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In Perus Hauptstadt Lima haben Zehntausende Menschen gegen die Kandidatur von Keiko Fujimori, Tochter des autoritaeren Ex-Praesidenten Alberto Fujimori (1990-2000), protestiert.

Peru

Geldgeschenke schaden Keiko Fujimori nicht

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Obwohl bei einem Wahlkampf-Auftritt von Keiko Fujimori, der Präsidentschaftskandidatin mit den besten Chancen, verbotenerweise Geld verteilt wurde, entschied das Gericht, die Politikerin nicht zu disqualifizieren.

Warum gab das Wahlgericht sein Urteil erst nach Mitternacht bekannt, als die Zeitungen schon gedruckt waren, die Radios Nachtprogramme sendeten und die meisten Peruaner im Bett lagen? Schwer, sich einen anderen Grund auszumalen als Angst vor der Reaktion der Straße. Denn die Empörung ist groß. Obwohl bei einem Wahlkampf-Auftritt von Keiko Fujimori, der Präsidentschaftskandidatin mit den besten Chancen, verbotenerweise Geld verteilt wurde, entschied das Gericht, die Politikerin nicht zu disqualifizieren.

Die Entscheidung ist umso umstrittener, als das Gericht vor kurzem den aussichtsreichen Multimillionär César Acuña aus dem Rennen nahm, nachdem er mit Geld um sich geworfen hatte. Auch den speziell die jungen Wähler ansprechenden Ökonomen Julio Guzmán disqualifizierten die Wahlrichter kürzlich, wenngleich aus anderen Gründen. Und vor diesem Hintergrund drückt das Gericht bei Keiko Fujimori beide Augen zu?

In Peru gibt es seit Jahrzehnten radikale Stimmungsumschwünge kurz vor den Wahlen; wer gestern gute Chancen hatte, wird morgen oft unter „ferner liefen“ notiert. Die Ausnahme ist Keiko, die Tochter des früheren Diktators Alberto Fujimori. Sie hat ein treues Wählerpotenzial von rund 30 Prozent, das in ihr die Garantin für notfalls autoritär durchgesetzte Ordnung sieht. Und sie zwei Wochen vor dem ersten Wahlgang aus dem Rennen zu nehmen, weil bei einem Musikwettbewerb der Keiko-Jugend den Siegern umgerechnet je 78 Euro in die Hände gedrückt wurden – das wäre noch heikler gewesen, als darüber hinwegzusehen.

Linkskandidatin im Kommen

Auch diesmal bleibt Peru seiner Tradition der lawinenartigen Meinungsumschwünge kurz vor der Wahl treu. Teils durch das Ausscheiden von Acuña und Guzmán, teils  durch Überzeugungsarbeit hat sich das Feld der Aussichtsreichen kräftig umgepflügt.

Fujimori würden nun 32 Prozent wählen, so eine am Montag veröffentlichte Umfrage. Zugelegt hat auch der Zweitnotierte, Pedro Pablo Kuczinsky, ein liberaler Ökonom, dem seine Anhänger die Wirtschaftsblüte Anfang des Jahrtausends zugutehalten, als er Wirtschaftsminister unter Präsident Alejandro Toledo war. Dass er sich als Erdöl-Lobbyist hervorgetan hat, stört viele Peruaner weniger als seine – mittlerweile – abgelegte US-Zweit-Staatsbürgerschaft. Der „Gringo“ gilt nicht gerade als Anwalt des kleines Mannes.

Noch überraschender als die 16 Prozent des Liberalen ist jedoch der Kampf um den dritten Platz. Der neuesten Umfrage zufolge hält ihn mit zwölf Prozent Veronika Mendoza, die 35-jährige Kandidatin der Linkspartei Frente Amplio. Ihr kommt das Ausscheiden Guzmáns besonders zugute, der sich vor allem an junge Wähler wandte – und 30 Prozent der wahlpflichtigen Peruaner sind unter 30. Mendoza wendet sich gegen den Ausverkauf der Bodenschätze, den der wirtschaftsliberale Noch-Präsident Ollanta Humala betrieben hat.

„Eine Stichwahl zwischen zwei Frauen, das wäre doch ideal!“, kommentierte Keiko Fujimori die jüngsten Verschiebungen. Mendoza hatte noch vor ein paar Wochen kaum zwei Prozent, und Alfredo Barnechea, der nun plötzlich auf gut elf Prozent kommt, krebste damals sogar im Nullkomma-Bereich herum. Auch er kommt aus der Wirtschaft, stand früher mal links, wandte sich dann aber dem Liberalismus zu und tritt nun für die Acción Popular an. Diese Partei verbinden die Peruaner mit Fernando Belaúnde, der in den Sechzigern Präsident war und bei vielen in guter Erinnerung ist.

Zwei Traditionsparteien drohen jedoch mit dieser Wahl in die Unwichtigkeit abzusinken. Die ursprünglich sozialdemokratisch ausgerichtete Apra schickt ihren Alt-Präsidenten Alan García ins Feld. Der versucht, seinen Mangel an Popularität durch ein waghalsiges Bündnis mit den Christdemokraten auszugleichen. Deren Kandidatin Lourdes Flores hat García früher bis aufs Messer bekämpft, nun tritt sie als seine Vize auf. Nützen tut es nichts. Mehr als sechs Prozent wollen Garcia nicht wählen.

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