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Vermieden diesmal gegenseitige Angriffe: Bernie Sanders und Elizabeth Warren.

US-Wahlkampf

Die Gegner im eigenen Lager

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Wie links darf es denn sein? Bei der zweiten Fernseh-Debatte der US-Demokraten werden die ideologischen Differenzen deutlicher.

Der Einwurf kam kurz, aber schneidend. „Ich verstehe nicht, warum jemand die ganze Mühe einer Kandidatur auf sich nimmt, nur um zu sagen, was nicht geht und wofür wir nicht kämpfen sollten“, giftete die linke Senatorin Elizabeth Warren. Der frühere Abgeordnete John Delaney, der die Vorschläge der Parteifreundin zuvor als „Märchen-Wirtschaftspolitik“ bezeichnet hatte, schaute bedröppelt in die Kamera.

Die Szene war bezeichnend für den Auftakt zur zweiten TV-Debattenrunde der demokratischen Präsidentschaftskandidaten: Die Opposition widmet sich zunehmend leidenschaftlich internen Richtungskämpfen. Hatte es bei der ersten Debatte in Miami ausgesehen, als seien die Demokraten insgesamt weit nach links gerückt, meldeten sich dieses Mal in Detroit Vertreter des konservativen oder pragmatischen Flügels lauter zu Wort.

Im Mittelpunkt des fast dreistündigen, gleichwohl gehetzten Schlagabtausches der ersten zehn von 20 Kandidaten standen Gesundheits-, Umwelt- und Einwanderungspolitik. Präsident Trump und seine Politik kamen erst spät zur Sprache.

Der Präsident befördere Rassismus, kritisierte Warren. Der linke Senator Bernie Sanders nannte Trump einen „Sexisten und Schwulenfeind“. Der Präsident, der vier nichtweiße Kongressabgeordnete aufgefordert hatte, das Land zu verlassen, und die Stadt Baltimore ein „widerliches, von Nagern und Ratten befallenes Drecksloch“ nannte, legte derweil nach. In einem Interview erklärte er, die Gewalt in Baltimore sei „schlimmer als in Honduras“.

Mit der Forderung nach einer staatlichen Bürgerversicherung für alle, einem radikalen „New Green Deal“ und der Entkriminalisierung illegaler Übertritte an der südlichen Grenze der USA positionierten sich Warren und Sanders erwartungsgemäß klar links. Die beiden altgedienten Politiker, die in Umfragen derzeit auf Platz zwei und drei der Kandidaten rangieren, plädieren für eine mutige, progressive Politik zur Mobilisierung neuer Wähler. Hingegen warnten Kandidaten wie Delaney oder Steve Bullock, der Gouverneur von Montana, davor, die Wähler in eher konservativen Bundesstaaten wie Michigan, Pennsylvania und Ohio zu verschrecken.

Allerdings vermittelte der Abend ein schiefes Bild: Die letztgenannten Politiker kommen in Umfragen nur auf jeweils ein Prozent der Stimmen. Der Favorit der Demokraten, Joe Biden, war durch eine Losentscheidung dem zweiten Teil der Debatte am Mittwochabend zugeordnet worden. Dort soll er auf die kalifornische Senatorin Kamala Harris treffen, die ihn vor einem Monat in Miami scharf angegriffen hatte.

Anders als erwartet vermieden Warren und Sanders, der regelrecht aufgekratzt wirkte, am Dienstag gegenseitige Angriffe. Aufmerksam wurde auch das Zusammentreffen des ehemaligen texanischen Senatskandidaten Beto O’Rourke und des Bürgermeisters von South Bend, Pete Buttigieg, beobachtet. Beide präsentieren sich als Vertreter einer neuen Generation. Während Buttigieg professionell agierte, scheint O’Rourke, dessen Zustimmungswerte seit längerem fallen, seinen Nimbus endgültig verloren zu haben.

An der Grenze zu Mexikohaben die US-Behörden nach Angaben von Bürgerrechtlern binnen eines Jahres fast tausend Migrantenkinder von ihren Eltern getrennt. Die American Civil Liberties Union (ACLU) warf der US-Regierung vor, die umstrittene Praxis trotz einer richterlichen Anordnung im Juni 2018 fortzusetzen.

Die Regierungvon US-Präsident Donald Trump hatte im Zuge ihrer Null-Toleranz-Politik gegen die illegale Einwanderung im Mai 2018 damit begonnen, Migrantenkinder von ihren Eltern zu trennen. Nach einem Aufschrei der Empörung ließ Trump das Vorgehen nach sechs Wochen beenden. Illegal über die mexikanische Grenze gelangte Migrantenfamilien sollten nur noch dann getrennt werden, wenn die Eltern ein „Risiko“ für die Kinder darstellten, hieß es. afp

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