: Der Neu-Politiker aus New York City hat wichtige Angaben in seinem Lebenslauf nicht lediglich geschönt – er hat sie frei erfunden. Ausgerechnet in einem Interview mit dem rechten US-TV-Sender Fox News wird Santos in die Zange genommen. Inzwischen ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft in seinem Wahlbezirk im New Yorker Stadtteil Long Island gegen den Hochstapler.

Auf Twitter kam heraus, dass die lange Liste der Vita-Lügen des George Santos sich noch weiter fortsetzt. Zu erfundenen Arbeitgebern, einem erfundenen Hochschulabschluss, der Lüge, er sei jüdisch, und anderen Unwahrheiten, kommt eine weitere infame Mär hinzu: Seine Mutter ist offenbar nicht bei den Terroranschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 ums Leben gekommen, wie er auf Twitter behauptet hatte, sondern starb 2016.

George Santos: Selbst Fox News ist dem Republikaner nicht wohlgesinnt

Auf Fox News traf George Santos dann auf eine taffe Interviewerin, die ihrerseits eine kontroverse Politikerin war: Tulsi Gabbard. Die ehemalige Abgeordnete aus Hawaii und ehemalige Präsidentschaftskandidatin der Demokraten gab sich am Anfang ihrer politischen Karriere noch progressiv, wurde dann immer konservativer und endete im ganz rechten Lager bei den MAGA-Republikanern. Inzwischen hat sie ihr Amt als Politikerin gegen einen Moderationsjob beim republikanischen Propagandakanal Fox News getauscht.

In dem Interview mit Tulsi Gabbard behauptete der Donald-Trump-Anhänger Santos, es sei mutig von ihm gewesen, im Fernsehen seine Verfehlungen zuzugeben. Er bestand darauf, dass sein „Mut“ ihn dazu befähige, seinen Wahlkreis im US-Kongress zu vertreten, woraufhin ihn Gabbard fragte: „Schämen Sie sich nicht?“ Anschließend stellte sie klar, dass es sich nicht etwa, wie Santos stets behauptet, um „Ausschmückungen“ seines Lebenslaufs, sondern um „unverhohlene Lügen“ handle. Santos lenkte erneut ab, indem er behauptete, die Demokraten und US-Präsident Joe Biden, hätten „das amerikanische Volk seit 40 Jahren belogen“.

George Santos will trotz des Skandals Anfang Januar sein Amt antreten

George Santos’ Hochstapelei hat inzwischen auch die Strafjustiz auf den Plan gerufen. Die Bezirksstaatsanwaltschaft von Long Island teilte mit, sie würde sich mit dem Fall befassen und bezeichnete Santos’ Lügen und Ungereimtheiten als „schlichtweg erstaunlich“. Die Wähler:innen des 3. Kongresswahlbezirks von New York „müssen einen ehrlichen und rechenschaftspflichtigen Vertreter im Kongress haben“, sagte die zuständige Bezirksstaatsanwältin Anne T. Donnelly, eine Republikanerin. „Wenn in diesem Landkreis ein Verbrechen begangen wurde, werden wir es strafrechtlich verfolgen.“

Trotz zunehmender Zweifel an seiner Eignung für ein politisches Amt, macht George Santos bislang keine Anstalten, zurückzutreten. Am 3. Januar soll er vereidigt werden, wenn der nach den Midterms neu zusammengesetzte Kongress zusammentritt. Im Repräsentantenhaus haben die Republikaner eine knappe Mehrheit erreicht, der Senat bleibt in der Hand der Demokraten. Sollte Santos sein Amt antreten, könnten ihm Ermittlungen der Ethikkommission und des Justizministeriums drohen. Sein republikanischer Kollege aus Long Island, der Abgeordnete Nick Lalota, sagte, er sei beunruhigt über die Enthüllungen. (Johanna Soll)

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