Großer Zuspruch: Mützenich (r.) ist in der SPD-Fraktion im Bundestag allseits beliebt.

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Generation Rolf

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Rolf Mützenich bleibt Chef der SPD-Bundestagsfraktion. Was hat der Mann, was andere nicht haben?

Alle mögen „Mütze“: Schon vor der Wahl des neuen Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion hatte sich die große Unterstützung für Rolf Mützenich angedeutet. Seit Dienstagnachmittag ist sie offiziell. 97,7 Prozent der SPD-Abgeordneten im Deutschen Bundestag haben Rolf Mützenich zum neuen Chef ihrer Bundestagsfraktion gewählt. Ein Traumergebnis für den Mann, zu dessen großen Stärken viele die Bescheidenheit zählen.

Seit dem Rücktritt von Andrea Nahles im Juni hat der Kölner die SPD-Fraktion kommissarisch geführt. Die Wahl war auf Mützenich gefallen, weil er der dienstälteste Stellvertreter von Nahles gewesen war. Weil er bei ihrem Sturz keine aktive Rolle gespielt hatte. Und weil der 60-Jährige keinerlei Ambitionen gezeigt hatte, die Bundestags-SPD dauerhaft zu führen.

Ein perfekter Mann für den Übergang also – eigentlich. Doch in den dreieinhalb Monaten, in denen Mützenich an der Fraktionsspitze steht, ist unter den SPD-Abgeordneten eine regelrechte „Mütze-Manie“ ausgebrochen. Egal ob jung oder alt, links oder rechts – alle sind voll des Lobes über den Mann aus Köln.

Lob von Linken und Seeheimern

„Rolf Mützenich ist sich immer treu geblieben, absolut glaubwürdig und kollegial“, sagte der Chef der Parlamentarischen Linken in der SPD-Bundestagsfraktion, Matthias Miersch. „Er setzt auf Inhalt statt auf Effekthascherei.“ Auch aus dem konservativen Seeheimer Kreis kommt Lob. Seeheimer-Sprecher Dirk Wiese sagte: „Rolf Mützenich ist ein sehr geschätzter Kollege. Er hat stets ein offenes Ohr, hört zu, und ich persönlich schätze seine ruhige, sachliche, aber klare Herangehensweise sehr.“

Die Bielefelder Abgeordnete Wiebke Esdar sagte, man merke Mützenich an, dass er in sich ruhe. „Umso stärker wirkt dann, wenn er klar Position bezieht und Grenzen setzt. Das wird auch der Koalitionspartner zu spüren bekommen.“ Und selbst von Achim Post, der auch mit dem Fraktionsvorsitz geliebäugelt hatte, kommt Rückenwind. „Ich kenne und schätze Rolf Mützenich seit mehr als 30 Jahren. Seitdem ist er in jeder Funktion immer der alte geblieben: bescheiden und freundlich, aber auch kompetent und zielorientiert“, sagte der Chef der NRW-Landesgruppe. Mützenich sei „genau der richtige Vorsitzende zur richtigen Zeit“, so Post weiter. „Für mich ist er nicht nur ein guter Freund, sondern ein Politiker mit großer Integrationskraft.“

Anerkennung für Führungsstil

Es ist vor allem sein Führungsstil, mit dem sich Mützenich viel Anerkennung erworben hat. Als ruhig, sachlich, freundlich und verbindlich beschreiben SPD-Abgeordnete ihren neuen Chef. Einer, der immer „Bitte“ und „Danke“ sage und nie etwas vergesse. Auch deshalb wollten viele, dass Mützenich dauerhaft weitermacht. Am Ende gab er dem Drängen nach. Fürs Erste hat sich die Entscheidung für ihn gelohnt, denn den vielen guten Worten ließen die Abgeordneten an der Wahlurne Taten folgen. 129 stimmten mit Ja, zwei mit Nein, ein Parlamentarier enthielt sich. Mützenich nahm das Ergebnis mit einer für ihn fast schon typischen Geste zur Kenntnis – er hob entschuldigend die Hände.

Er ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass ein derart gutes Wahlergebnis immer auch eine Bürde ist. Martin Schulz, der als SPD-Vorsitzender mit 100 Prozent gewählt worden war und nur Monate später kläglich gescheitert ist, kann ein Lied davon singen. Die 100 Prozent immerhin blieben Mützenich erspart. Er trägt auch nicht die Last des besten Wahlergebnisses aller Zeiten. Auch Kurt Schumacher war 1949 mit 100 Prozent gewählt worden, dessen Nachfolger Erich Ollenhauer kam auf 98 Prozent. So gesehen hat „Mütze“ noch Luft nach oben. Ein bisschen.

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