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Minneapolis

George Floyd: Augenzeugin erhebt schwere Vorwürfe gegen Chauvin

  • Sophie Vorgrimler
    vonSophie Vorgrimler
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Das Schicksal von George Floyd bewegt die USA und die Welt. Im Prozess gegen einen weißen Ex-Polizisten sagt nun eine Augenzeugin aus.

  • Fast ein Jahr nach der Tötung von George Floyd bei einem Polizeieinsatz in den USA beginnt das Hauptverfahren gegen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin.
  • Die Anklage wirft Chauvin Mord zweiten Grades vor, worauf im Bundesstaat Minnesota bis zu 40 Jahre Haft stehen.
  • Der Prozess in der Stadt Minneapolis läuft. Eine Augenzeugin berichtet.

Update vom Mittwoch, 31.03.2021, 13.10 Uhr: Im Prozess gegen den Angeklagten Derek Chauvin, der wegen Mordes zweiten Grades am Afroamerikaner George Floyd vor Gericht steht, ist am dritten Tag die Augenzeugin und Einsatzkraft der Feuerwehr, Geneviewe Hansen, befragt worden. Sie war am 25. Mai 2020 in Minneapolis noch vor den Sanitäter:innen vor Ort, als George Floyd noch lebte. Sie erlebte, wie er starb. In der Befragung, die vom New Yorker Fernsehsender MSNBC ausgestrahlt wurde, gab sie an, dass sie sofort bei ihrem Eintreffen gesehen hätte, dass George Floyd medizinische Hilfe bräuchte. Sein Gesicht sei „auf den Boden geschlagen gewesen“ und hätte „aufgedunsen und angeschwollen ausgesehen“.

Sie gab an, zunächst nicht gewusst zu haben, wie sie überhaupt „Zugang zu dem Patienten bekommen könnte“. Ihre Aufmerksamkeit galt daher mehr den Polizisten als George Floyd. An dieser Stelle in der Befragung brach der Feuerwehrkraft zum ersten Mal die Stimme.

George Floyds Tod vor Gericht: Derek Chauvin des Mordes beschuldigt

Dass Floyd medizinische Hilfe braucht, war für sie offensichtlich, somit hätte es auch der beschuldigte Polizist Derek Chauvin merken müssen: Sie sah Flüssigkeit, von der sie vermutete, sie käme aus Floyds Körper und könnte Urin sein - ein häufiges Anzeichen beim Eintreten des Todes.

Augenzeugin Genevieve Hansen wischt sich im Prozess um den Tod von George Floyd bei ihrem Bericht eine Träne von der Wange.

Ein weites Anzeichen, dass Floyd medizinische Hilfe benötige, war laut Hansen, dass er auf schmerzhafte Stimulation nicht reagierte. Normalerweise sei „eine leicht schmerzhafte Stimulation“ ein typischer Test, um das Bewusstsein von Patient:innen zu prüfen. „Wenn jemand auf dem Nacken lehnt, dann ist das eine schmerzhafte Stimulation“, sagte Hansen. „Aber er hat sich nicht bewegt.“

George Floyd: Augenzeugin berichtet vor Gericht von der Tat

Die Augenzeugin Hansen bemerkte außerdem, dass Chauvin in seiner körperlichen Haltung und Position - mit seinem Knie auf Floyds Hals - sehr „bequem und in gutem Gleichgewicht“ gewirkt habe. Dementsprechend klar verteilt muss sein Körpergewicht gewesen sein, schlussfolgerte sie.

Sie warf dem Angeklagten vor, dass er sie gehindert habe, zu helfen, wie sie es gerne getan hätte. Nachdem sie mit lauter Stimme versucht habe, die Situation zu entschärfen, hätte Chauvin sie unter Druck gesetzt und gesagt, wenn sie wirklich eine Feuerwehreinsatzkraft aus Minneapolis sei, dann wüsste sie, dass sie sich besser nicht einmischen sollte. Wenige Minuten später war Floyd tot - einer der Wendepunkte für die Black Lives Matter-Bewegung, die auf Polizeigewalt und Rassismus gegen die afroamerikanische Bevölkerung in den USA aufmerksam macht - und weltweit große Solidarität erfuhr.

Rassismus in den USA: Verfahren im George-Floyd-Prozess beginnt mit erschütterndem Video

Update vom Dienstag, 30.03.2021, 11.10 Uhr: Das Video ist erschütternd. Es zeigt die letzten Minuten im Leben von George Floyd. „Ich bekomme keine Luft mehr“, stöhnt der Afroamerikaner immer wieder, bevor er für immer verstummt. Und daneben stehen die Passanten, die die Polizisten anschreien, während der weiße Beamte Derek Chauvin weiter auf Floyds Hals kniet und ihn zu Boden drückt. „Lass seinen Hals, verflucht noch mal, er atmet nicht mal mehr“, schreit ein Passant. „Haben sie ihn getötet?“, ruft eine Passantin. „Ihnen ist es egal, er ist schwarz“, sagt sie.

Mit dem Abspielen des Videos für die Geschworenen begann die Staatsanwaltschaft im Gericht in der Stadt Minneapolis das Hauptverfahren gegen Chauvin, dem unter anderem Mord zweiten Grades vorgeworfen wird. Darauf stehen im nördlichen Bundesstaat Minnesota bis zu 40 Jahre Haft.

„Als Herr Floyd in Not war, wollte Herr Chauvin ihm nicht helfen, hat ihm nicht geholfen“, sagte Jerry Blackwell. Der Staatsanwalt weiß genau, dass das Video seine Trumpfkarte ist. Chauvins „exzessive Gewaltanwendung“ habe zum Tod des 46-Jährigen geführt. „Die Beweise werden zeigen, dass es von Anfang an keinen Grund gab, tödliche Gewalt gegen ein Mann einzusetzen, der sich nicht verteidigen konnte, in Handschellen war und keinen Widerstand leistete“, sagte Blackwell an die Geschworenen gerichtet. Und dann brachte er es auf den Punkt: „Sie können Ihren Augen trauen. Es war Mord.“

Chauvins Anwalt Eric Nelson wies die Argumente der Anklage zurück und betonte, Chauvin habe nur als Polizist seinen Job gemacht, „genau so wie er dafür trainiert wurde“. Der Einsatz gegen Floyd sei gerechtfertigt gewesen, weil dieser Widerstand geleistet habe, sagte Nelson. Zudem argumentierte er, dass Floyds Tod nicht auf Gewalteinwirkung zurückgehe, sondern auf dessen vorbelastete Gesundheit und Rückstände von Drogen in seinem Blut. Mit Blick auf eine Herzerkrankung Floyds sagte Nelson, dieser sei infolge von „Herzrhythmusstörungen“ und „dem Einnehmen von Drogen“ gestorben.

Auch Joe Biden verfolgt George-Floyd-Prozess in den USA

Update von Montag, 29.03.2021, 21:30 Uhr: Das Schicksal des Afroamerikaners George Floyds bewegte die USA und die Welt. Jetzt hat das Verfahren gegen einen weißen Ex-Polizisten begonnen. Die Erwartungen sind immens, denn es geht auch um Rassismus und Polizeigewalt. Sogar US-Präsident Joe Biden verfolgt den Prozess. Laut Jen Psaki, Pressesprecherin des Weißen Hauses, verfolgt Präsident Joe Biden den Prozess gegen den wegen Mordes an George Floyd angeklagten ehemaligen Polizisten Derek Chauvin „sehr genau“. Der Tod Floyds habe der amerikanischen Öffentlichkeit „eine Wunde geöffnet und für viele Menschen in diesem Land genau die Art von rassistischer Ungerechtigkeit und Ungleichheit ans Licht gebracht, die viele Gemeinden jeden Tag erleben.“

Derzeit ist Jena Lee Scurry im Zeugenstand. Die Leitstellenmitarbeiterin der Polizei von Minneapolis habe nach eigenen Angaben gedacht, dass das Bild der Überwachungskamera vom Tatort auf ihrem Monitor eingefroren sei. Als sie gemerkt habe, dass George Floyd tatsächlich minutenlang am Boden fixiert wurde, habe Sie Chauvins Seargent angerufen, um ihre Bedenken auszudrücken. Damit sei sie nach eigenen Angaben über ihre eigentlichen Pflichten hinausgegangen: „Mein Instinkt sagte mir, dass etwas nicht stimmt. Ich wusste nicht was, aber etwas stimmte nicht.“

Zuvor hatte Chauvins leitender Verteidiger Eric Nelson in seiner Eröffnungsrede angeführt, dass die Obduktion George Floyds „keine deutlichen Anzeichen einer Erstickung“ gezeigt haben soll. Es gebe „keine Beweise dafür, dass Mr. Floyds Luftstrom eingeschränkt war.“ Stattdessen sei Floyd an einer Herzrhythmusstörung gestorben, die durch Bluthochdruck und eine Corona-Erkrankung sowie durch Fentanyl, Methamphetamin und Adrenalin in Floyds Körper verursacht worden sei.

George Floyd-Prozess in den USA startet: Ex-Beamter wegen Mordes angeklagt

Erstmeldung von Montag, 29.03.2021, 14:09 Uhr: Minneapolis – Fast ein Jahr nach der Tötung des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in den USA beginnt das Hauptverfahren gegen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin. Ihm wird unter anderem Mord zweiten Grades vorgeworfen, worauf im Bundesstaat Minnesota bis zu 40 Jahre Haft stehen. Die Verhandlung beginnt am Montag (29.03.2021) ab 16.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit unter schweren Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt Minneapolis. Das Gericht hatte vergangene Woche die Auswahl der Geschworenen abgeschlossen. Richter Peter Cahill geht davon aus, dass das Hauptverfahren bis zu einen Monat dauern könnte.

Der 46-jährige Floyd war am 25. Mai 2020 in Minneapolis bei einer brutalen Festnahme ums Leben gekommen. Videos haben dokumentiert, wie Polizisten den unbewaffneten Floyd zu Boden drückten. Chauvin presste dabei sein Knie gut acht Minuten lang in Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Floyd verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein und starb. Die Beamten hatten Floyd wegen des Verdachts festgenommen, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben.

Verteidiger: Tod von George Floyd geht nicht auf Gewalteinwirkung zurück

Chauvin, der nach dem Vorfall entlassen worden war, muss sich wegen Mordes zweiten Grades ohne Vorsatz verantworten. Nach deutschem Recht entspräche dieser Anklagepunkt eher dem Totschlag. Zudem wird Chauvin Mord dritten Grades vorgeworfen, worauf bis zu 25 Jahre Haft stehen. Auch muss er sich wegen Totschlags zweiten Grades verantworten, worauf zehn Jahre Haft stehen. Der Ex-Polizist ist derzeit auf Kaution frei und muss während des Prozesses anwesend sein.

Chauvin hat auf nicht schuldig plädiert. Seine Verteidiger erklären, der Einsatz gegen Floyd sei gerechtfertigt gewesen, weil dieser Widerstand geleistet habe. Zudem argumentieren sie, dass Floyds Tod nicht auf Gewalteinwirkung zurückgehe, sondern vor allem auf dessen vorbelastete Gesundheit und Rückstände von Drogen in seinem Blut.

Schicksal von George Floyd löste in den USA Massenproteste gegen Rassismus aus

Die Erwartungen an den Prozess sind immens - Floyds Schicksal hatte in den USA mitten in der Corona-Pandemie monatelang zu Massenprotesten gegen Polizeigewalt und Rassismus geführt. Die Proteste erschütterten das Land in historischem Ausmaß. Auch in anderen Ländern der Welt, darunter in Deutschland, gingen Menschen gegen Rassismus auf die Straße.

Viele Menschen in den USA hoffen auf ein Urteil, das ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt setzt.
„Das ist kein schwieriger Fall“, erklärte ein Anwalt von Floyds Familie, Ben Crump, vergangene Woche. „George Floyds Tod wurde von mehr Menschen bezeugt als jeder andere, weiß oder schwarz. Wir haben alle das Gleiche gesehen: Den unwiderlegbaren und nicht zu rechtfertigenden Mord an einem schwarzen Mann durch einen Polizeibeamten“, schrieb Crump auf Twitter.

Fälle von Polizeigewalt gegen Afroamerikaner in den USA im Jahr 2020

Ahmaud Arbery, 25 Jahrebeim Joggen vom Sohn eines Ex-Polizisten erschossen
Breonna Taylor, 26 Jahrein ihrer eigenen Wohnung von Polizisten erschossen
George Floyd, 46 JahreEin weißer Polizist drückte ihm das Knie in den Nacken
Rayshard Brooks, 27 Jahrebei Flucht vor Polizei in den Rücken geschossen
Daniel Prude, 41Ein Polizist drückte seinen Kopf auf den Boden

Stadt Minneapolis in den USA hat sich mit George Floyds Familie auf Vergleichszahlung geeinigt

Der Prozess wird live übertragen. Die 14 Geschworenen, die letztlich über Chauvins Schuld oder Unschuld befinden werden, sollen dabei aber nicht gezeigt werden. Ihre Identität wird aus Sicherheitsgründen bis auf Weiteres geheimgehalten. Zwei der Jury-Mitglieder gelten als Ersatzkandidaten, am Schluss werden also nur zwölf das Urteil fällen. Die Auswahl der Geschworenen hatte sich zweieinhalb Wochen hingezogen, weil es dem Gericht schwergefallen war, in diesem prominenten Fall möglichst unvoreingenommene Kandidaten zu finden.

Die Stadt Minneapolis hatte sich erst kürzlich wegen des Handelns der Polizei mit Floyds Familie auf eine Vergleichszahlung in Höhe von 27 Millionen US-Dollar (etwa 22,6 Millionen Euro) geeinigt. Das strafrechtliche Verfahren ist davon aber nicht direkt betroffen. Neben Chauvin sind drei weitere am Einsatz gegen Floyd beteiligte Ex-Polizisten angeklagt, die in einem separaten Verfahren ab dem 23. August vor Gericht stehen werden. Ihnen wird Beihilfe zur Last gelegt. Auch ihnen könnten langjährige Haftstrafen drohen. (dpa, afp)

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