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Immer wieder stehen Bürger im Supermarkt vor leer gekauften Regalen.

Hamsterkäufe

„Es ist genug für alle da“

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Ministerin Klöckner will Hamsterkäufen Einhalt gebieten. Die Versorgung mit Lebensmitteln sei gesichert. Wie geht das Leben mit Corona weiter?

Keine Nudeln, kein Toilettenpapier: Immer wieder stehen Bürger im Supermarkt vor leer gekauften Regalen. Ein Anblick, der bei vielen in der Coronakrise zu Angst vor Versorgungsengpässen führt – die wiederum noch mehr Hamsterkäufe nach sich zieht. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will dem Teufelskreis des Hortens Einhalt gebieten.

Gemeinsam mit den Verbandsspitzen der deutschen Ernährungswirtschaft wiederholt die CDU-Politikerin am Dienstagnachmittag immerzu eine Botschaft: „Die Lebensmittelversorgung ist gesichert.“ Kein Grund zur Panik, so Klöckner. „Ich will klar sagen: Die Supermärkte bleiben offen.“ Wer Gegenteiliges behaupte, verbreite Falschmeldungen.

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, berichtet von Kunden, die mit kleinen Lkw und Anhängern Einkäufe vorgenommen hätten – logisch sei das nicht. Hamsterkäufe stellten den Handel vor logistische Probleme. Klöckner warnt: „Sie sind nicht nur unnötig, sie schaden auch.“

Zum einen sei Deutschland mit heimischen Lebensmitteln wie Kartoffeln, Getreide, Käse oder Schweinefleisch gut versorgt, zum anderen gehe es bei Beschränkungen im Grenzverkehr nicht um Warentransporte.

Unter Verweis auf „weitgehend intakte“ Lieferketten wischt Klöckner Zweifel an einer ausreichenden Versorgung mit Lebensmitteln beiseite. Ein Problem aber sieht sie an anderer Stelle. Die wegen der Corona-Epidemie verhängten Reisebeschränkungen führen zu einem Mangel an Saisonarbeitskräften in der Landwirtschaft bei der demnächst fälligen Ernte. „Das betrifft nicht nur den Spargel und Erdbeeren, sondern auch den Gemüseanbau. Pflanzarbeit muss jetzt gemacht werden“, sagt die Ministerin.

Kellner zu Kassierern

Deutschland sei zwischen April und Ende Oktober auf 286000 meist osteuropäische Saisonarbeitskräfte angewiesen. Klöckner plädiert für unkonventionelle Lösungen, um den Bedarf an Arbeitskräften zu decken. So könnten Beschäftigte von Cateringbetrieben, die zurzeit stillgelegt sind, in der Landwirtschaft tätig werden.

Leere Regale schüren bei manchen Ängste – und lösen neue Hamsterkäufe aus. Ein Teufelskreis.

Und auch in den Supermärkten zeichne sich Bedarf ab. Geht es nach Klöckner, könnten aus Kellnern bald Kassierer werden. Die CDU-Politikerin fordert flexible arbeitsrechtliche Lösungen, damit Beschäftigte aus Branchen, in denen die Arbeit derzeit ruht, im Einzelhandel Geld verdienen könnten.

Zudem betont Klöckner, dass die gesamte Ernährungsbranche von der Landwirtschaft bis zu den Kassierern im Supermarkt systemrelevant sei und zur sensiblen oder kritischen Infrastruktur gezählt werden müsse, um alle Lieferketten aufrechtzuerhalten. Daraus leitet die Ministerin die Forderung ab, dass auch die Kinder dieser Beschäftigten in Schulen und Kitas in die Notbetreuung aufgenommen werden müssten.

Und warum horten die Deutschen ausgerechnet Pasta und Toilettenpapier? Klöckner sieht sich vor ein Rätsel gestellt. „Jedes Land hat seine kulturspezifischen Hortungseigenheiten“, sagt die CDU-Politikerin. Sie vermutet: „Pasta hält sich. Und beim Toilettenpapier – ja – braucht man halt.“

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, berichtet davon, dass es in Frankreich zu Engpässen beim Rotwein komme. „Sympathisch“, sagt Klöckner, die aus einer Winzerfamilie stammt.

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