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Gekühlte Solaranlagen

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Solaranlagen auf einem Gründach im französischen Lille.
Solaranlagen auf einem Gründach im französischen Lille. © imago images/Andia

Photovoltaik und Gründächer ergänzen sich gut / Aber noch wird das Konzept selten umgesetzt

Win-win-Effekte entstehen mitunter an Stellen, wo man sie nicht vermutet. So verbessern Gründächer erwartungsgemäß das Stadtklima, verlängern aber auch die Lebensdauer von Dächern mit Photovoltaikanlagen. Bei einer ungeschützten Photovoltaik-Dachanlage wird die erste größere Reparatur nach elf bis 15 Jahren fällig. Befindet sich die Anlage aber auf einem Gründach als eine Art Schutzschicht, verlängert sich die Zeit bis zur ersten Reparatur auf über 20 Jahre.

Das ist Ergebnis einer Umfrage des Bundesverbandes Gebäudegrün (BUGG) unter Dachdecker:innen, aus der Verbandspräsident Gunter Mann auf dem ersten bundesweiten Kongress zum Solar-Gründach im Oktober zitierte.

Dank der Vegetation schütze so ein Gründach ganz anders vor Wetterextremen, begründete Mann die geringere Reparaturanfälligkeit. Auch könne das Grün, zumal wenn Drainagen und Speichermöglichkeiten dazukämen, bis zu 80 Prozent des niedergehenden Wassers aufnehmen. Das kühle die Stadt bei Hitze – und ganz nebenbei auch die Solarstromanlage. Das wiederum ist für den Wirkungsgrad der Anlagen gut, der bei steigenden Temperaturen sinkt.

Dem Verbandspräsidenten war seine Begeisterung über die vielfachen Erfolgsfaktoren der Dach-Kombination von Sonne („gelb“), Vegetation („grün“) und Wasser („blau“) deutlich anzumerken. Da wären zum Beispiel: Überflutungs- und Hitzevorsorge, Wasserrückhalt, CO2-Reduktion, Artenvielfalt, Ertragssteigerung bei der Photovoltaik, Bindung von Luftschadstoffen und Schutz der Gebäudehülle.

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Gründächer mit all diesen Vorteilen muss man in Deutschland allerdings mit der Lupe suchen. Nach Angaben des Bundesverbands entstanden im vergangenen Jahr hierzulande rund 90 Millionen Quadratmeter Dachflächen neu. Davon blieben mehr als 90 Prozent unbegrünt. Knapp zehn Prozent bekamen eine Vegetation obendrauf gepflanzt.

Davon zählen allerdings wiederum rund 82 Prozent zur Kategorie „extensives“ Gründach. Bei dem bedeckt eine höchstens 15 Zentimeter hohe Schicht aus Moosen und Gräsern das Dach. Sogenannte „intensive“ Gründächer, begehbar und mit Sträuchern, Bäumen und möglicherweise Biodiversitätszugaben wie Totholz, entstanden vergangenes Jahr auf nur 17,5 Prozent der begrünten Dächer.

Wie viele Gründächer dann noch mit Solarenergie ausgestattet wurden – darüber kann auch der Gebäudegrün-Verband keine genauen Angaben machen. Gunter Mann schätzte, dass etwa auf fünf Prozent der extensiv begrünten Dachflächen auch Solarmodule installiert wurden.

Die peinlich geringe Verbreitung von Solargründächern in Deutschland liegt vor allem auch an fehlender Förderung, die sich derzeit auf einige kommunale Programme beschränkt.

Photovoltaik auf Gründächern: Derzeit gibt es nur in 121 Städten eine Förderung von Gründächern

Derzeit gibt es nur in 121 Städten eine Förderung von Dachbegrünung, meist für die einfachere extensive Form, referierte Rebecca Gohlke auf dem Kongress aus einer entsprechenden Analyse. 13 Städte förderten zudem die Kombination eines Gründachs mit Photovoltaik, darunter Leipzig, Bielefeld, Maintal oder die regionale Initiative Pro Klima Hannover.

Auf Landesebene gebe es eine Solardachgrün-Förderung praktisch nur in den Stadtstaaten Hamburg und Berlin, so Gohlke weiter. Die Flächenländer würden zwar Projekte für Klimaanpassung und Nachhaltigkeit fördern – es sei aber unklar, ob damit auch Solargründächer gemeint seien, sagte die Expertin.

Auf der Bundesebene seien Energie und Begrünung „zwei Paar Schuhe“, kritisierte Gohlke. Entweder werde Phototvoltaik gefördert oder Dachgrün. Ihr Fazit: Bei investiven Projekten für Solargründächer besteht kein Förderangebot auf Bundesebene.

Dass die gelb-grün-blaue Vision auch etwas kostet, ist klar. Christoph Harlacher, Vizepräsident der Schweizerischen Fachvereinigung Gebäudebegrünung, veranschlagte die Kosten für eine billige Unterkonstruktion pro Solar-Panel auf etwa 75 Euro. Soll Grün darunter, steigen die Kosten Harlacher zufolge auf 110 Euro pro Panel, also um gut ein Drittel.

Photovoltaik auf Gründächern könnte in Zukunft zum Standard werden

Dabei dürfe sich die Förderung nicht darauf beschränken, die Installation der „gelben“, „grünen“ und vielleicht auch „blauen“ Infrastruktur auskömmlich zu unterstützen. Genauso wichtig sei es, in den ersten drei Jahren für eine gute Pflege der Dächer zu sorgen – sonst bestehe die Gefahr, dass die Natur die Regie auf dem Dach übernimmt.

Ein entsprechendes Positionspapier für ein „Bundesförderprogramm Solargründach“ stellte auf dem Kongress im Oktober Harald Uphoff von der mitveranstaltenden „100-Prozent-Erneuerbar-Stiftung“ vor. Das Papier schlägt vor: Wird ab einer Untergrenze von 100 Quadratmetern Dachfläche Solarstrom oder Solarthermie installiert, bekommen private wie öffentliche Gebäudeeigentümer den Mehraufwand für eine Dachbegrünung gefördert, einschließlich der Pflege für drei Jahre.

Nach Angaben von Uphoff zeigt sich das Bundesumweltministerium inzwischen aufgeschlossen gegenüber einem Förderprogramm für Solargründächer und dessen Finanzierung über das Aktionsprogramm „Natürlicher Klimaschutz“.

Uphoff ist sich sicher, dass das Solargründach in Zeiten fortschreitender Klimaerhitzung der neue Standard als kombinierter Schritt für Klimaschutz- und -anpassung auf großen, wenig geneigten Dächern wird. Die Planer von Gebäuden seien so gefordert, das Solargründach von Beginn an mitzudenken.

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