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Jim Brady saß nach dem Attentat im Rollstuhl.

James Brady

Gegen die Lobby

Der beim Attentat auf Ronald Reagan am 30. März 1981 schwer verletzte Präsidentensprecher war einer der bekanntesten Verfechter schärferer Waffengesetze in den Vereinigten Staaten.

Von Thomas J. Spang

Der Name Brady lässt den Lobbyisten der „National Rifle Association“ (NRA) die Nackenhaare hochstehen. Und das mit gutem Grund. Kaum jemand hat der mächtigen Waffen-Organisation so viele Probleme bereitet wie der von einem Geisteskranken niedergestreckte ehemalige Sprecher Präsident Ronald Reagans. Als Krüppel im Rollstuhl fand Jim Brady seine neue Lebensaufgabe im unermüdlichen Engagement für strengere Waffengesetze. Er war besessen von dem Wunsch, anderen das am eigenen Leib erfahrene Schicksal zu ersparen.

Was war geschehen? An einem regnerischen Nachmittag im März 1981 kam Brady mit Präsident Reagan aus einem Hotel in Washington von einer Rede. Das war der Moment, als der mental verstörte College-Aussteiger John Hinckley Jr. seine Pistole auf die Männer richtete und das Magazin leer schoss. Um die Schauspielerin Jodie Foster zu beeindrucken, wie er später sagte. Er traf Reagan in die Brust und am Arm. Brady erlitt einen Kopfschuss.

Beide Männer überlebten den Anschlag. Während Reagan bald ins Weiße Haus zurückkehren konnte, musste Brady die kleinsten Dinge des Alltags neu erlernen. Die Kugel zerstörte die rechte Hälfte seines Gehirns. Damit einher ging die Lähmung des linken Arms und Beins, der Verlust weiter Teile des Sprachzentrums und des Kurzzeitgedächtnisses.

Was Brady nicht vergaß, war der Grund, warum er von diesem März-Tag an bei jedem Weg zur Toilette oder ins Auto Hilfe brauchte. „Ich würde nicht in diesem verdammten Rollstuhl hier sitzen, hätten wir Gesetze mit gesundem Menschenverstand“, wetterte Brady gegen die Blockadepolitik der Waffenlobby.

Zwölf Jahre lang kämpften der Republikaner und seine Frau Sarah für eine gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit beim Kauf einer Waffe. Dies hätte verhindert, dass Hinkley die Pistole mit einem gefälschten Ausweis als Sonderangebot erwerben konnte.

Die NRA hielt das Gesetz lange Zeit mit dem Argument auf, fünf Tage zu warten, stelle eine schwere Bürde für gesetzestreue Amerikaner da. „Ich vermute, ich zahle für diese Bequemlichkeit“, stänkerte Brady gegen die Lobbyisten. Und setzte sich durch. Am 30. November 1993 unterzeichnete Bill Clinton das Gesetz, das Wartezeiten und obligatorische Personenüberprüfungen einführte. Es blieb der einzige große Erfolg des Mannes, nach dem der Briefing-Raum des Weißen Hauses benannt ist. Nach dem Anschlag auf die Kongress-Abgeordnete Gaby Giffords verhallte sein Ruf nach einer Erneuerung des Verkaufsverbots für automatische Schnellfeuerwaffen ungehört. Auch seine Mahnungen nach dem Schulmassaker von Newton halfen nicht, neue Einschränkungen durch den Kongress zu bekommen.

Dass der Kampf weitergeht, dafür werden seine Frau und Mitstreiterin Sarah sowie die „Brady Campaign to Prevent Gun Violence“ und das „Brady Center to Prevent Gun Violence“ sorgen. Der Name Brady wird der Waffenlobby garantiert auch in Zukunft Kopfzerbrechen bereiten.

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