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Janet Yellen unterstützt den bisherigen Kurs der Fed, die Konjunktur mit billigem Geld anzukurbeln.

US-Notenbank Yellen

Geldpolitische Taube

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US-Präsident Barack Obama hat die Ökonomin Janet Yellen als neue Chefin der US-Notenbank nominiert. Die bisherige Vize-Chefin der Fed soll im Januar 2014 die Nachfolge von Ben Bernanke antreten.

US-Präsident Barack Obama hat die Ökonomin Janet Yellen als neue Chefin der US-Notenbank nominiert. Die bisherige Vize-Chefin der Fed soll im Januar 2014 die Nachfolge von Ben Bernanke antreten.

Die zierliche Frau mit dem weißen Haupthaar wird meist über den grünen Klee gelobt. Ehrfurchtsvoll nennt man sie die „kleine Lady mit dem großen IQ“. Ein Nobelpreisträger nach dem anderen hat ihre Beförderung gefordert. Joseph Stiglitz sagte, nie habe er eine bessere Studentin gehabt. Paul Krugman erklärte kategorisch, dass niemand so wie sie für den Chefposten der US-Notenbank Federal Reserve geeignet sei. Nun kommt es auch so. US-Präsident Barack Obama nominierte Janet Yellen am Mittwoch offiziell für den Spitzenjob. Von Februar 2014 an wird damit erstmals eine Frau die Federal Reserve (Fed) führen. Ihr Wort wird großen Einfluss auf die Weltwirtschaft haben.

Yellens Nominierung hat bloß einen kleinen Makel, der aber bald verblassen dürfte. Sie ist nur zweite Wahl. Obama wollte eigentlich seinen früheren Wirtschaftsberater Lawrence Summers als Nachfolger von Ben Bernanke, der nach acht Jahren die Leitung der Fed abgeben wird.

Doch Summers stieß auf erheblichen Widerstand einflussreicher demokratischer Senatoren. Sie warfen ihm vor, mit seinen Vorschlägen zur Deregulierung der Finanzmärkte zur Finanzkrise beigetragen zu haben, die vor fünf Jahren mit dem Zusammenbruch des Investmenthauses Lehman Brothers begann. Summers nahm sich selbst aus dem Rennen und machte damit den Weg frei für die erste Frau an der Fed-Spitze. Yellen muss zwar vom US-Senat bestätigt werden, aber das dürfte Formsache sein.

Anders als Summers gilt die Wirtschaftswissenschaftlerin, geboren 1946 im New Yorker Stadtteil Brooklyn, als Verfechterin der Politik des billigen Geldes. Sie gibt damit dem Kampf gegen Arbeitslosigkeit den Vorzug gegenüber niedriger Inflation. Wie Bernanke, als dessen Vize sie seit 2010 arbeitet, glaubt Yellen an die Theorie, dass der Staat eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung von Wirtschaftskrisen spielt – indem er Zinsen niedrig hält und Anleihen kauft. Yellen hat das vom Nobelpreisträger James Tobin, bei dem sie einst studierte. „Da war etwas in seinem stark ausgeprägten Sinn für Moral und soziale Verantwortung, das mich sehr beeindruckt hat“, sagte sie mal.

Seit Beginn der Krise im Herbst 2008 hat die Fed die Tobin-Theorie praktiziert, indem sie die Märkte mit billigem Geld überschwemmt. Der US-Leitzins liegt seit einigen Jahren bei knapp über null Prozent. Derzeit pumpt die Fed mit dem Kauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren Monat um Monat 85 Milliarden in die Wirtschaft.

Nicht starr der reinen Lehre verpflichtet

Yellen gilt zwar als „geldpolitische Taube“. Sie ist jedoch nicht starr der reinen Lehre verpflichtet. Als Vizepräsidentin der Fed trug sie die Entscheidung ihres Chefs Bernanke mit, die Politik der gewaltigen Anleihekäufe schrittweise zu verändern, weil sich die Wirtschaft in den USA nach und nach erholt.

Wenn der Stufenplan nicht mehr dieses Jahr kommt, muss ihn Yellen nach ihrem Amtsantritt einführen. Sie stünde vor der Herausforderung, den Ausstieg aus der Staatsförderung zu schaffen, ohne die Finanzmärkte zu verunsichern. Eine komplexe Aufgabe, die angesichts des aktuellen US-Parteienstreits um die Staatsfinanzen nicht einfacher wird.

Kenner sagen, wenn Yellen das nicht schaffe, werde es niemand schaffen. Sie loben ihre Fähigkeit, Marktentwicklungen vorherzusehen. Anders als viele Zentralbanker habe sie früh vor der US-Wirtschaftskrise gewarnt. Derart beeindruckt drängten dann auch mehr als 300 US-Ökonomen Obama, sie zu nominieren. Sie sei die „bestmögliche Führungskraft“ in schwierigen Zeiten, meinten sie.

Obama erhörte die Ökonomen, nominierte ihre Favoritin und hat offenbar schon selbst auch Vorzüge Yellens erkannt: Sie habe ein Ohr für andere Meinungen und verstehe es, Konsens zu schaffen, sagte er bei der Nominierung.

Und in der Tat: Ihr Lebenslauf ist beeindruckend. 1971 erwarb sie ihren Doktortitel an der Elite-Uni Yale. In den 90er Jahren beriet sie Präsident Bill Clinton. 2004 wurde sie Chefin der kalifornischen Notenbank, 2010 Vizepräsidentin der Fed.

Janet Yellen spricht nicht viel über sich. Das erledigen andere. Zum Beispiel ihr Ehemann. Als George Akerlof 2001 den Wirtschafts-Nobelpreis erhielt, erzählte er die Geschichte, wie er 1977 in der Caféteria der US-Notenbank eine junge Frau traf und sich in sie verliebte. „Nicht nur unsere Persönlichkeiten passten perfekt“, sagte er. Auch in makroökonomischen Angelegenheit seien sie sich einig gewesen. Beide forschten über die Folgen von Wirtschaftskrisen für den Arbeitsmarkt. Anders als ihr Mann muss Yellen nun beweisen, dass ihre Theorien funktionieren.

Nach ihrer Nominierung versicherte Yellen denn auch, dass sie alles zur Schaffung von Arbeitsplätzen, für stabile Preise und für ein robustes Finanzsystem tun wolle. Die Fed müsse allen Bürgern dienen. Zu viele Menschen in den USA könnten keinen Job finden. (mit rtr)

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