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Hat Merkel immer wieder heftig attackiert: Horst Seehofer.

Union

Geht Seehofer als Nächster?

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Der CSU-Chef hat beharrlich auf Merkels Abgang hingearbeitet – jetzt dürfte er der Nächste sein.

Im Spätherbst seiner politischen Karriere ist es wohl noch eine letzte Genugtuung für ihn. Eigentlich hatten fast alle in der Union darauf gesetzt, dass Horst Seehofer nach den für die Schwesterparteien CSU und CDU so verlustreichen Wahlniederlagen in Bayern und Hessen als Erster seinen Hut nimmt – als CSU-Chef und Bundesinnenminister.

Angekreidet werden Seehofer über Parteigrenzen hinweg anhaltende Attacken auf Angela Merkel, der immer wieder neu inszenierte Streit über die Migrationspolitik und sein Hang zum Destruktiven, die maßgeblich von den Wählern abgestraft wurden. Landesthemen, so der Vorwurf, seien in Bayern und Hessen kaum noch durchgedrungen. Allein das verheerende Erscheinungsbild der großen Koalition in Berlin habe die Menschen beschäftigt, für das sie an erster Stelle Seehofer verantwortlich gemacht hätten.

Merkels Sturz als Ziel

Mit der Ankündigung Merkels, im Dezember auf dem Bundesparteitag in Hamburg nach 18 Jahren an der Spitze der CDU nicht mehr für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen, kommt Merkel Seehofer zuvor. Für den CSU-Chef ist dies in den vermutlich letzten Tagen seiner politischen Karriere ein stiller Triumph. Nicht wenige innerhalb der Union sind davon überzeugt, Seehofers Sticheleien gegen die Kanzlerin hätten allein den Sturz Merkels zum Ziel gehabt – und zwar vor seinem eigenen Abgang.

Denn jetzt läuft die Uhr auch unerbittlich gegen Seehofer selbst. Die Nachricht von Merkels Rückzug erreichte den CSU-Chef während eines Besuchs im Ankerzentrum Lebach. Auf der Fahrt vom Saarland nach Berlin ereilten ihn erste Forderungen aus der Union nach seinem eigenen Rücktritt.

„Wenn man sich die letzten Wochen und Monate ansieht und auf die Ergebnisse der beiden Landtagswahlen in Bayern und Hessen schaut, muss sich zuallererst die CSU die Frage stellen, welche Weichen sie personell stellen will. Die Antwort dürfte klar sein“, sagte der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Eckhardt Rehberg, auf Anfrage. Rehberg sagte, er halte es für einen „Treppenwitz der Geschichte“, dass die Kanzlerin ihr Amt als Parteichefin zur Verfügung stelle, während Seehofer noch im Amt sei.

Thüringens Landesvorsitzender der Jungen Union, Stefan Gruhner, forderte Seehofer auf, der Kanzlerin zu folgen. „Angela Merkel hat begriffen: Der Parteivorsitz dient nicht der Sicherung einer Kanzlerschaft, sondern der Zukunftsfähigkeit unserer Partei“, sagte Gruhner am Montag in Erfurt. „Horst Seehofer sollte sich daran ein Beispiel nehmen und mit einem Rückzug vom CSU-Vorsitz den Weg zu einem umfassenden Aufbruch der gesamten Unionsfamilie frei machen.“ Die Union brauche nach den verlustreichen Landtagswahlen in Hessen und Bayern insgesamt einen Neustart.

Seehofer blieb am Montag ganz Seehofer. Er bedauerte in einer ersten Reaktion den Rückzug Merkels vom CDU-Parteivorsitz. „Im Moment ist das Bedauern im Vordergrund“, sagte der CSU-Chef. Er und Merkel machten schon seit langer Zeit „fruchtbar“ Politik miteinander. So recht glauben wollte ihm diese Aussage niemand.

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