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Gendergerechtes und nazifreies Buchstabieren: Aus Friedrich wird Frankfurt

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Von: Katja Thorwarth

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Frankfurt löst zukünftig Friedrich beim Buchstabieren ab
Frankfurt löst zukünftig Friedrich beim Buchstabieren ab. (Archivfoto) © Jan Huebner/Imago Images

Manchmal muss dem Verständnis halber buchstabiert werden. Die Vorlage dafür war bislang nicht gendergerecht und zudem von Nazis beeinflusst. Das ändert sich.

Berlin/Frankfurt – „Können Sie Ihren Namen bitte buchstabieren?“ „Klar: Theodor, Heinrich, Otto, Richard, Wilhelm, Anton, Richard, Theodor, Heinrich.“ „Und den Vornamen?“ Kein Ding: „Kaufmann, Anton, Theodor, Julius, Anton.“ Sie sehen, liebe Leserinnen, buchstabieren war bislang sprachlich rein patriarchats- weil an Männernamen orientiert. Genau das soll sich nun ändern.

Nach intensiven Beratungen, wie es heißt, hat das Deutsche Institut für Normung (DIN) Männernamen als Buchstabiernorm abgeschafft. Statt Namen sollen es künftig Städtenamen sein, auf die zurückgegriffen wird. Aus Berta wird künftig Berlin, wobei an dieser Stelle zu erwähnen ist, dass bislang fünf Frauennamen (Berta, Dora, Ida, Martha, Paula) inklusive die Gattin des Sokrates Xanthippe als Buchstabierhilfe zur Verfügung standen.

Demgegenüber stehen Anton, Cäsar (Grenzfall), Emil, Friedrich, Gustav, Heinrich, Julius, Kaufmann (Grenzfall), Otto, Ökonom (Grenzfall), Richard, Samuel, Theodor, Ulrich, Übermut, Viktor, Wilhelm, Zacharias.

Buchstabieren: Berta wird Berlin – aus Friedrich Frankfurt

Jetzt wird mit Städten Sprache expliziert. Wie die dpa meldet, hat es Stuttgart anstelle von Samuel nicht geschafft, auch Augsburg wird nicht das neue Anton. Bremen (Berta) ist als einziges Bundesland nicht dabei, Berta wird halt Berlin. Von A wie Aachen bis Z wie Zwickau heißt es also ab nun auf der neuen Buchstabiertafel. Und was wird aus Friedrich? Eigenlogisch Frankfurt.

Die ungleiche Namensverteilung entsprach aus Sicht des Instituts „nicht der heutigen Lebensrealität“. Gleichzeitig schien es auch nicht möglich, alle relevanten ethnischen und religiösen Gruppen zudem geschlechtergerecht ausgewogen darzustellen. Städtenamen sollen ein Kompromiss sein. „Städtenamen sind sehr eingängig und, anders als Vornamen, nicht der Mode unterworfen“, heißt es beim DIN-Team. Junge Menschen etwa oder eine zunehmend migrantisch geprägte Gesellschaft können mit K wie Köln vielleicht eher etwas anfangen als mit dem bisherigen K wie Konrad bzw. Kaufmann. Richtig einig war man sich diesbezüglich nicht.

N wie Nordpol: Nazis prägten den Nordpol, der als Herkunftsort der „Arier“ gegolten hat

Allerdings wird auch das alte N wie Nathan nicht reaktiviert, das die Nationalsozialisten als jüdischen Vornamen durch Nordpol ersetzt hatten. Der Nordpol hingegen soll als Herkunftsort der „Arier“ gegolten haben. Für den Buchstaben N steht künftig Nürnberg. Das Institut hatte aber im Lauf der Diskussion angekündigt, symbolisch zusätzlich eine weitere Tafel zu veröffentlichen, die auf die Weimarer Republik zurückgeht und jüdische Vornamen enthält.

Anstoß für die Neugestaltung der Buchstabiertafel war unter anderem auch ein Hinweis des baden-württembergischen Antisemitismusbeauftragten Michael Blume. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden alle jüdischen Namen in der Tafel ersetzt.

Heinrich anstatt Hamburg: Entwarnung an dieser Stelle

Entwarnung für alle, die weiterhin Heinrich anstatt Hamburg zum Buchstabieren verwenden wollen: Das steht nicht unter Strafe. Die Anwendung von Norm und Buchstabiertafel ist freiwillig und vor allem für Wirtschaft und Verwaltung gedacht. International wird ohnehin anders buchstabiert, basierend auf dem Englischen.

Übrigens macht das DIN-Team beim Y eine Ausnahme und greift weiter auf das Ypsilon zurück. Möglich gewesen wären Yach oder Yorckgebiet gewesen, allerdings hätten das kleine Dorf im Schwarzwald oder der Stadtteil von Chemnitz möglicherweise für andere Irritationen gesorgt. (Katja Thorwarth)

Unsere Sprache ändert sich, wie Gendern leichter wird, erklärt unsere Autorin.

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