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„Tag der Gerechtigkeit“

Tod von George Floyd: Anwalt von verurteiltem Chauvin fordert Neuauflage des Prozesses

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  • Mirko Schmid
  • Sonja Thomaser
    Sonja Thomaser
  • Friederike Meier
    Friederike Meier
  • Sophia Lother
    Sophia Lother
  • Tim Vincent Dicke
    Tim Vincent Dicke

Derek Chauvin ist im Fall George Floyd für schuldig befunden. Nun fordert sein Anwalt einen neuen Prozess. Der Grund: angebliche Fehler im Verfahren.

Update vom Mittwoch, 05.05.2021, 07.00 Uhr: Der Anwalt des wegen Mordes am Afroamerikaner George Floyd verurteilten Derek Chauvin hat eine Neuauflage des Prozesses gegen seinen Mandanten beantragt. Als Begründung nennt Eric Nelson etwa rechtliche Fehler sowie Fehlverhalten von Gericht und Staatsanwaltschaft. Daher sei der Prozess nicht fair gewesen und hätte damit gegen die Verfassung verstoßen.

Schon während des Prozesses hatte die Verteidigung von Derek Chauvin immer wieder auf ein sofortiges Ende des Verfahrens gedrängt, meistens mit der Begründung angeblicher rechtlicher Fehler. Nelson hatte etwa das Beharren des Gerichtes auf den Verhandlungsort genannt oder das angebliche Versäumnis des Gerichts, die Geschworenen für die komplette Dauer des Verfahrens von der Außenwelt abzuschotten. Zudem wirft Nelson der Staatsanwaltschaft Verfahrensfehler vor.

Der Angeklagte Derek Chauvin (r) und dessen Verteidiger Eric Nelson im Gerichtssaal beim Prozess um den Tod von George Floyd.

Tod von George Floyd: US-Justiz nimmt sich Polizeiarbeit in Minneapolis vor

Update vom Donnerstag, 22.04.2021, 09.25 Uhr: Kurz nach dem Schuldspruch gegen den Ex-Polizisten Derek Chauvin im Fall des getöteten Afroamerikaners George Floyd nimmt das Justizministerium in den USA die Polizeiarbeit in der Stadt Minneapolis genauer unter die Lupe. Es werde geprüft, ob es ein Muster „verfassungswidriger oder rechtswidriger Polizeiarbeit“ gegeben habe, kündigte Justizminister Merrick Garland an. Das Urteil gegen Chauvin werde „systemische Polizeiprobleme in Minneapolis nicht beheben“.

Nach Garlands Angaben soll die Arbeit der Polizei in Minneapolis im Detail durchleuchtet werden, das betrifft Richtlinien, Schulung, Betreuung sowie interne Ermittlungen zur Anwendung von Polizeigewalt. Garland kündigte für den Fall, dass rechtswidrige Praktiken festgestellt werden, einen offiziellen Bericht und eine Zivilklage an.

LeBron James: Verdammt leid, von der Polizei getötete Schwarze zu sehen

Unterdessen hat sich Basketball-Superstar LeBron James erschüttert und frustriert über weitere tote Schwarze geäußert. „Ich bin es so verdammt leid, von der Polizei getötete schwarze Menschen zu sehen“, schrieb der 36 Jahre alte Profi der Los Angeles Lakers in einer Serie von Tweets. Am gleichen Tag war in North Carolina der 40 Jahre alte Andrew Brown Junior bei einem Einsatz der Polizei erschossen worden. Tags zuvor hatte ein Polizist in Ohio ein 16 Jahre altes Schwarzes Mädchen erschossen, das Videoaufnahmen zufolge mit einem Messer bewaffnet war.

James löschte ein zuvor von ihm veröffentlichten Tweet mit einem Foto eines der Polizisten, der bei dem Einsatz in Ohio beteiligt gewesen sein soll, das er mit den Worten „Du bist der nächste“ und „Accountability“, was auf deutsch so viel heißt wie Rechenschaft oder Verantwortlichkeit, betitelt hatte. „Ich habe den Tweet runter genommen, weil er dazu benutzt wurde, mehr Hass zu erzeugen. Es geht hier nicht um einen Polizisten“, schrieb James. „Es geht um das gesamte System und sie nutzen unsere Worte immer, um mehr Rassismus zu erzeugen.“ Er könne es kaum erwarten, bis es mehr Rechenschaft gebe.

Vor dem Porträt von George Floyd auf dem George Floyd Square liegen in Gedenken viele Blumen.

Fox News-Angestellte kritisieren Schuldspruch der Jury im Prozess um George Floyd

+++ 20.10 Uhr: Die Reaktionen auf das Urteil gegen Derek Chavin, der für schuldig befunden wurde, George Floyd getötet zu haben, fallen zu großen Teilen erleichtert aus. Keith Ellison, Generalstaatsanwalt von Minnesota, sprach im Anschluss an den Schuldspruch durch die zwölfköpfige Jury davon, dass die Verurteilung „keine Gerechtigkeit, aber Rechenschaft“ herbeiführe. Anders als in der liberalen bis konservativen US-Öffentlichkeit findet das Urteil der Jury in rechten US-Medien viel Kritik.

So ließ Fox News-Gastgeberin Laura Ingraham den rechten YouTuber Brandon Tatum zu Wort kommen und ihn behaupten, dass liberale Medien Schwarze ermuntern würden, in Kontakt mit Polizeikräften zu kommen, um sich im Austausch gegen eine hohe Schmerzensgeldzahlung erschießen zu lassen. Der Familie von George Floyd waren in einem außergerichtlichen Vergleich mit der Stadt Minneapolis 27 Millionen US-Dollar zugesprochen worden.

Ingrahams Kollege Tucker Carlson, bekannt als besonders scharfzüngiger rechter Scharfmacher, nannte die öffentliche Meinung, wonach Derek Chauvin verurteilt werden sollte, „einen Angriff auf die Zivilisation“. Die Jury habe mit ihrem Schuldspruch nicht etwa Recht sprechen wollen, sondern sich vor den Reaktionen der Straße im Falle eines Freispruchs gefürchtet: „Jeder hat die Konsequenzen eines Freispruchs sehr gut vor Augen gehabt“, so Carlson, „nach fast einem Jahr der Brandstiftung, des Plünderns und des Mordens der Black Lives Matter-Bewegung stand das nie im Zweifel.“

Prozess um George Floyd: Extrem rechte TV-Sender Newsmax und OAN verbreiten Verschwörungstheorien

Rob Schmitt, Moderator des noch weiter rechts verorteten Senders Newsmax, warf der Jury vor, Derek Chauvin einem „Mob geopfert“ zu haben. Der als Neonazi-Sympathisant bekannte Jack Psobiec, Korrespondent des ähnlich wie Newsmax am äußersten rechten Rand des US-amerikanischen Medienspektrums beheimateten TV-Senders OAN, sprach davon, dass die Geschworenen „manipuliert“ worden seien und im Falle eines Freispruchs „möglicherweise um ihr Leben“ hätten fürchten müssen.

Minneapolis: Tränen der Erleichterung nach Schuldspruch gegen Ex-Polizist Derek Chauvin im Prozess um Tötung von George Floyd.

Die rechtsextreme Gateway Pundit-Bloggerin  Cassandra Fairbanks drückte auf Twitter ihr Mitleid für den der Tötung schuldig befundenen Ex-Polizisten aus: „Armer Chauvin. Das ist schrecklich. Er ist ein politischer Gefangener. Niemand kann meine Meinung dazu ändern.“ Später löschte sie ihren Tweet. Und auch Rudy Giuliani, ehemals Frontkämpfer für Donald Trump, schaltete sich mit einem Kommentar ein. Der einst hoch angesehene Jurist sprach in „War Room“, der Sendung des einstigen „Breitbart“-Machers und Trump-Spitzenberaters Steve Bannon, von einem Fall, der „von den Medien untergraben“ worden sei.

Prozess um Tod von George Floyd: Ex-Polizist verurteilt - Biden äußert sich

Update vom Mittwoch, 21.04.2021, 07.30 Uhr: Nachdem der Ex-Polizist Derek Chauvin in allen drei Anklagepunkten schuldig gesprochen wurde, haben sich Floyds Familie und US-Präsident Joe Biden erleichtert über das Urteil gezeigt. Floyds Bruder Rodney sagte der Nachrichtenagentur AFP, das Urteil sei für alle Schwarzen in den USA „sehr wichtig“. „Wir brauchten einen Sieg in diesem Fall und wir haben ihn bekommen - und hey, vielleicht können wir jetzt ein kleines bisschen besser atmen“, fügte er hinzu.

„Es wäre Gerechtigkeit, wenn George Floyd noch leben würde“

US-Präsident Joe Biden rief Floyds Familie nach dem Schuldspruch an und zeigte sich „erleichtert“ über das Urteil. Vizepräsidentin Kamala Harris sprach in dem Telefonat von einem „Tag der Gerechtigkeit in Amerika“. In einer Ansprache im Weißen Haus versprach Biden anschließend, den Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze fortzusetzen. Der Schuldspruch gegen Chauvin sei zwar „ein Schritt nach vorn“, aber „nicht genug“, sagte der US-Präsident.

Während des Prozesses um den gewaltsamen Tod von George Floyd fällt eine Moderatorin von Fox News mit extremen Kommentaren auf. (Archivbild)

Auch Ex-Präsident Barack Obama begrüßte den Schuldspruch. „Heute hat eine Jury das Richtige getan“, schrieb der erste schwarze Präsident der US-Geschichte auf Twitter. „Aber wahre Gerechtigkeit verlangt nach viel mehr.“ Bürgerrechtsgruppen fordern tiefgreifende Reformen bei der US-Polizei, der immer wieder Gewalttaten gegen Schwarze zur Last gelegt werden.

Auch die Schwarze Kongressabgeordnete Cori Bush schrieb auf Twitter: „Unsere Hoffnung ist, dass dieses Urteil ein kleiner Schritt in Richtung Verantwortung sein wird.“ Aber dabei gehe es nicht um Gerechtigkeit. „Für uns wäre Gerechtigkeit, wenn George Floyd heute noch leben würde.“

Prozess um Tod von George Floyd: Ex-Polizist in allen drei Anklagepunkten schuldig gesprochen

+++ 23.13 Uhr: Im Prozess um die Tötung des Afroamerikaners George Floyd haben die Geschworenen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Das erklärte Richter Peter Cahill am Dienstag (20.04.2021) in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota. Die Geschworenen verurteilten den 45-Jährigen am Dienstag wegen Mordes zweiten Grades, Mordes dritten Grades und Totschlags zweiten Grades, wie Richter Peter Cahill in Minneapolis sagte. Das Strafmaß wird zu einem späteren Zeitpunkt verkündet. 

Die Anklagepunkte im EinzelnenBedeutung/Deutsche EntsprechungUrteil
1. Unintentional Second Degree Murder While Committing a FelonyKörperverletzung mit Todesfolge durch kriminelle Handlung, kein Vorsatzschuldig
2. Third Degree Murder Perpetrating an Eminently Dangerous ActKörperverletzung mit Todesfolge durch gefährliches Vorgehenschuldig
3. Second Degree Manslaughter, Culpable Negligence Creating an Unreasonable RiskFahrlässige Tötung durch das in Kauf nehmen eines unangemessenen Risikosschuldig

+++ 21.40 Uhr: Im Prozess um den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd ist ein Urteil gefallen. Die Entscheidung der Geschworenen im Verfahren gegen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin sollte in Kürze verkündet werden, wie das Gericht in Minneapolis am Dienstag mitteilte. Das Urteil werde noch am Dienstagnachmittag (Ortszeit, ab 22.30 Uhr MESZ) verlesen werden. Die Geschworenen waren währen ihrer Beratungen seit Montagnachmittag von der Außenwelt abgeschottet gewesen. Chauvin ist wegen Mordes zweiten Grades, Mordes dritten Grades und Totschlags zweiten Grades angeklagt.
 

+++ 19.00 Uhr: Die Entscheidung im Fall George Floyd liegt nun bei den Geschworenen. Sie entscheiden, was mit dem angeklagten Ex-Polizisten Derek Chauvin, der den Afroamerikaner ermordet haben soll, nun geschieht. Unterdessen äußerte sich auch US-Präsident Joe Biden am Dienstag (20.04.2021) zu dem Fall. „Ich bete, dass das Urteil das richtige Urteil sein wird“, sagte Boden im Weißen Haus. Laut Afp sei die Beweislage für Biden „überwältigend“. Äußerungen von Präsidenten zu laufenden Gerichtsverfahren sind sehr selten. Joe Biden hatte aber in der Vergangenheit nie geheim gehalten, auf wessen Seite er in diesem Verfahren steht: Erst am Montag hatte er mit Angehörigen George Floyds telefoniert.

Trotzdem sorgten die Äußerungen des Präsidenten für Verwunderung. Joe Biden verwies jedoch darauf, dass die Geschworenen im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder George Floyds bereits ihre Beratungen aufgenommen hätten. Somit sind sie von der Öffentlichkeit abgeschirmt und könnten daher von den Äußerungen des Präsidenten nicht beeinflusst werden.

George Floyd: Sein Tod löste nicht nur in den USA Proteste aus

Die insgesamt 12 Geschworenen beraten derzeit laut Afp, ob Chauvin in den Anklagepunkten Mord zweiten Grades, Mord dritten Grades und Totschlag zweiten Grades schuldig oder unschuldig ist. Die zuständige Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Schlussplädoyer am Montag einen Schuldspruch in allen Anklagepunkten gefordert. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch.

Der weiße Angeklagte hatte am 25. Mai 2020 dem wegen Falschgeldvorwürfen festgenommenen Afroamerikaner George Floyd neuneinhalb Minuten lang das Knie in den Nacken geknüpft. Floyd starb daran. Seine Worte „I can‘t breathe“ lösten international Empörung aus und in den USA fanden wochenlang landesweite Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt statt. In der Vergangenheit wurden Polizisten allerdings nur selten verurteilt. Sollte Chauvin freigesprochen werden, befürchten die Behörden daher erneut Proteste und gewalttätige Ausschreitungen. Die Sicherheitsvorkehrungen in Minneapolis wurden daher drastisch verschärft.

Fox-News-Moderatorin löst mit Kommentar zu George Floyd Entrüstung aus

+++ 12.30 Uhr: Während die Entscheidung im Prozess um den gewaltsamen Tod von George Floyd jetzt bei den Geschworenen liegt, hat Tomi Lahren, Moderatorin beim Sender Fox News, für Entrüstung gesorgt. Dabei ging es in der Gesprächsrunde gar nicht direkt um den Prozess gegen den Ex-Polizisten Derek Chauvin, sondern um die Kritik an der Politikerin Maxine Waters. Aber Lahren schwenkte ab und ließ sich dazu hinreisen, ihre Meinung zum Thema Polizeigewalt abzugeben.

„Wir sollten zu einem Kernaspekt zurückkommen, nämlich dazu, was in unserem Land jetzt gerade passiert“, erklärte die Fox-News-Moderatorin und fügte hinzu: „Die Linke will jede Schussabgabe von Polizist:innen gleich als rassistisch-motiviert darstellen. Doch es geht nicht um die Rasse, es geht um das Befolgen von Regeln“. Und weiter: „Wenn diese Verdächtigen, diese Opfer einfach den Aufforderungen der Polizei Folge geleistet hätten, dann wären sie noch am Leben und könnten zu ihren Familien nach Hause zurückkehren.“ Mit diesen Worten entrüstete sie sogar ihren Kollegen, Geraldo Rivera. Denn ihre Aussage impliziert, dass die Opfer, wie beispielsweise George Floyd, selbst Schuld an ihrem Tod hätten.

George Floyd: Geraldo Rivera bei Fox News entrüstet über eigene Kollegin

„Ich stimme ja mit dem Punkt überein, dass Menschen sich an die Aufforderungen und Regeln der Polizei halten sollen. Aber an welchem Punkt sind diese Regeln dann plötzlich für einen Mann unwichtig, der sein Knie neuneinhalb Minuten lang auf einen anderen mit Handschellen gefesselten Mann drückt?“, fragte Rivera. Das sei derart empörend, dass es das Blut von jedem Menschen zum Kochen bringen würde, fuhr er seiner Kollegin über den Mund.

George Floyd: Chauvin-Prozess vor Abschluss - Staatsanwalt spricht von „Mord“

Update vom Dienstag, 20.04.2021, 07.15 Uhr: Im Prozess um den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd liegt die Entscheidung jetzt bei den Geschworenen. Die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung des angeklagten weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin hatten am Montag (19.04.2021) vor Gericht in Minneapolis ihre Schlussplädoyers gehalten.

Die Anklage warf dem 45-Jährigen dabei Mord vor. Die Jury zog sich anschließend zu ihren Beratungen zurück; das mit großer Spannung erwartete Urteil könnte nun jederzeit fallen. Staatsanwalt Steve Schleicher hatte in seinem eindreiviertelstündigen Schlussplädoyer einen Schuldspruch gegen Chauvin in allen drei Anklagepunkten gefordert.

Staatsanwalt: „Das war keine Polizeiarbeit. Das war Mord“

„Das war keine Polizeiarbeit. Das war Mord“, sagte Schleicher. „Das waren neun Minuten und 29 Sekunden eines schockierenden Amtsmissbrauchs.“ Chauvin habe „das Polizeiabzeichen verraten und alles, wofür es stand“. Und weiter habe George Floyd „gebettelt, bis er nicht mehr sprechen konnte“, sagte Schleicher. „Er hat mit seinem allerletzten Atemzug um Hilfe gebeten, aber der Polizist hat nicht geholfen.“

Chauvins Anwalt Eric Nelson hingegen hatte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in seinem Schlussplädoyer zurückgewiesen. Der Verteidiger argumentierte unter anderem, der Angeklagte habe rechtmäßig und gemäß der Polizeiregeln Zwangsmittel eingesetzt, weil Floyd bei seiner Festnahme „aktiven Widerstand“ geleistet habe.

Philonise Floyd, Bruder von George Floyd, trägt einen Mund-Nasen-Schutz mit der Aufschrift „Justice for George“ (Gerechtigkeit für George)

George Floyd: Chauvin-Prozess vor Abschluss - Unbekannte werfen Schweinekopf

Minneapolis – Der Fall George Floyd löste in den USA zahlreiche Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt aus. Nun steht der Prozess gegen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin wegen der Tötung des Afroamerikaners kurz vor dem Abschluss. Am Gericht in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota beginnen am Montag (19.04.2021) die Abschlussplädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

George Floyd war am 25. Mai in Minneapolis bei einem brutalen Einsatz ums Leben gekommen. Videos dokumentierten, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden drückten. Derek Chauvin presste dabei sein Knie rund neun Minuten lang auf Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Der 46-Jährige verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein und starb. Die Beamten hatten Floyd wegen des Verdachts festgenommen, mit einem gefälschten 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben.

Fall George Floyd in den USA: Wer die Geschworenen sind, ist nicht bekannt

Nach den Plädoyers beraten die zwölf Mitglieder der Jury, um über Schuld oder Unschuld Derek Chauvins zu befinden. Dafür gibt es keine Zeitvorgabe – sie könnten innerhalb einer Stunde entscheiden oder nach einer Woche, wie Richter Peter Cahill erklärte. Die Geschworenen dürfen während der Beratungen nicht mehr nach Hause gehen, sondern werden in einem Hotel untergebracht. Ihre Identitäten werden aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gegeben.

Auf Video aufgenommen: Derek Chauvin bei der brutalen Festnahme George Floyds in Minneapolis.

Der schwerwiegendste Anklagepunkt gegen Derek Chauvin lautet Mord zweiten Grades ohne Vorsatz. Darauf stehen bis zu 40 Jahre Haft – nach deutschem Recht entspräche dies eher dem Totschlag. Zudem wird Chauvin auch Mord dritten Grades vorgeworfen, was mit bis zu 25 Jahren Haft bestraft werden kann. Auch muss er sich wegen Totschlags zweiten Grades verantworten, worauf zehn Jahre Haft stehen. Chauvin, der nach dem Vorfall entlassen worden war und auf Kaution frei ist, hat auf nicht schuldig plädiert.

Prozess im Fall George Floyd: Argument von Chauvin-Anwälten zurückgewiesen

Derek Chauvins Verteidiger argumentierten, dass George Floyds Tod nicht primär auf Gewalteinwirkung zurückgehe, sondern vor allem auf dessen vorbelastete Gesundheit und Rückstände von Drogen in seinem Blut. Experten der Staatsanwaltschaft wiesen diese Darstellung klar zurück. Ein Lungenspezialist etwa erklärte, Floyd sei an den Folgen von Sauerstoffmangel gestorben. Der niedrige Gehalt an Sauerstoff habe Hirnschäden verursacht und Floyds Herz zum Stillstand gebracht. Der Polizeichef von Minneapolis, Medaria Arradondo, bezeichnete Chauvins Gewaltanwendung als unverhältnismäßig und vorschriftswidrig.

Die Auswahl der Geschworenen hatte sich in diesem Fall lange hingezogen. Verteidiger:innen, Staatsanwält:innen und das Gericht befragten zweieinhalb Wochen lang dutzende Kandidat:innen, um möglichst faire und unvoreingenommene Jury-Mitglieder zu finden. Zudem wollte die Staatsanwaltschaft auch sicherstellen, dass Schwarze und andere Minderheiten ausreichend in der Jury vertreten sind.

NameGeorge Perry Floyd Jr.
Geburtstag14. Oktober 1973,  Fayetteville, North Carolina
Todestag25. Mai 2020, Minneapolis, Minnesota
Bestattet9. Juni 2020, Houston Memorial Gardens, Pearland, Texas
KinderGianna Floyd

Fall George Floyd: Unbekannte werfen Schweinekopf vor ehemaliges Haus eines Zeugen

Mehrere US-Medien meldeten derweil, dass Unbekannte einen Schweinekopf auf das einstige Haus eines ehemaligen kalifornischen Polizisten warfen, der ein Zeuge der Verteidigung für Derek Chauvin war. Der Vorfall ereignete sich am Wochenende an dem vermuteten Wohnort des Beamten Barry Brodd in Santa Rosa. Doch nach Angaben der Polizei lebt dieser gar nicht mehr dort.

„Da Herr Brodd nicht mehr in der Stadt Santa Rosa lebt, scheint das Opfer fälschlicherweise ins Visier genommen worden zu sein“, so die Behörde. Dieselben Personen sollen etwa 45 Minuten später eine Statue in einem Einkaufszentrum mit Tierblut bespritzt haben und ein Schild mit der Aufschrift „Oink Oink“ hinterlassen haben.

In den USA löst der Fall George Floyd emotionale Reaktionen aus. Deshalb findet der Prozess unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Die Erwartungen an das Verfahren sind immens. Viele, wohl auch die meisten Schwarzen, hoffen auf ein Urteil, das ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt setzen wird – und dagegen, dass Sicherheitskräfte oft straffrei davonzukommen scheinen. Sollte Derek Chauvin freigesprochen werden oder eine kurze Haftstrafe bekommen, dürfte es zu massiven Protesten kommen.

Nach der erneuten Tötung eines Afroamerikaners in den USA flammen die Proteste gegen Polizeigewalt wieder auf.

Nach Tod von George Floyd: Erneut zahlreiche Proteste in Minneapolis

Der Großraum Minneapolis wird bereits seit einer Woche erneut von vereinzelten Protesten erschüttert. Der Auslöser war ein tödlicher Schuss einer weißen Polizistin auf einen 20-jährigen Schwarzen, Daunte Wright, bei einer Verkehrskontrolle im Vorort Brooklyn Center.

Benjamin Crump, ein Bürgerrechtsanwalt, der die Familien von Floyd und Wright vertritt, sagte dem Fernsehsender ABC News: „Wir beten dafür, dass Derek Chauvin für den Mord an George Floyd strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wird.“ Diese Verurteilung könne ein Präzedenzfall in den USA sein. Es gehe darum, dass „Amerika endlich seinem Versprechen gerecht wird, Freiheit und Gerechtigkeit für alle zu erfüllen. Das heißt, für alle – Schwarze, Hispanoamerikaner, Ureinwohner – für alle“, so Crump.

Die afroamerikanische Kongressabgeordnete Maxine Waters schloss sich den Demonstrierenden in Brooklyn Center am Wochenende an und fand in einer Rede deutliche Worte. „Ich hoffe, dass wir ein Urteil bekommen, das besagt: schuldig, schuldig, schuldig. Und wenn nicht, können wir nicht weggehen“, sagte die Demokratin. „Nicht wegen Totschlags, nein“, fügte Waters hinzu. „Das war Mord.“ (Tim Vincent Dicke mit dpa, afp)

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