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Im Widerstand gegen das Militärregime kommen lange entzweite ethnische Gruppen zusammen.
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Im Widerstand gegen das Militärregime kommen lange entzweite ethnische Gruppen zusammen.

Myanmar

Gemeinsamer Feind: Geeint gegen das Militär

  • VonFelix Lill
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Im zerrissenen Vielvölkerstaat zeigen die Menschen zunehmend Nationalgefühl und Solidarität. Denn die Unterdrückung durch die Junta verbindet sie zunehmend.

Sorry for our ignorance“ stand auf den Pappschildern, die Demonstrant:innen im Herbst durch das Land trugen: „Unsere Ignoranz tut uns leid.“ Der Spruch war nicht nur auf einheimischen Sprachen zu sehen, sondern auch auf Englisch, bestimmt für die Weltöffentlichkeit. Auch die sollte offenbar wissen, dass Myanmar nicht mehr das geteilte und zerstrittene Land sei, das es über Generationen hinweg gewesen ist. Jetzt, wo die große Mehrheit der 54 Millionen Einwohner:innen einen gemeinsamen Feind hat.

Seit sich am 1. Februar 2021 das Militär an die Macht putschte, ist Myanmar in Wut, Hass und Konflikt versunken. Das Wahlergebnis vom Herbst zuvor, in dem die Demokratieikone Aung Sang Suu Kyi eine überwältigende Mehrheit gewonnen hatte, wollte das Militär nicht anerkennen. Seither haben sich in diversen Ecken des geografisch und ethnisch vielfältigen Landes Proteste und Kämpfe ausgebreitet. Tausende Menschen in diversen Regionen sind verhaftet worden, mehr als 1300 gestorben. Die vorige Staatsrätin Aung Sang Suu Kyi ist zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, unterdessen haben sich auch demokratisch gesinnte Gruppen längst bewaffnet.

Verflgte Rohingya: Mehrheit bittet um Vergebung

Aber in all dem Chaos zeigt sich auch Fruchtbares für Zusammenhalt. Ein Beispiel ist der gemeinsame Kampf diverser Bewegungen gegen das Militär. Ein anderes ist der Umzug im Herbst, als Pappschilder um Vergebung fürs vorige Wegsehen baten. Hochgehalten hatten sie Angehörige der ethnischen Mehrheitsgruppe der Bamar, die maßgeblich die Städte prägen. Und sie galten insbesondere den Rohingya, die über die Jahre vor dem Militärputsch durch das auch damals mächtige Militär vertrieben und ermordet wurden. Rund eine Million mussten das Land vor allem ins benachbarte Bangladesch verlassen. International wurde Myanmars Regierung Völkermord vorgeworfen, im Land selbst schauten diejenigen, die nicht betroffen waren, eher weg.

Seit Jahrhunderten kann Myanmar kaum als eine einzige, zusammenhaltende Nation gesehen werden. Als Großbritannien das Land ab 1824 kolonisierte, wurden verschiedene Gruppen gegeneinander ausgespielt. Mit der Unabhängigkeit 1948 wurde die Lage nicht unbedingt entspannter. Das Militär etablierte einen buddhistisch fundierten Nationalismus, der die zehn Prozent der Bevölkerung mit anderen Glaubensrichtungen marginalisierte. Als ab 1962 eine rund 50 Jahre währende Militärdiktatur begann, war der Boden für wiederkehrende Konflikte gesät.

Militär gab Fäden nie aus der Hand

Und diese Saat war auch dann noch zu spüren, als sich Myanmar im vergangenen Jahrzehnt zu demokratisieren begann. So wird die kürzlich in einem fragwürdigen Prozess verurteilte Identifikationsfigur des Widerstands, Aung Sang Suu Kyi, auch längst nicht in allen Landesteilen so vergöttert wie in den urbanen Zentren. Als Suu Kyi bis Anfang 2021 das Land regierte, tat sie zumindest öffentlich wenig dagegen, wie das Militär die Rohingya vertrieb, vergewaltigte und ermordete.

Im Licht des Militärputsches werden solche Fragen nun neu gestellt. Denn indem Suu Kyi und ihre Regierung an einem Februarmorgen schlicht aus ihren Ämtern geschubst wurden, offenbart sich auch, dass das Militär selbst mit der Demokratisierung die Fäden nie aus der Hand gegeben hatte. Ein Vetorecht war ihm ohnehin zugesichert. Verständnis hierfür könnte langfristig auch das Bild der in einigen Regionen zwiespältig bis zynisch betrachteten Suu Kyi verbessern.

Facebook wird vorgeworfen, Hass gegen Rohingya geschürt zu haben

Und weitere Vorgänge könnten für Einigung sorgen. Anfang Dezember etwa verklagte eine Gruppe von Juristen, die Rohingya in Großbritannien sowie Bangladesch vertreten, die in Myanmar auch als Onlinenachrichtenquelle dominante Plattform Facebook auf 150 Milliarden Pfund Entschädigung. Der Vorwurf ist, Facebook habe mit dem Ziel, seine Profite zu erhöhen, durch seine Algorithmen maßgeblich vom Militär angetriebene Hassbotschaften befördert, was die Vertreibung und Ermordung der Rohingya begünstigt habe. Wird Facebook für schuldig befunden, wäre es nicht nur ein Sieg für die gepeinigten Rohingya. Für das Wegsehen könnte die Mehrheitsbevölkerung in ihrer Verteidigung zumindest teilweise auf den US-Konzern Facebook verweisen.

Einem gemeinsamen Kampf gegen das weiterhin brutale Militär und für eine demokratisch geführte Regierung, die auch die Diversität im Land schützt, könnte dies nützen.

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