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Gegenspieler in einem brandgefährlichen Konflikt: US-Präsident Donald Trump und der iranische Staatschef Hassan Ruhani.

Golf von Oman

Wer geht dazwischen?

Die Furcht vor einer militärischen Eskalation in der Golfregion wächst. Der Iran und die USA beschuldigen sich gegenseitig, die Spannungen anzuheizen. Und die Welt schaut machtlos zu.

Die Angriffe auf zwei Tanker im Golf von Oman haben die Spannungen zwischen den USA und dem Iran weiter verschärft. US-Präsident Donald Trump bekräftigte, dass die USA den Iran für den Urheber der mutmaßlichen Angriffe auf zwei Tanker im Golf von Oman halten. „Sie haben es getan“, sagte Trump in einem Telefoninterview des Senders Fox News. Er verwies zum Beweis auf ein Video, das die USA am Vortag zur Verfügung gestellt hatten.

Das Video liefert tatsächlich jedoch nach Expertenansicht keine eindeutigen Beweise. Es soll zeigen, wie iranische Kräfte eine Magnetmine von einem der Schiffe entfernen. Die Bilder stammen von einem Zeitpunkt nach den Explosionen. Der iranische Sender Press TV erklärte zu dem Film, die Revolutionsgarden seien die Ersten vor Ort gewesen, um die Besatzung zu retten.

Fox News berichtete anschließend unter Berufung auf das US-Verteidigungsministerium, es gebe Hinweise, dass eine der beiden Tanker-Besatzungen zunächst von einem Handelsschiff gerettet, dann aber von iranischen Kräften übernommen worden sei. Bekannt ist, dass die Besatzung des beschädigten norwegischen Tankers „Front Altair“ von dem Schiff „Hyundai Dubai“ aufgenommen und Iranern übergeben wurde. Die Besatzung gab dem iranischen Fernsehen ein Interview, in dem sie die Iraner lobte. Ihre Aussagen ließen keinen Rückschluss auf die möglichen Urheber der Angriffe zu. US-Aßenminister Mike Pompeo hatte zuvor von einer „klaren Bedrohung für die internationale Sicherheit“ gesprochen.

Der Iran wies die Vorwürfe als „gegenstandslos“ zurück, Präsident Hassan Ruhani bezeichnete die USA wegen ihres „aggressiven“ Vorgehens als „schwere Bedrohung für die Stabilität“ der Region. Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sagte, die US-Regierung beschuldige den Iran, ohne einen „Schnipsel“ Beweise vorzulegen. Die USA wollten die diplomatischen Bemühungen etwa von Japans Ministerpräsidenten Shinzo Abe sabotieren, um ihren „Wirtschaftsterrorismus“ gegen den Iran zu verschleiern.

Der norwegische Tanker „Front Altair“ und die von einem deutschen Unternehmen gemanagte „Kokuka Courageous“ aus Japan hatten am Donnerstagmorgen im Golf von Oman einen Notruf abgesetzt, nachdem es bei beiden Schiffen an der Wasserlinie Explosionen gegeben hatte. Auf der „Front Altair“ gab es laut der norwegischen Seefahrtsbehörde drei Explosionen. Erst nach mehreren Stunden konnte das Feuer an Bord gelöscht werden.

Die Besatzung des japanischen Tankers berichtete, ein „fliegendes Objekt“ habe ihr Schiff getroffen. „Es gab eine Explosion, und es bohrte sich in das Schiff“, sagte der Chef der Schifffahrtsgesellschaft Kokuka Sangyo, Yutaka Katada. Demnach hatte es bereits drei Stunden zuvor einen Angriff gegeben, woraufhin die Besatzung „Ausweichmanöver“ vorgenommen habe. .Die 21 Crew-Mitglieder der „Kokuka Courageous“ wurden von einem US-Zerstörer aufgenommen.

Die Bundesregierung forderte eine eingehende Untersuchung der Angriffe. Über die Urheberschaft habe Berlin „keine eigenen Erkenntnisse“, sagte Vizeregierungssprecherin Ulrike Demmer. „Wir dürfen auf keinen Fall in eine Eskalationsspirale hineingeraten.“ Die Vereinigten Arabischen Emirate beklagten eine „gefährliche Eskalation“. China forderte, den „Konflikt durch Dialog beizulegen“.

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Die UN-Schifffahrtsorganisation IMO kündigte an, die Aufklärung der jüngsten Zwischenfälle zu begleiten. Das sei der richtige Ansatz, sagte ein Sprecher des Verbandes Deutscher Reeder in Hamburg. „Wenn die Staaten jetzt in der Straße von Hormus den Schutz der Handelsschiffe nicht mit diplomatischen oder auch militärischen Mitteln gewährleisten können, dann würde das möglicherweise nicht nur für deutsche Reeder Konsequenzen bis hin zu einer Umleitung des Schiffsverkehrs haben.“Internationale Experten hielten sich mit eindeutigen Schuldzuweisungen zurück. Maxim A. Suchkov, Russland- und Nahostexperte des Online-Magazins „Al-Monitor“, twitterte: „Wenn es ein falscher Alarm war, um dem #Iran etwas anzuhängen, hat es funktioniert.“ Negar Mortazavi, iranisch-amerikanische Journalistin, erinnerte an die Rede des damaligen US-Außenministers Colin Powell 2003 vor den UN, in der er von einem irakischen Atomwaffenprogramm gesprochen hatte. Die Rede war ein Auslöser für den Irakkrieg, später räumte Washington ein, dass es das Programm nicht gegeben habe. (dpa/afp)

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