Frank Ludwig war einst in der SED. Er will für die CDU Oberbürgermeister in Pirna werden.
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Frank Ludwig war einst in der SED. Er will für die CDU Oberbürgermeister in Pirna werden.

Rote Socken ade

Die Genossen von der Union

  • Bernhard Honnigfort
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Auch in der CDU machen ehemalige SED-Mitglieder Karriere: Wenn in der sächsischen Schweiz gewählt wird, treten alte und neue Linke gegen einander an. Von Bernhard Honnigfort

Am Sonntag wählen die Bürger von Pirna, Sächsische Schweiz, einen neuen Oberbürgermeister. Der alte, Christdemokrat Markus Ulbig, war vor kurzem Innenminister von Sachsen geworden. Fünf Kandidaten treten in der hübschen 40.000-Einwohner-Stadt gegeneinander an: ein Christdemokrat, ein Linker, ein Grüner, zwei Unabhängige.

Tatsächlich tritt ein alter gegen einen neuen Linken an: CDU-Kandidat Frank Ludwig, ein ausgebildeter Lehrer, Jahrgang 1969, war nämlich mehrere Jahre SED-Mitglied. Er trat im Dezember 1989 aus und später in die CDU ein.

Es gab Zeiten, da hätte die Union Gift und Galle gespuckt, wäre ein ähnlicher Fall in der SPD passiert. Als Eva-Maria Stange, einst SED-Mitglied und Gewerkschafterin, 2006 Wissenschaftsministerin in der damaligen schwarz-roten Koalition in Sachsen wurde, wedelte die CDU trotz Regierungsbeteiligung sofort mit der roten Socke. "Wenn sich die Chance bietet, sind sie mit der PDS im Bett, wer dann dort links schläft, ist doch egal", schimpfte Sachsens CDU-Ministerpräsident Stanislaw Tillich.

Die Wahrheit hinter den platten Parolen: Auch die CDU lässt ehemalige SED-Mitglieder in den eigenen Reihen aufsteigen. Auch die CDU bändelt hier und dort mit den Linken an. Aber sie vermeidet tunlichst jedes Aufsehen.

In Mecklenburg-Vorpommern wählte der CDU-Kreisverband Neubrandenburg kürzlich Frank Benischke zum neuen Vorsitzenden. Der 45-jährige Geschäftsführer einer Wohnungsbaugesellschaft war SED-Mitglied und Politoffizier bei der NVA gewesen. Als das öffentlich wurde, gab es sogar einen mittleren Krach in der CDU: "Nicht akzeptabel", meinte der Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg. "Dammbruch", schimpften andere. Aber Benischke blieb.

Tatsächlich nahm die nordostdeutsche CDU von Anfang an Ex-SED-Leute auf. Bekanntes Beispiel: der Bürgermeister von Stavenhagen im Kreis Demmin. Der, 15 Jahre Mitglied in der SED und schon vor der Wende Bürgermeister, machte einfach jahrelang am selben Schreibtisch weiter - nur mit CDU-Parteibuch.

Als im brandenburgischen Cottbus 2006 ein Oberbürgermeister gewählt wurde, gab es einen gemeinsamen Kandidaten von CDU, Linkspartei und Frauenliste, der allerdings gegen den SPD-Mann Frank Szymanski verlor. In Dresden verkauften Linke mit CDU und FDP die städtische Wohnungsbaugesellschaft an einen US-Pensionsfonds.

Die Tage der Rote-Socken-Kampagnen sind also überholt. Im Osten regiert längst Pragmatismus. Auch, weil alle Parteien unter Mitgliederschwund leiden. Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Landeschef Lorenz Caffier verteidigt den umstrittenen Kreischef Benischke: "Wichtig ist doch, was ein Mensch heute macht, wofür er heute eintritt."

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