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Santos als Symptom von Trumps Einfluss

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Von: Johanna Soll

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George Santos, republikanischer Abgeordneter und Hochstapler
George Santos, republikanischer Abgeordneter und Hochstapler. © Alex Brandon/dpa/AP

Er lügt und betrügt – laut Fachleuten in den USA ist der Skandal-Politneuling George Santos die logische Konsequenz des Einflusses von Donald Trump auf die Republikaner.

Washington, D.C. – Der republikanische US-Abgeordnete George Santos hält seit Ende 2022 die Berichterstattung über den Politbetrieb in der US-Hauptstadt Washington, D.C. in Atem. Erst kurz vor Santos’ Vereidigung im Kongress Anfang Januar kam heraus, dass er weite Teile seines Lebenslaufs frei erfunden hat. Wenig später räumte er diese „Ausschmückungen“ ein, wie er sie nennt. Fachleute sehen in dem Hochstapler George Santos ein Symptom des Einflusses von Ex-US-Präsident Donald Trump auf die Republikanische Partei.

Seit Ende Dezember vergeht kaum ein Tag, an dem US-Medien nicht über neue Enthüllungen in der Causa Santos berichten. Jüngst kam heraus, dass der 34-Jährige vor 15 Jahren in Brasilien als Dragqueen aufgetreten ist und unter dem Künstlernamen Kitara Ravache den Titel „Miss Gay Rio de Janeiro“ angestrebt habe. Trotz mehrerer Fotos, die Santos als Dragqueen zeigen, dementierte er dies zunächst, räumte zuletzt aber gegenüber dem US-Sender ABC ein: „Ich war jung und hatte Spaß auf einem Festival – verklagt mich, weil ich ein Leben habe.“

Für Empörung sorge kürzlich außerdem, dass Santos 2016 offenbar den obdachlosen US-Veteranen Richard Osthoff in einer perfiden Angelegenheit betrogen haben soll. Bei Osthoffs Hündin Sapphire wurde ein Tumor diagnostiziert, doch der arbeitslose Osthoff, der damals in einem Zelt lebte, hatte kein Geld für die Operation. Santos bot seine Hilfe an und veranlasste online eine Spendenaktion, die die benötigten 3000 Dollar für die OP einbrachte. Doch anstatt Osthoff das Geld zu geben, war Santos fortan nicht mehr erreichbar. Osthoff vermutet, Santos habe das Geld für sich selbst einbehalten. Sapphire musste letztlich wegen des Tumors eingeschläfert werden.

Kevin McCarthy braucht George Santos in der republikanischen Fraktion

Inzwischen hat George Santos im Repräsentantenhaus zwei Ausschussposten vom Sprecher der Kammer, Kevin McCarthy, zugewiesen bekommen. McCarthy vermeidet es bisher, zu Santos’ Verfehlungen Stellung zu beziehen und das hat einen einfachen Grund: Er braucht Santos aufgrund der knappen Mehrheit, die die Republikaner im Repräsentantenhaus haben. McCarthys Fraktion könnte Santos per Votum des Kongresses verweisen, doch dann würde eine Nachwahl in New York City stattfinden, bei der die Demokraten gute Siegchancen hätten. Denn der Wahlbezirk in den Stadtteilen Long Island und Queens tendiert eigentlich zur Demokratischen Partei.

Stuart Stevens ist Politikberater und Autor des Buches „It Was All a Lie: How the Republican Party Became Donald Trump“. Über Santos sagte Stevens: „Er ist ein perfektes Beispiel für den Zusammenbruch der Republikanischen Partei.“ Er zeige, dass die Partei für nichts mehr stehe. „Niemand weiß, wer dieser Typ ist. Wir kennen nicht einmal seinen richtigen Namen.“ Auf Wikipedia wird Santos’ vollständiger Name mit George Anthony Devolder Santos angegeben. In der Vergangenheit nutzte er den Namen Anthony Devolder.

George Santos – „vollständig von Wahrheit und Realität entfernt“

Monika McDermott, Professorin für Politikwissenschaft an der Fordham University in New York, sagte über Santos: „Das geht wohl über alles hinaus, was ich je gesehen habe.“ Es werde getäuscht und angegeben, „aber über die eigene Vita offen zu lügen und daran festzuhalten, selbst wenn die Lüge aufgedeckt wurde, erfordert wirklich eine gewisse Portion Mut – nennen wir es so.“

Donald Trump, immer noch die Nummer eins der Republikaner, scheint das Lügen in der Politik salonfähig gemacht zu haben. Laut der Washington Post hat Trump während seiner vierjährigen Präsidentschaft mehr als 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen aufgestellt. Darunter die rassistische Lüge, der erste schwarze US-Präsident, Barack Obama, sei nicht in den USA geboren und hätte daher nie Präsident werden dürfen. Der demokratische Stratege Kurt Bardella sagte: „Es gibt kein besseres lebendes Maskottchen für die Verwandlung der Republikanischen Partei, als George Santos – eines, das sich vollständig von Wahrheit und Realität entfernt hat.“ (Johanna Soll)

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