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Freut sich auf einen „fairen Wettbewerb“: Sawsan Chebli.

Sawsan Chebli

Gegen den eigenen Chef

Berlins Staatssekretärin Chebli macht Bürgermeister Müller den Wahlkreis streitig.

Im Kampf um die Bundestagskandidatur der SPD im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf tritt die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli gegen den Regierenden Bürgermeister Michael Müller an. „Mein Vater ist aus einem libanesischen Flüchtlingslager nach Deutschland geflohen, damit seine Kinder eine Perspektive haben“, schrieb Chebli am Donnerstag auf Twitter. Sie stehe nun der SPD und ihrer Heimat als Kandidatin für die Wahl im Herbst 2021 zur Verfügung.

„Ich wurde gefragt, warum ich mir das antue“, fügte Chebli als Andeutung auf Müllers angestrebte Kandidatur im selben Wahlkreis hinzu. Sie sei sicher, dass sie Menschen erreichen könne. „Ich freue mich auf einen offenen und fairen Wettbewerb um die Nominierung“, teilte sie der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. Sie habe die Mitglieder ihres Kreisverbands Charlottenburg-Wilmersdorf gebeten, sie als Kandidatin zu nominieren.

Die 42-jährige Chebli ist seit Ende 2016 in Müllers Senatskanzlei Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement. Zuvor war sie unter anderem stellvertretende Sprecherin im Auswärtigen Amt.

Am Montag hatte Müller erklärt, im gleichen Wahlkreis antreten zu wollen. Er wolle politische Themen aus der Hauptstadt wie bezahlbaren Wohnraum, faire Löhne oder Hilfe für Geflüchtete in Zukunft „stärker auf die Bundesebene tragen“, schrieb Müller nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur an die Mitglieder des dortigen SPD-Kreisverbands. „Dafür bitte ich Euch um Vertrauen und Unterstützung.“

Erste Wahl für seine Bundestagskandidatur wäre der Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg gewesen. In dem gleichnamigen Berliner Bezirk hat er seine familiären Wurzeln und trat dort wiederholt bei Wahlen zum Abgeordnetenhaus an. Allerdings fuhr ihm Juso-Chef Kevin Kühnert in die Parade. Der 31-Jährige erklärte vor einer Woche via Berliner „Tagesspiegel“ seine Kandidatur in dem Wahlkreis. Die SPD-Direktkandidaten in den Berliner Wahlbezirken werden in den kommenden Wochen und Monaten festgelegt.

Stühlerücken an der Spitze

Mit seiner Ankündigung, in Charlottenburg-Wilmersdorf antreten zu wollen, beendete Müller, der seit 2014 Regierungschef in der Hauptstadt ist und seit 2016 einen rot-rot-grünen Senat führt, eine lange Phase der Unklarheit.

Klar ist schon länger, dass Müller die Führung der Berliner SPD abgibt. Am 31. Oktober wollen sich Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und der Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh als neue Doppelspitze wählen lassen. Darauf hatte sich ein enger Zirkel der Parteispitze mit Müller im Januar geeinigt.

Als wahrscheinlich gilt nun, dass Giffey auf einem Parteitag am 19. Dezember zur Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl im Herbst 2021 gekürt wird und um das Amt der Regierenden Bürgermeisterin kämpft. Bis zum Ende der Legislatur dürfte Müller im Roten Rathaus bleiben. (afp/dpa)

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