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Kopenawa (Mitte) lässt sich auch von Morddrohungen nicht einschüchtern.

Davi Kopenawa

Gegen die Zerstörung

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Der brasilianische Yanomami-Indianer Davi Kopenawa kämpft für die Indigenen im Amazonasgebiet - trotz Morddrohungen.

Es sind harte Zeiten für Menschen wie Davi Kopenawa. Seine Heimat steht in Flammen, Goldsucher, Holzfäller und Hasardeure jeder Art entern sein geschütztes Territorium im Amazonas, und die brasilianische Regierung will Kopenawa und alle anderen Kämpfer für die Sache der Indigenen und gegen den Klimawandel im Land am liebsten mundtot machen. Präsident Jair Bolsonaro verfolge „ein Projekt der Zerstörung der Amazonas-Region“, klagt Kopenawa an.

Aber es sind diese Momente, die der Yanomami-Indianer liebt. Wenn er das Kreuz noch ein Stück breiter machen muss als ohnehin, wenn er sich nicht einschüchtern lässt von Morddrohungen, Invasoren und einem aggressiven Präsidenten. Je stürmischer es wird, desto ruhiger wird Kopenawa. Angst vor vermeintlichen Autoritäten hat er nicht. Auch dafür erhält der 63 Jahre alte Schamane und wichtigste Repräsentant der Yanomami-Ureinwohner den alternativen Nobelpreis.

Nach innen ist er einer der größten geistigen Führer seines Volkes, nach außen einer der wichtigsten Streiter für die Sache seiner Ethnie im Ringen um ihr Land und das Recht, auch heute noch ungestört nach den alten Traditionen leben zu dürfen. Aber das wird immer schwieriger für die Indigenen, die im nördlichen Teil des Amazonasbeckens heimisch sind. Von den auf rund 26 000 geschätzten Yanomami leben knapp 17 000 im brasilianischen Teil des Gebiets, das so groß ist wie Portugal; die übrigen 9000 leben im venezolanischen Teil.

Kopenawa, der als einer der wenigen Yanomami fließend Portugiesisch spricht, reist unermüdlich durch die Welt und immer wieder auch nach Deutschland, um auf die Gefahren für sein Volk aufmerksam zu machen. Im Mai bekam er auf einer Konferenz zu Klimawandel und Amazonas an der US-Universität Harvard tosenden Applaus.

Die brasilianische Schriftstellerin und Filmemacherin Eliane Brum nennt Kopenawa „einen der wichtigsten Intellektuellen des Amazonas-Regenwalds“. „Wenn sie ihn ermorden, stirbt mit ihm eine ganze Bibliothek“, schrieb Brum jüngst. Gemeinsam mit dem französischen Anthropologen Bruce Albert hat der Yanomami-Führer eine Amazonas-Anthologie verfasst, die zeigen soll, worin der Glaube, das Wissen und die Weisheiten der Volksgruppe bestehen. „Es ist ein Buch für alle diejenigen, die draußen in den Städten leben und weder uns noch unseren Wald kennen. Wir Yanomami sind weise, können denken, sprechen und kennen die Geschichte der Welt und des Regenwaldes,“ unterstreicht Kopenawa.

Bekannter noch als sein Buch ist seine Organisation „Hutukara“. Die Interessensvertretung der Indigenen gründeten Kopenawa und andere Yanomami vor 15 Jahren. Sie sind mehr denn je in Gefahr, obwohl ihr Territorium seit 1992 geschütztes Indigenengebiet ist – jedenfalls auf dem Papier. Aber Kopenawa zufolge ist die Zahl der Eindringlinge im letzten halben Jahr explodiert, seit Bolsonaro das Amazonasgebiet praktisch zur Ausbeutung freigegeben hat. Allein 20 000 Goldschürfer seien in diesem Jahr widerrechtlich in ihr Gebiet eingedrungen. Sie reißen die Böden auf und verseuchen die Flüsse mit Quecksilber.

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