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„Jeder Fall muss ans Licht gebracht werden“, fordert DFB-Vizepräsident Günter Distelrath. Andreas Arnold
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„Jeder Fall muss ans Licht gebracht werden“, fordert DFB-Vizepräsident Günter Distelrath. Andreas Arnold

Diskriminierung

Gegen Hass auf dem Rasen

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Das neue Projekt „Zusammen1“ will gegen Antisemitismus im Sport vorgehen

Szenen von deutschen Fußballplätzen: Amateurkicker beschimpfen ihre Gegenspieler als „Drecksjuden“ oder sagen ihnen, man habe wohl vergessen, sie zu vergasen. Ein wütender Zuschauer pöbelt vom Spielfeldrand: „Die Scheiß-Juden haben den Schiedsrichter bezahlt.“ Und eine Mutter beschwert sich, Jüdinnen und Juden bekämen „immer alles vom Staat in den Arsch geschoben“.

Diese antisemitischen Aussagen und Beleidigungen, geschildert von meist jungen Sportler:innen des jüdischen Sportverbands Makkabi Deutschland, stammen aus einer Studie über Antisemitismuserfahrungen jüdischer Sportvereine. „Zwischen Akzeptanz und Anfeindung“ heißt das Papier, mit dem das Projekt „Zusammen1 – Für das, was uns verbindet“ Anfang dieser Woche an die Öffentlichkeit getreten ist. Das vom Bundesfamilienministerium geförderte Modellprojekt ist eine neue Kooperation von Makkabi Deutschland mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland, der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Das fünfköpfige Kernteam hat sich gleich mehrere Ziele gesetzt: „Zusammen1“ will Antisemitismus und andere Formen von Menschenfeindlichkeit im Sport wissenschaftlich untersuchen, in Vereinen und der Öffentlichkeit für das Problem sensibilisieren und es zugleich praktisch bekämpfen, etwa mit Beratung von Betroffenen, Workshops und Bildungsangeboten.

Die erwähnte sozialwissenschaftliche Studie, für die 309 jüdische und nichtjüdische Sportler:innen mehrerer Makkabi-Ortsvereine befragt wurden, belegt, dass Antisemitismus im deutschen Amateursport ein virulentes Problem ist. So gaben 39 Prozent der überwiegend unter 30 Jahre alten Befragten an, mindestens einmal beim Sport von einem antisemitischen Vorfall betroffen gewesen zu sein, etwa von Beleidigungen oder körperlichen Attacken.

Jüdische Makkabi-Mitglieder waren dabei häufiger betroffen als nichtjüdische, bei 73 Prozent lag das letzte Erlebnis nicht mehr als drei Jahre zurück.

Von den Befragten, die bei Makkabi Fußball spielen, waren sogar 68 Prozent persönlich antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt, mehr als die Hälfte von ihnen mehrfach. Etwas mehr als die Hälfte aller Befragten gab an, schon mal einen antisemitischen Vorfall mitbekommen zu haben. Insgesamt, so die Studie, seien vor allem Sportler:innen der Fußballabteilung gefährdet, gerade dann, wenn sie bei Wettkämpfen spielten. Nur 27 Prozent der Befragten sehen den organisierten Sport auf den Umgang mit Antisemitismus vorbereitet.

Das neue Projekt trete für einen Sport ein, der offen für alle sei und niemanden diskriminiere, sagte Luis Engelhardt, Sportpädagoge, Makkabi-Mitglied und Leiter von „Zusammen1“. Bislang werde zu wenig über Antisemitismus im Sport geforscht, so Engelhardt. „Wir haben ein großes Dunkelfeld.“ Im Sport mit seinen integrativen Stärken könne man zugleich wirksam gegen antisemitische Einstellungen vorgehen.

Alon Meyer, der Präsident von Makkabi Deutschland, betonte, der Sport müsse offensiver gegen Antisemitismus und für demokratische Werte eintreten. „Wir alle müssen aufstehen, wir alle müssen dem entschieden entgegentreten, was auf deutschen Fußballfeldern passiert.“ Die Übergriffe kämen überwiegend, aber nicht nur von arabischstämmigen und muslimischen Sportler:innen, sagte Meyer. Das Team von „Zusammen1“ betont, dass Antisemitismus aus der Mitte der Gesellschaft komme.

Günter Distelrath, Vizepräsident für Integration beim DFB, rief zur Unterstützung des Projekts und mehr Wachsamkeit gegen antisemitische Pöbeleien auf. „Jeder Fall muss ans Licht gebracht werden“, forderte Distelrath. Der DFB unterhalte bereits Anlaufstellen gegen Diskriminierung, wolle aber noch mehr tun.

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