Claus-Peter Schrack ist Sprecher von Loyalty Partner, dem Betreiber des Payback-Programms.
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Claus-Peter Schrack ist Sprecher von Loyalty Partner, dem Betreiber des Payback-Programms.

Interview

"Es geht um zielgerichtetes Marketing"

Claus-Peter Schrack, Unternehmenssprecher des Payback-Betreibers Loyalty Partner, über Persönlichkeitsprofile, Einkaufsdaten und deren Speicherung.

Herr Schrack, der Bundesgerichtshof hat Ihnen verboten, die Handynummern und E-Mail-Adressen Ihrer Kunden weiterhin ohne deren ausdrückliche Erlaubnis zu nutzen. Was tun Sie jetzt?

Wir werden natürlich ein neues Anmeldeformular mit einer neuen Formulierung erstellen und diese in die 8000 Filialen unserer Partnerunternehmen bringen. In der Zwischenzeit wird es ein Übergangsformular geben.

Was bedeutet das Urteil für Ihr Geschäft? Sie leben ja von der Weitergabe von Kundendaten.

Das ist falsch. Wir verkaufen keine Daten und geben keine Adressen weiter.

Womit verdient Ihre Gesellschaft denn dann ihr Geld?

Damit, dass unsere Partner uns für den Betrieb des Programms zahlen. Natürlich machen wir auch auch Werbe- und Mailingaktionen. Aber die Daten, die wir haben, bleiben innerhalb des Payback-Programms.

Mal konkret: Wenn ich mit einer Paybackkarte einkaufe, was wissen Sie dann von mir?

Wenn Sie sich bei dm zum Programm anmelden, dann sind Sie ein sogenannter dm-Payback-Kunde. Das heißt, Ihre Daten "gehören" dm: Stammdaten sowie die Daten von Ihren Einkäufen bei dm, und zwar nur bei dm. Wir als Betreiber haben ebenfalls Ihre Stammdaten, außerdem bekommen wir von allen unseren Partnern, damit wir Ihr Punktekonto führen können, Ihre Einkaufsdaten: wann Sie bei welchem Partner für wie viel Euro eingekauft haben. Einige Partner melden noch, welche Produktgruppen Sie gekauft haben.

Aber wieso müssen Sie wissen, welche Waren ich gekauft habe?

Es geht um zielgerichtetes Marketing. Wenn wir Kundenbedürfnisse kennen, können wir die Kunden mit relevanten Informationen versorgen - statt sie nach dem Gießkannenprinzip "zuzumüllen" mit Allerweltswerbung.

Jedenfalls laufen bei Ihnen Einkaufsdaten von verschiedensten Unternehmen zusammen. Wenn man die verknüpft, hat man den "gläsernen Kunden".

Wir erstellen keine Persönlichkeitsprofile. Wir können nur anonymisierte Segmentierungen vornehmen. Wenn etwa eine bestimmte Kundennummer Ultimate-Kraftstoff tankt, wissen wir, dass diese Person ein großes Auto hat; wenn sie zweimal pro Woche tankt, wissen wir, dass sie einen bestimmten Job hat, also womöglich selbstständig ist. Aber wir werten das nur anonymisiert aus.

Lassen Sie Ihre Daten auch im Ausland weiterverarbeiten?

Die Datenspeicherung erfolgt in Deutschland im Rechenzentrum von Hewlett Packard. Dort liegen Personendaten und Transaktionsdaten strikt getrennt auf unterschiedlichen Servern. Niemand hat Zugriff auf beide Server. Darüber hinaus arbeiten wir mit Auftragsdatenverarbeitern im Ausland zusammen. So erledigt etwa das Unternehmen GHP Far East in Vietnam für uns teilweise die manuelle Erfassung unserer Anmeldeformulare. Sie werden dort aber zu keinem Zeitpunkt gespeichert.

Wie können Sie das garantieren? Im Ausland gelten ja nicht die gleichen Datenschutzvorschriften wie in Deutschland.

Generell hat Auftragsdatenverarbeitung von deutschen Unternehmen immer nach deutschem Recht zu passieren. GHP ist uns gegenüber in der Pflicht, das deutsche Recht einzuhalten. Die GHP Far East ist eine Hochsicherheitszentrale. Da gelten strengste Richtlinien.

Nun hat aber kürzlich der SWR berichtet, ausgerechnet Daten von GHP Far East in Vietnam seien dort auf dem Schwarzmarkt illegal gehandelt worden.

Das ist aus unserer Sicht falsch. Sie wurden nicht gehandelt, sondern nach eigener Darstellung des Autors illegal gekauft.

Interview: Ursula Rüssmann

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