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Bericht der Europäischen Union

Bosnien: Geflüchtete müssen bei klirrender Kälte im Freien schlafen

  • VonTobias Ketter
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Die Situation im abgebrannten Flüchtlingslager Lipa in Bosnien-Herzegowina ist katastrophal. Viele Menschen schlafen bei Minustemperaturen unter freiem Himmel.

  • Viele Geflüchtete haben im bosnischen Lipa kein Dach über den Kopf.
  • Einige der Menschen haben sich wohl mit dem Coronavirus infiziert.
  • Die Europäische Union kritisiert die Zustände öffentlich.

Brüssel - Im Flüchtlingslager Lipa in Bosnien und in dessen Umgebung müssen laut den Angaben in einem EU-Bericht rund 1.900 Menschen bei bis zu minus 15 Grad Celsius im Freien schlafen. Das vermeldet die Zeitung „Welt“ am Freitag (15.01.2021). Einige Geflüchtete weisen Corona-Symptome auf, heißt es in dem internen EU-Papier weiter, das vor wenigen Tagen erschienen ist.

Die Europäische Union kritisiert die Zustände rund um das Lager des EU-Beitrittskandidaten Bosnien-Herzegowina schon seit einiger Zeit öffentlich. Der Bericht liefert nun Einzelheiten zu den katastrophalen Bedingungen in Lipa.

Flüchtlingslager in Bosnien wird geschlossen

Bereits im Dezember des vergangenen Jahres wurde das Flüchtlingslager in Bosnien vorübergehend geschlossen, da es von den Behörden nicht winterfest gemacht wurde. Daraufhin setzten einige Geflüchtete die Zelte in Brand. Die Bewohner sollten dann umgesiedelt werden. Busse brachten sie in eine ehemalige Kaserne im Süden des Landes, doch die Anwohner:innen protestierten dagegen. Das berichtet der „MDR“. Nachdem die Geflüchteten rund 24 Stunden in den Bussen verbracht hatten, wurden sie nach Lipa zurückgebracht. In den darauffolgenden Tagen überwinterten viele Menschen ohne warme Kleidung in den umliegenden Wäldern, wie aus einem Bericht der „ARD“ hervorgeht.

Geflüchtete müssen bei niedrigen Temperaturen und Schnee im bosnischen Lipa im Freien übernachten.

Anfang Januar stellte die bosnische Armee 20 beheizte Zelte in dem abgebrannten Lager in Lipa auf. Laut dem EU-Bericht sei allerdings festgestellt worden, dass diese sich häufig in einem mangelhaften Zustand befinden. „Unglücklicherweise sind nicht alle Zelte in einem perfekten Zustand, und die Migranten beklagen, dass Wasser durch Löcher eindringt und die Luft verschmutzt ist, weil die Heizsysteme mit Kraftstoff angetrieben werden und keine Ventilatoren vorhanden sind“, zitiert die Zeitung „Welt“. Es habe ein Hungerstreik von Geflüchteten stattgefunden, der am 5. Januar beendet worden sei.

Katastrophale Situation im Flüchtlingslager Lipa: EU gibt bosnischen Behörden die Schuld

Die Europäische Union gibt in ihrem Bericht den bosnischen Behörden die Schuld für die Zustände in Lipa. Sie seien „nicht dem Rat und den Bewertungen der EU, von internationalen Partnern und anderen Organisationen gefolgt“, obwohl die Union Bosnien-Herzegowina alle nötigen Finanzen bereitgestellt habe. Die Grünen-Fraktionschefin im Europaparlament, Ska Keller, sieht dagegen eine Mitverantwortung der EU. Die in Bosnien gestrandeten Geflüchteten, „wurden oft unter Gewaltanwendung und illegal aus Kroatien zurückgedrängt“, so Keller gegenüber der „Welt“.

Das Flüchtlingslager Lipa in Bosnien-Herzegowina liegt in einem unwirtlichen Gelände rund 25 Kilometer südöstlich von der Stadt Bihac. Es wurde im Frühjahr 2020, nachdem die bosnischen Behörden die Schließung des Lagers Bira am Stadtrand von Bihac angeordnet hatten. Die Geflüchteten sollten durch diese Maßnahme aus dem Stadtbild der 60.000-Einwohner-Stadt im Nordwesten Bosniens verschwinden, wie die „ARD“ berichtet. 

Bosnien-Herzegowina: Geflüchtete wollen nach Westeuropa gelangen

Wegen der unmittelbaren Nähe zum EU-Land Kroatien üben Bihac und der Kanton Una-Sana eine große Anziehungskraft für Geflüchtete aus. Durch Bosnien verläuft ein Ableger der Balkanroute, über den die Menschen aus der Türkei nach Westeuropa gelangen wollen. (Tobias Ketter)

Rubriklistenbild: © Kemal Softic/dpa

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