„Genocide Joe“-Gesänge bei wirrer Wahlkampfrede: Trump stimmt zu
Bei einer Wahlkampfrede skandieren Trump-Unterstützer „Genocide Joe“. Der Ex-Präsident stimmt – gegen seine bisherige Position – der Israel-Kritik zu.
Schnecksville – Während einer Wahlkampfrede von Donald Trump in Schnecksville, Pennsylvania, skandierten einige Zuhörer spontan „Genocide Joe“ und Trump stimmte zu. Das bedeutet so viel wie „Völkermord-Joe“ und richtet sich gegen Joe Biden. Trump schien zuerst nicht zu wissen, wie er reagieren sollte, denn er unterbrach sich mitten im Satz, trat einen Schritt neben sein Mikrofon und kommentierte leise: „Sie haben nicht Unrecht, sie haben nicht Unrecht.“ Dann drehte er sich zu seinen singenden Unterstützern um, ihm brandete Jubel entgegen und schließlich sagte Trump noch einmal direkt ins Mikrofon: „Sie haben nicht Unrecht, sie haben nicht Unrecht. Er hat alles falsch gemacht.“
Damit griffen die Fans des Ex-Präsidenten einen Slogan auf, den man in den USA in den vergangenen Monaten häufiger von pro-palästinensischen Demonstranten hörte und der sich eigentlich auf den Gaza-Krieg bezieht. Das Pikante: Trumps Wahlkampf-Rede in Schnecksville fand wenige Stunden nach Irans Großangriff auf Israel statt und implizit schwingt in der Verunglimpfung Bidens auch schwere Kritik an der israelischen Kriegführung in Gaza mit. Die Voraussetzung dafür, Biden als „Genocide Joe“ zu diffamieren, ist nämlich, Israel des Völkermords in Gaza zu bezichtigen.
„Genocide Joe“: Trump stimmt nicht nur Biden-, sondern auch Israel-Kritik zu
Donald Trump hatte sich bisher stets als Unterstützer Israels gegeben. Auch seine republikanische Partei ist – anders als im Hinblick auf Hilfen für die Ukraine in ihrem Verteidigungskrieg gegen Russland – weitgehend darüber einig, dass Israel mit Waffen und Geld unterstützt werden muss. Machte sich Trump die israelkritische Position nun zu eigen, könnte ihn das viel Sympathie im konservativen Lager kosten.
Was die kommende US-Präsidentschaftswahl angeht, musste in diesem Zusammenhang bisher vor allem Biden bangen: Die beiden sich überlappenden Gruppen von muslimischen und arabischstämmigen US-Amerikanern neigten stets den Demokraten zu. Nun schlägt dem Präsidenten der nicht abflauende Protest von Angehörigen dieser Gruppen, aber auch anderer junger und liberal eingestellter Wähler entgegen. Bidens Reden und die seiner Vizepräsidentin Kamala Harris wurden schon mehrfach von „Genocide Joe“ oder „Free Palestine“-Rufen aus der Zuhörerschaft unterbrochen.
Arabischsstämmige US-Amerikaner sind unzufrieden mit Bidens Gaza-Politik
Im Swing-State Michigan lebt laut ABC News die größte arabischstämmige Minderheit der USA. Dort könnte sich der Gaza-Krieg bereits auf die demokratischen Vorwahlen ausgewirkt haben: Die Washington Post berichtete, dass der demokratische Kongressabgeordnete Ro Khanna sagte, 75 Prozent der demokratisch gesinnten arabischstämmigen Einwohner des Bundesstaates hätten „uncommitted“ für ihre Partei gestimmt. Das bedeutet, dass sie zwar die Partei, aber nicht explizit den Kandidaten Joe Biden unterstützten. Khanna wertet das als Kritk an der Nahost-Politik des Präsidenten.

Betrachtet man das Publikum bei Trumps Rede in Schnecksville, so bemerkt man, dass viele Zuhörer angesichts des „Genocide Joe“-Gesangs verwirrt wirkten. Als Besucher von Wahlkampfveranstaltungen des Ex-Präsidenten dürften sie verschiedenste Sprechchöre gewohnt sein – allen voran „Stop the Steal“ mit Bezug zur vermeintlich gestohlenen Wahl von 2020. Diesmal stimmte der Großteil jedoch nicht mit ein. Stattdessen scheint nur eine kleine Gruppe, im Video unmittelbar rechts neben Trump, gesungen zu haben.
Meine news
Das ändert jedoch nichts daran, dass Trump der transportierten Botschaft zustimmte. Weniger weitreichend, doch ebenso unüberlegt war der Rest seiner Rede: Die blutigste Schlacht des amerikanischen Bürgerkriegs mit über 40.000 Toten nannte er „schön“. „Gettysburg, was für eine unglaubliche Schlacht“, so Trump. „Es war so viel und so interessant und so brutal und so schrecklich und so schön auf so viele verschiedene Arten – es verkörperte so einen großen Teil des Erfolgs unseres Landes“, fuhr er fort.