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Fand Äußerungen seiner Chefin im Wahlkampf wenig hilfreich: Spitzenkandidat Ingo Senftleben (li.) mit Annegret Kramp-Karrenbauer.

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Gemischte Gefühle im Adenauer-Haus

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    Rasmus Buchsteiner
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Der CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer haben die Landtagswahlen kaum mehr als eine Atempause beschert.

Plötzlich herrscht Stille. In der Berliner CDU-Parteizentrale, dem Konrad-Adenauer-Haus, klatschen nur einige wenige Anhänger um kurz nach 18 Uhr, als die ersten Prognosen aus Sachsen und Brandenburg auf der großen Leinwand zu sehen sind. Es dauert nur ein paar Sekunden, da ist der Beifall auch schon wieder verhallt. Da ist niemand, der sich an diesem Abend anstecken lassen würde. Kein Überschwang, nirgends.

Bei Quarkkeulchen und Meißener Grauburgunder, Spreewaldgurken und Pellkartoffeln hatten sie hier auf die ersten Zahlen gewartet – in einer Mischung von Hoffen und Bangen.

Dann schaut es so aus, als sei es noch mal gut gegangen. Jedenfalls aus Sicht derer, die den Machtverlust in Dresden gefürchtet und nicht unbedingt auf einen CDU-Erfolg in Brandenburg gesetzt hatten. Der von den Christdemokraten befürchtete Wahl-Super-Gau ist ausgeblieben. Das schwache Abschneiden in Brandenburg schmerzt die CDU-Granden in Berlin allerdings, auch wenn sie nicht gerne darüber reden.

Es sei „ein Abend der gemischten Gefühle“, sagt der CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak bei einem kurzen Statement vor den Kameras. „Wir empfinden Freude. Wir empfinden aber auch Enttäuschung.“ Die Freude bezieht sich auf Ministerpräsident Michael Kretschmer und dessen Abschneiden in Sachsen. Die Enttäuschung gilt der Brandenburg-CDU, die sich in einem polarisierten Wahlkampf zwischen SPD und AfD nicht ausreichend Gehör habe verschaffen können.

Es wirkt, als wolle man in der CDU nach diesem Abend möglichst schnell wieder zur Tagesordnung übergehen. Man gibt sich geschäftsmäßig. Generalsekretär Ziemiak versucht, den Blick nach vorne zu richten. Er verweist bereits auf die anstehenden Entscheidungen in der GroKo zum Klimaschutz und auf den nächsten Wahlsonntag, im Oktober in Thüringen.

Keine Feierstimmung in der CDU-Parteizentrale

Dass keine Feierstimmung in der Parteizentrale aufkommt, liegt wahrscheinlich an den vergangenen Wochen und Monaten. An diesem Wahlabend wird auch die Frage gestellt, was das alles für Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer bedeutet.

Zwei Tage vor dem Wahltag war sie nochmal nach Sachsen gereist und hatte Michael Kretschmer gelobt. In Brandenburg beteuerte sie einen Tag vor der Wahl, sie verspüre Wechselstimmung – und irrte.

Neun Monate ist sie nun Parteichefin, knapp hat sie den Posten errungen. Die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg waren auch für sie ein Testfall: eine Möglichkeit zur Stabilisierung oder eine jähe Bremse des steilen bundespolitischen Aufstiegs der ehemaligen saarländischen Ministerpräsidentin. Holprig, voller Missgeschicke, Fehler und Unbedachtheiten, sind Kramp-Karrenbauers erste Monate als CDU-Chefin schließlich gewesen. Die Frage der Kanzlerkandidatur – eigentlich eng geknüpft an den Job des Parteichefs – galt damit als immer weniger entschieden.

„Die CDU ist noch nicht stabil“, heißt es in der Partei. Der Machtkampf ist durch die Entscheidung um den Parteivorsitz noch nicht entschieden: Konkurrent Friedrich Merz hat seine öffentliche Präsenz erhöht. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn hält sich bereit. Aus den Unterstützerriegen wird gegen die Chefin gestichelt.

Kramp-Karrenbauer tat ihr eigenes zum Verdruss dazu. Mit missverständlichen Äußerungen in einem Interview setzte sie eine Debatte über Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen auf die Tagesordnung. Der hatte in den Wahlkämpfen bei einigen Auftritten bei CDU-Kandidaten Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit der Regierungspolitik erhoben. Die Landesverbände hatten sich bemüht, die Auftritte zu ignorieren. Nachdem Kramp-Karrenbauer sich geäußert hatte, war dies nicht mehr möglich. Erst versuchte die Parteizentrale, ihre Äußerungen geradezurücken, dann positionierten sich Kretschmer und der brandenburgische Spitzenkandidat Ingo Senftleben. „Absolut ungut“ sei die Debatte gewesen, sagt ein führender CDU-Mann. „Das hat uns weggeführt von der Sachpolitik.“

Die Entscheidung über eine Kanzlerkandidatur kann schnell kommen, sollte die Koalition in Berlin schon vorzeitig enden. Dies könnte davon abhängen, welches Duo die SPD im Verlauf der nächsten Monate zu ihren neuen Vorsitzenden krönt. Für die Personalentscheidungen in der CDU ist dann vor allem ein Eindruck entscheidend: Kann ein Interessent Wahlen gewinnen?

Kramp-Karrenbauer hat damit bei ihrer Bewerbung um den CDU-Vorsitz geworben. Kramp-Karrenbauers Konkurrenten Merz und Spahn können keinem Landtagswahlsieg für sich beanspruchen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet gilt in der CDU als Profiteur der saarländischen Vorlage.

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